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Übernahmestreit : Kampf um Pharmahändler Celesio

Objekt der Begierde: Um den Stuttgarter Pharmagroßhändler Celesio wird weiter gestritten Bild: Wohlfahrt, Rainer

Der Verkauf des Pharmagroßhändlers Celesio an den amerikanischen Konzern McKesson ist zwar schon weit fortgeschritten, könnte aber noch scheitern. Denn ein Hedgefonds will mehr Geld.

          Rund um den Stuttgarter Pharmagroßhändler Celesio entbrennt ein Kampf. Die Protagonisten sind das Stuttgarter Unternehmen selbst, ein amerikanischer Konzern mit dem Namen McKesson, der den Pharmahändler kaufen will, der bisherige Celesio-Großaktionär Haniel aus Duisburg und der amerikanische Hedgefonds Elliott. Eigentlich sollte Celesio mit der Billigung von Haniel an McKesson verkauft werden. Dafür sollten die Celesio-Aktionäre 23 Euro je Aktie erhalten, insgesamt 6,1 Milliarden Euro. Das aber ist dem Hedgefonds zu wenig: Celesio sei mehr wert, heißt es; Haniel habe das Unternehmen aus welchen Gründen auch immer unter Wert verkauft.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Problem für die anderen Beteiligten ist, dass der Hedgefonds des Milliardärs Paul Singer ernst genommen werden muss. Denn der hält inzwischen gemeinsam mit verbundenen Gesellschaften eine zusammengerechnete Beteiligung von mehr als 25 Prozent an Celesio. Und zuvor hatte McKesson festgelegt, dass sich höchstens 24,99 Prozent der Celesio-Aktionäre und Inhaber von Wandelanleihen gegen das vorgelegte Übernahmeangebot sperren dürfen. Mit anderen Worten: Durch die Ablehnung von Elliott ist die Übernahme von Celesio zunächst gescheitert.

          Und jetzt wird es richtig spannend. „Es gibt nur noch zwei realistische Möglichkeiten: Entweder der Preis wird erhöht, oder wir suchen gemeinsam mit dem Großaktionär Haniel einen neuen Käufer“, sagte der zuständige Elliott-Portfoliomanager dieser Zeitung. Celesio-Mehrheitsaktionär Haniel hat seinen Anteil von 50,01 Prozent McKesson eigentlich schon angedient. Platzt die Transaktion, muss das Geschäft rückabgewickelt werden. Den erwünschten Preis, der eine solche Rückabwicklung noch aufhalten könnte, wollte der Hedgefondsmanager nicht beziffern. Eine Alternative könnte daher auch eine Aufspaltung von Celesio sein. So könnte das Großhandelsgeschäft an einen strategischen Bieter verkauft werden, etwa den amerikanischen McKesson-Wettbewerber Cardinal, und das Apothekengeschäft an einen anderen Käufer, vorzugsweise einen Finanzinvestor. Das müsse den Prozess auch nicht lange aufhalten – zumal sich der Hedgefonds vorstellen kann, dabei zum Partner von Haniel zu werden. „Gemeinsam mit Haniel sind wir schon jetzt fast an der wichtigen Beteiligungsschwelle von 75 Prozent. Wir würden den Prozess auch engagiert begleiten, zudem gibt es gewiss Interessenten. Schon am Ende des zweiten Quartals des kommendes Jahres könnte ein neues Verkaufspaket unter Dach und Fach sein“, heißt es bei Elliott. Ausschließen will man auch nicht, dass ein Elliott-Vertreter in den Aufsichtsrat von Celesio einziehe, sollte dies erforderlich sein. Dabei greife man aber traditionell auf unabhängige, erfahrene Branchenfachleute zurück.

          Die Folgen für den Aktienkurs

          Haniel sieht das Geschäft mit McKesson aber noch nicht als gescheitert an und hält das Vorgehen von Elliott für „das übliche Geplänkel“ eines Hedgefonds. Der Verkauf sei eine sinnvolle Lösung. Der Preis sei gut. Eine Zerschlagung sei nicht so einfach, wie es Elliott suggeriere. Haniel stehe auch nicht unter dem Druck, Celesio verkaufen zu müssen. Die Schulden seien gesunken, die Fälligkeitenstruktur habe sich verbessert. Ursprünglich sei auf McKesson als Kaufinteressent auf Haniel zugekommen, weshalb man in einer gute Verhandlungsposition gewesen sei.

          Bei Elliott kann man diese Argumentation nicht nachvollziehen. Man sei der festen Überzeugung, dass das Angebot von McKesson für Celesio das Unternehmen substantiell zu niedrig bewerte und deshalb nicht im Sinne der Celesio-Aktionäre und Anleihegläubiger sei. Von Analysten werde diese Einschätzung nach allem Anschein geteilt: Die Summe der von McKesson in Aussicht gestellten Synergien spiegle das wahre Potential dieser Transaktion nicht hinreichend wider. Auch das Management von McKesson habe öffentlich gesagt, mit dem Erwerb von Celesio ein sehr gutes Geschäft zu machen. Am Aktienmarkt ergebe sich ein ähnliches Bild, denn seit dem 7. Oktober, dem letzten Handelstag vor dem ersten Bericht über einen möglichen Zusammenschluss von McKesson und Celesio, ist die Marktkapitalisierung von McKesson um rund 7,7 Milliarden Dollar gestiegen.

          Mit der Ablehnung des Übernahmeangebots geht Elliott das Risiko ein, dass der Aktienkurs von Celesio zunächst wieder sinkt. Zudem sind das Apotheken- und Großhandelsgeschäft von Celesio miteinander verzahnt, bei einer Aufspaltung müssten sie entsprechend entflochten werden, worauf auch von Haniel verwiesen wird. Kartellrechtliche Schwierigkeiten sieht der Elliott-Manager aber nicht, sollte es zu einer Zerschlagung und einen Teilverkauf an einen europäischen Wettbewerber kommen. Elliott war in Deutschland in der Vergangenheit unter anderem schon bei der Übernahme von Wella durch Procter & Gamble oder beim Verkauf von Kabel Deutschland in Erscheinung getreten.

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