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Bundesliga im Fernsehen : Die Gewinner des Milliardenpokers

Noch sind die Zuschauerränge leer: Heimspiel des SC Freiburg gegen Bayer 04 Leverkusen Bild: AFP

In der DFL-Auktion um die Fernsehrechte bleibt der große Wettbewerb aus. Die große Offensive des Online-Giganten Amazon kam nicht. Müssen die Fußballklubs nun Einbußen hinnehmen?

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          Der Bezahlfernsehsender Sky kann auch die nächsten Jahre Spiele der Fußball-Bundesliga live zeigen, büßt aber weiter von seiner früheren Dominanz ein. Das Unternehmen wird in den vier Spielzeiten von 2021/22 bis 2024/25 nur noch die Partien an Samstagen und an Spieltagen in der Woche sowie die Konferenzen übertragen.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Derweil konnte sich der Streamingdienst Dazn die Liverechte aller Bundesligaspiele am Freitag und Sonntag sichern und damit sein bisheriges Portfolio sogar ausbauen. Zugleich soll die ARD-Sportschau mit den Zusammenfassungen der Spiele im frei empfangbaren Fernsehen erhalten bleiben. Nach F.A.Z.-Informationen aus dem Verhandlungsumfeld sind das die wichtigsten Ergebnisse der Rechteversteigerung der Deutschen Fußball-Liga (DFL), welche in den vergangenen zwei Wochen stattfand. Weder die DFL noch die betroffenen Sender und Unternehmen wollten sich zu der aktuellen Entwicklung äußern.

          An diesem Montag will die Liga-Geschäftsführung die einzelnen Resultate veröffentlichen. Welche Einnahmen die DFL aus der Auktion erzielen konnte, ist bisher nicht bekannt. Dass im lukrativen Segment der Liverechte offenbar keine neuen Anbieter zum Zuge gekommen sind und auch die von Fachleuten erwartete Offensive des Online-Giganten Amazon, der zuvor in die Champions League und die englische Premier League investiert hatte, allem Anschein nach ausgeblieben ist, könnte den Wettbewerb innerhalb der Auktion gebremst haben.

          Jede Saison rund 900 Millionen Euro für die Liverechte

          Hinzu kommen die Auswirkungen der Corona-Krise, welche die Unternehmen finanziell eher defensiver agieren lassen. Dies könnte in der DFL-Auktion zu einem Einnahmerückgang geführt haben. Die Frage dürfte also sein, ob diesmal die Milliardengrenze geknackt werden konnte. In den vergangenen Jahren haben die Klubs der ersten und zweiten Liga im Durchschnitt je Saison knapp 1,2 Milliarden Euro aus der nationalen Medienrechtevermarktung erhalten. Der umstrittene Ausstieg des Medienpartners Eurosport aus dem noch bis zur nächsten Saison geltenden Medienvertrag der laufenden Periode könnte die DFL viele Millionen kosten. Der Streit zwischen Liga und Sender geht noch vor ein Schiedsgericht.

          DFL-Geschäftsführer Christian Seifert hatte schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland davor gewarnt, dass weitere sprunghafte Steigerungen in der Medienvermarktung nicht mehr zu erwarten seien. Auf dem Markt gab es schon einige Zeit erste Signale einer Sättigung. So musste die englische Liga zuvor schon auf der Insel einen leichten Rückgang hinnehmen. Die Premier League erzielt derzeit rund 1,9 Milliarden jede Saison aus der nationalen Medienvermarktung. Treiber ist dafür die Auslandsvermarktung mit Einnahmen von rund 1,6 Milliarden Euro jedes Jahr. In den Auslandsmärkten nimmt die Bundesliga derzeit in jeder Spielzeit rund 250 Millionen Euro ein und damit weniger als die Ligen in Spanien und Italien.

          Nachdem Sky zuletzt Übertragungsrechte in Deutschland für die Champions League verloren hatte, befürchtete das Unternehmen, im schlechtesten Fall auch in der Bundesliga-Auktion leer auszugehen. Der Druck der aufkommenden Streamingdienste ist erheblich. Das Unternehmen ist mit seinem Vorgänger Premiere seit dem Jahr 1991 mit der Bundesliga verbunden. Hinter der internationalen Sky-Gruppe steht mittlerweile der amerikanische Kabelnetzbetreiber Comcast. Sky zahlt derzeit jede Saison rund 900 Millionen Euro für die Liverechte an die Erste und Zweite Bundesliga. Während der Corona-Krise hatten der Bezahlsender und andere Rechteinhaber der Liga aus einer finanziellen Zwangslage geholfen und den Neustart mit den sogenannten Geisterspielen mit Vorauszahlungen der Rechtesummen unterstützt. Die Bundesliga hatte ihren Spielbetrieb als erste große Liga in Europa während der Pandemie fortgesetzt.

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