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Übernahmepoker : Siemens bietet weniger als von Alstom erhofft

  • Aktualisiert am

Siemens und General Electric kämpfen um die Energiesparte von Alstom Bild: dpa

Siemens bietet für die Energiesparte von Alstom Insidern zufolge neben der Mehrheit am eigenen Zuggeschäft rund sieben Milliarden Euro in bar. Die Franzosen beteuern, sie wollten sich nicht unter Wert verkaufen.

          Das Siemens-Gebot für die Alstom-Energiesparte dürfte Insidern zufolge niedriger ausfallen als von den Franzosen erhofft. Demnach planen die Münchner, weniger als sieben Milliarden Euro in bar und die Mehrheit an ihrem Zuggeschäft auf den Tisch zu legen, wie mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Montag sagten. Siemens bereite womöglich schon für Mittwoch ein Angebot vor, das einige Bereiche der bestehenden Alstom-Energietechnik ausschließe. So gelte der Hochspannungsleitungsbau der Franzosen als Verhandlungsmasse, da dort Kartellprobleme drohten. Das Barangebot werde zudem um etwa 800 Millionen Euro geschmälert, weil auf Alstom noch erhebliche Strafen im Zuge laufender Korruptionsermittlungen in den Vereinigten Staaten, Brasilien und Großbritannien zukommen könnten. Siemens und Alstom wollten sich zu den Angaben nicht äußern.

          Im Umfeld der Franzosen wurde klargemacht, dass Alstom sich angesichts der gut zwölf Milliarden Euro schweren Offerte des amerikanischen Rivalen General Electric (GE) nicht unter Wert verkaufen wolle. „Wenn sie weniger Bares anbieten und einen geringeren Umfang als GE, wird das nicht die Zustimmung der Gremien finden“, sagte ein Insider.

          “Wenn sie Alstom nicht zusichern, die Kartellbedenken aus dem Weg zu räumen, brauchen sie erst gar kein Angebot vorzulegen.“ Siemens werde daher Bereiche mit größeren Überlappungen ausklammern. Dazu gehöre auch das Stromübertragungsgeschäft (T&D). Auf die Nukleartechnik und die Windenergiesparte wolle Siemens ohnehin verzichten. Hier könnte es aber Probleme geben: Einer dem französischen Lager nahestehenden Person zufolge gilt es als schwierig, das Nuklear-Turbinengeschäft vom konventionellen Stromerzeugungsgeschäft zu trennen.

          Die GE-Offerte stößt auf Widerstand in Paris

          Offen ist noch die Zukunft der Bahnsignaltechnik, für das Geschäft komme etwa ein Joint Venture in Frage. Auch hier könnte ein Konflikt drohen, denn Alstom dürfte an einer Mehrheitsposition in diesem Bereich interessiert sein. Bei Siemens wird davon ausgegangen, dass GE-Chef Jeffrey Immelt am Mittwoch mit Frankreichs Präsident Francois Hollande über die Offerte der Amerikaner spricht. Der Konzern hatte sein Angebot, das von Alstom-Chef Patrick Kron bevorzugt wird, bis zum 23. Juni verlängert, um mehr Zeit für Verhandlungen mit der Politik zu haben.

          GE bietet bisher 12,35 Milliarden Euro für das Hauptgeschäft der Franzosen. Die Offerte stößt aber auf Widerstand der Regierung in Paris. Frankreich hatte Siemens um Hilfe gerufen, weil es das Werben der Amerikaner um Alstom skeptisch sieht und Arbeitsplatzverluste befürchtet. Unter diesem Druck hatte Alstom seine Bücher auch für Siemens geöffnet. Im Wesentlichen geht es GE um die mehr als 6000 installierten Turbinen von Alstom, die bei den Kunden vom Hersteller gewartet werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Energietechniksegmenten der Franzosen versprechen die Serviceverträge im Energiesektor traditionell sehr hohe Margen.

          Die Regierung Frankreichs hat sich in dem Übernahmepoker das letzte Wort gesichert. Dazu erließ sie ein Dekret, das ihr das Recht gibt, einen Kauf heimischer Firmen in strategisch wichtigen Branchen wie Energie, Wasser, Telekommunikation und Gesundheit durch Ausländer zu blockieren. Allerdings meldete EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier Bedenken an und will prüfen, ob das Dekret gegen EU-Recht verstößt. Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg tüftelt zudem an einer heimischen Lösung, um die Industrie-Ikone vor dem Kauf durch GE zu bewahren.

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