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Uhrenindustrie : Swatch-Gründer Nicolas Hayek gestorben

  • Aktualisiert am

Nicolas Hayek (Archivbild aus dem Jahr 1998) Bild: Reuters

Der Gründer des Schweizer Uhrenbauers Swatch ist tot. Der 82-jährige Nicolas Hayek starb am Montag unerwartet an einem Herzinfarkt. Er gilt als der Retter der Schweizer Uhrenindustrie.

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          Die ungewöhnliche Unternehmerpersönlichkeit mit libanesischen Wurzeln, der mit Zigarre, mehreren Uhren an den Armen und offenem Hemdkragen auftrat, entsprach so gar nicht dem Typ des biederen Schweizer Geschäftsmannes. Seine Pläne für ein umweltfreundliches Auto für jedermann führten zum Smart von Mercedes. Die Idee wurde zunächst von Volkswagen aufgenommen, der Wolfsburger Konzern stieg aber im Jahr 1993 wieder aus dem Projekt aus. Ein Jahr später fand Hayek mit Mercedes-Benz doch noch einen Partner für das Miniauto.

          Geboren wurde Hayek 1928 in Beirut. 1940 emigrierte er nach Frankreich, studierte Physik und Mathematik und zog später in die Schweiz. Ab den 1950er Jahren leitete er verschiedene Firmen, darunter das Unternehmen seines kranken Schwiegervaters, das Bremsklötze für Eisenbahnen herstellte. Hayek starb nach Angaben seines Unternehmens an seinem Arbeitsplatz in Biel an Herzversagen. Bis zuletzt gehörte „Mr. Swatch“ dem Verwaltungsrat der Swatch Group an. Dagegen hatte er die Leitung bereits 2003 an seinen 1954 geborenen Sohn Nick weitergegeben.

          Zum weltgrößten Uhrenkonzern entwickelt

          An diesem Konzern, der einst Gesellschaft für Mikroelektronik und Uhrenindustrie (SMH) hieß und 1983 unter Mitwirkung Hayeks aus der Fusion der fast bankrotten Uhrenriesen SSIH und Asuag entstand, übernahm der Unternehmer 1985 mit einem Bankenkredit die Mehrheit. 1986 wurde Hayek dort Verwaltungsratspräsident und 1991 dank seiner Aktienmehrheit der eigentliche Chef des Konzerns.

          Mehr als 5000 Modelle der Kultmarke Swatch gibt es inzwischen
          Mehr als 5000 Modelle der Kultmarke Swatch gibt es inzwischen : Bild: AFP

          Unter der Führung Hayeks wuchs die Gruppe dann kontinuierlich zum weltgrößten Uhrenkonzern heran. Der Gewinn lag 2009 bei 763 Millionen Schweizer Franken (damals 520 Millionen Euro). Der Umsatz betrug 5,4 Milliarden Franken.

          Mehr als 5000 Swatch-Modelle

          Seine einmalige Idee war die Swatch, die 2008 ein Vierteljahrhundert alt wurde. Sie traf damals genau den Zeitgeist und trägt ihn auch heute noch auch als Kult und Sammlerobjekt in sich. Als die Swatch am 1. März 1983 in Zürich vorgestellt wurde, galt sie noch als „unmögliche Uhr“. Zwölf Modelle waren es, die ab Herbst 1983 einheitlich 50 Franken kosteten. Inzwischen gibt es rund 5000 Modelle, und insgesamt wurden bisher etwa 370 Millionen Stück produziert.

          Die Swatch-Philosophie Hayeks sah vor, dass die Uhr nicht ein Leben lang Einzelstück bleiben, sondern je nach Gemütszustand, Jahreszeit, Stimmung, Umgebung oder Klima austauschbar sein kann. 1998 taufte Hayek SMH in Swatch Group AG um. Diese ist nun nach eigenen Angaben weltweit der größte Produzent von Fertiguhren. Zur Swatch-Gruppe gehören neben der preisgünstigen Swatch auch Luxusmarken wie Breguet und Blancpain, aber auch die deutsche Glashütte Original.

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