https://www.faz.net/-gqe-7oti0

Übernahmepoker : Siemens berät über Alstom-Gebot

  • Aktualisiert am

Siemenschef Joe Kaeser hatte am Montagabend nach einem Gespräch mit Frankreichs Präsident François Hollande angekündigt, so rasch wie möglich über ein Angebot entscheiden zu wollen. Bild: dpa

Im Übernahmepoker um den französischen Rivalen Alstom ist nun Siemens am Zug. Heute Vormittag tagt der Aufsichtsrat.

          2 Min.

          Siemens will so rasch wie möglich über ein Angebot an den französischen Rivalen Alstom entscheiden. Für diesen Dienstagvormittag hat der Münchner Elektrokonzern dem Vernehmen nach eine Sitzung des Aufsichtsrats anberaumt, um über die weiteren Schritte zu beraten und möglicherweise ein Angebot an die Alstom-Aktionäre zu beschließen. Konzernchef Joe Kaeser hatte am Montagabend nach einem Gespräch mit Frankreichs Präsident François Hollande angekündigt, schnell über ein Angebot entscheiden zu wollen. Zuvor hatte auch der Chef des amerikanischen Rivalen General Electric (GE) bei Hollande vorgesprochen.

          Am Montag hatte es in verschiedenen Berichten geheißen, Siemens könnte Alstom übernehmen wollen - oder, was wahrscheinlicher ist, den Franzosen einen Tausch anbieten. Dieser würde die Übernahme des Energiegeschäfts von Alstom und die Abgabe der eigenen Zugsparte umfassen. Das Unternehmen kommentierte dies zunächst nicht. Kaeser hatte zusammen mit dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Gerhard Cromme, mit Hollande in Paris über die Pläne diskutiert.

          Übernahmepoker um Alstom : Der Siemens-Chef zu Gast bei Präsident Hollande

          Hollande hatte den Übernahmepoker um den heimischen Industriekonzern Alstom zur Chefsache gemacht und war bereits am Montagmorgen mit GE-Spitzenmanagern zu Gesprächen im Élyséepalast zusammengekommen. GE hatte Berichten zufolge ebenfalls Interesse an Teilen von Alstom angemeldet. Nach einem rund einstündigen Treffen zwischen Hollande und GE-Chef Jeff Immelt hatte es am Vormittag keine Neuigkeiten gegeben. GE ließ lediglich mitteilen, die Gespräche seien „offen, freundlich und produktiv“ gewesen. GE verstehe und schätze Hollandes Sichtweise und sei bereit, zusammenzuarbeiten.

          Im Anschluss an die Gespräche mit Immelt und den Siemens-Vertretern wollte Hollande Martin Bouygues treffen. Der Chef des gleichnamigen französischen Konzerns ist als Alstom-Großaktionär maßgeblich an den Gesprächen beteiligt. Die Alstom-Führung will sich spätestens am Mittwoch äußern.

          Französischer Staat hat eine Art Veto-Recht

          Der französische Staat kann sich in die Verhandlungen einmischen, weil er bei Übernahmen in strategisch wichtigen Industriebereichen eine Art Veto-Recht hat. Die Regierung unter Hollande sieht eine mögliche Übernahme durch GE kritisch, weil sie unter anderem die Verlagerung von Arbeitsplätzen und Entscheidungszentren befürchtet.

          Paris hat stattdessen angedeutet, einen Geschäftsfeldertausch zwischen Siemens und Alstom zu bevorzugen. Am Montagnachmittag erklärte Hollande bei einer Rede, ihm gehe es lediglich um die französische Unabhängigkeit im Energiebereich, Arbeitsplätze und wirtschaftliche Aktivität in Frankreich.

          Hollande hatte bereits im Januar vorgeschlagen, eine deutsch-französische Allianz im Energiebereich zu schmieden. Als Vorbild für gelungene Zusammenarbeit nannte er den vor allem von Deutschland und Frankreich geschaffenen Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus (früher EADS). In einem Brief bot Siemens-Chef Kaeser unter anderem eine Arbeitsplatzgarantie an. Siemens könne demnach für mindestens drei Jahre auf Stellenstreichungen in Frankreich verzichten. Der Wert der für Siemens interessanten Alstom-Geschäfte wird vom Unternehmen mit zehn bis elf Milliarden Euro beziffert.

          Topmeldungen

          Mehr als Vater, Mutter, Kind: Frau Kirschey ist 98 Jahre alt und hat Covid-19 im März mit einem leichten Verlauf überstanden. Hier mit Tochter und Urenkelin.

          Zusammenhalt in Corona-Zeiten : Familie ist mehr!

          Seit mehr als neun Monaten hält uns die Pandemie in Atem. Für die Familien werden die Zeiten nicht einfacher. Und die Politik sendet fatale Signale. Ein Essay.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.