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Übernahmen und Fusionen erwartet : Viel Bewegung auf dem Laufsteg der Modebranche

Kreation des Altmeisters: Paul Smith präsentiert bei einer Modenschau in London seine Kollektion Bild: AFP

Die Modebranche hat bewegte Monate hinter sich und wohl noch einiges an Aufregung vor sich: In China schießen die Löhne in die Höhe, auf den Rohstoffmärkten die Baumwollpreise. Das wird tiefe Spuren in der Branche und auf den Preisschildern hinterlassen.

          Auf den Laufstegen der Modebranche mag es Anfang des kommenden Jahres wieder etwas bunter werden. Doch wirklich hoch hergehen wird es auf den Etagen der Unternehmensvorstände. Denn die Branche steht in den kommenden Monaten vor einigen großen Herausforderungen. Dazu zählen die rasant steigenden Löhne in wichtigen Produktionsländern wie China, die sich drastisch erhöhenden Preise für Rohstoffe wie Baumwolle und Chemiefasern sowie der scharfe Wettbewerb im Einzelhandel. Das wird auch auf dem Catwalk für viel Bewegung sorgen.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          So werden in einer Branche, deren große Anbieter ihren weltweit verkauften Chic und Charme schon jetzt durch komplizierte Algorithmen und Verkaufssoftware zu managen wissen, auch Akquisitionen, Übernahmen und Fusionen von Unternehmen wohl eine noch größere Rolle spielen als bisher. Das hält viele der Vorstände auf Trab. Während die Weltwirtschaftskrise ihren Preis verlangte und finanziell etwas auf Kante genähte Marken wie das Pariser Haute-Couture-Haus Christian Lacroix, das zur amerikanischen Falic-Gruppe gehörte, schlichtweg untergehen und vom Markt verschwinden ließ, blieben Firmen wie Ralph Lauren in Amerika oder Gerry Weber in Deutschland auf Wachstumskurs.

          Eng geschnittener Anzug, spitze Schuhe, dünne Krawatte

          Dort sehen sich auch andere gern. So haben gerade zwei amerikanische Private-Equity-Fonds für mehr als 3 Milliarden Dollar den noblen Textilhändler J. Crew übernommen - eine Marke, die auch von der amerikanischen Präsidentengattin Michelle Obama geschätzt und getragen wird. Zuvor schon hatte der Finanzinvestor Apax für 3 Milliarden Dollar Tommy Hilfiger an die New Yorker Phillips-Van Heusen Corp verkauft, die schon die Marken Calvin Klein oder DKNY in ihrem Portfolio hat. Bain Capital stand dem nicht nach und erwarb im Herbst die amerikanische Kindermarke Gymboree für 1,8 Milliarden Dollar.

          Linientreu: Modenschau von Hugo Boss in Berlin

          Auf der anderen Seite des Atlantiks kaufte der bekannte deutsche Hemdenhersteller Olymp den kleinen, aber feinen Münchner Strickspezialisten März, um seine Angebotspalette zu vergrößern. Wolfgang Joop engagierte sich jenseits seiner Wunderkind-Unternehmung für den in Schwierigkeiten geratenen deutschen Feinripp- und Unterwäschespezialisten Schiesser, den er aus dem Insolvenzverfahren an die Börse bringen will. Die Münchner Escada-Gruppe ist da schon einen Schritt weiter. Vor einem Jahr noch in der Insolvenz, machte sich die namhafte Gruppe in den vergangenen Monaten mit einem neuen Konzept, einer neuen Kollektion und einer neuen Kapitalgeberin für den rettenden Sprung nach vorn fit.

          Der Engländer Paul Smith setzt wie immer ganz auf seinen eigenen Namen, die deutsche Hugo Boss AG auf Wachstum. „Wir sind auf dem Weg, einer der großen Einzelhändler zu werden“, sagte Claus-Dietrich Lahrs, Vorstandsvorsitzender von Boss, vor wenigen Tagen vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. Sein schwarzer Anzug war eng geschnitten, die Schuhe spitz, die Krawatte dünn. Seine Stimme war laut, seine Sätze klangen wie aus einem MBA-Lehrbuch. In fünf Jahren, so Lahrs, soll das Unternehmen „wasserdicht gegen jede Krise“, das Produktangebot „noch etwas breiter gefächert“ und der Jahreserlös des Unternehmens von „heute 1,6 auf dann 2,5 Milliarden Euro“ gestiegen sein.

          „Wachstum um jeden Preis hat keinen Sinn“

          Erste Erfolge kann er auf diesem Weg vorweisen. Während der internationale Luxusgütermarkt in diesem Jahr 10 Prozent zulegte, hatte Boss in seinen rund 500 eigenen Läden in aller Welt ein Plus von mehr als 20 Prozent gegenüber der gleichen Zeitspanne des Vorjahres zu verbuchen. Durch die wachsende Zahl eigener Filialen könne das Management schneller auf Kundenwünsche reagieren als bisher, sagte Lahrs.

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