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Übernahmekampf um Alstom : General Electric geht auf die französische Regierung zu

GE bringt die Signaltechnik ein

In das Transportgeschäft von Alstom, an dem GE nicht interessiert ist, wollen die Amerikaner ihre Signaltechnik einbringen. „Wir helfen der Regierung, eine Lösung zu finden, um die Transportsparte zu unterstützen“, sagt Bolze. Die Signaltechnik gilt als ertragreicher als das „rollende Material“, wie Züge genannt werden. Deshalb ist Alstom-Chef Kron an der modernen Signaltechnik interessiert, um eine attraktive Bahngruppe als Nachfolgeunternehmen zu schmieden. Auch Gegenbieter Siemens erwägt offenbar, seine Signaltechnik einzubringen, obwohl dies zunächst nicht angedacht war.

In einem die Franzosen besonders am Herzen liegenden Thema strebt GE eine Einigung mit dem Staat an: „Wir arbeiten an einer Lösung, die sicher stellt, dass die Interessen der Kunden bei den Kernkraftwerksturbinen gewahrt bleiben“, spricht der Amerikaner die Frage nach der Zukunft des Nukleargeschäftes von Alstom an. Da Atomkraftwerke eine große Bedeutung haben, handelt es sich hier um sensibles und politisches Thema. Allen voran der französische Stromversorger EDF und dem Atomkraftwerkbauer Areva geht es um Liefersicherheit. EDF ist als Kraftwerksbetreiber nicht an der Übernahme der Nuklear-Turbinen interessiert. Eine Option könnte der Erwerb durch Areva sein, damit dieses Geschäft in französischer Hand bleibt.

Unter dem Strich mehr Arbeitsplätze

Der vierte Kernpunkt der Gespräche mit der Regierung ist die Zukunft der Arbeitsplätze von Alstom, um die seit Bekanntwerden der Übernahmepläne von GE Mitte April große Sorge ausgebrochen ist. „GE wird unter dem Strich die Belegschaft in Frankreich weiter ausbauen“, versichert Bolze. Er wiederholt die Zusicherung, in Frankreich vier Zentralen für das weltweite Geschäft von GE in den Bereichen Wasserkraft, Stromnetze, Windkraft sowie für die Dampfturbinen anzusiedeln. Das erkläre sich schon daraus, dass Alstom im Dampfturbinengeschäft größer als GE sei, die ihre Stärken bei Gasturbinen habe. Die Franzosen seien zudem im Netzgeschäft wichtiger, während die Amerikaner in der Wasserkraft bislang nicht engagiert sind. Schließlich sei GE seit über 40 Jahren in Frankreich tätig und beschäftige 10 000 Mitarbeiter dort.

Alstom und GE würden sich von den Produkten und den Technologien her sowie geographisch weitgehend ergänzen. Daher erwartet Bolze auch keine nennenswerten kartellrechtlichen Probleme. „Unser Angebot ist gut für Frankreich, gut für Alstom und gut für GE.“ Schließlich habe sich der globale Energiemarkt verändert, sich seit 2008 schwächer entwickelt als die Wirtschaftsleistung in den jeweiligen Märkten. Der Wettbewerb werde härter, das Umfeld schwieriger.

Damit hatte der französische Übernahmekandidat zunehmend Probleme, verlor er doch immer mehr an kritische Größe. „Wir würden Alstom die richtige globale Größe geben, das notwendige breite Produktangebot und die richtige Technologievielfalt“, wirbt Bolze für das Anliegen der Amerikaner.

Einfluss des Staates nicht überraschend gekommen

Die erhebliche Intervention durch den französischen Staat muss der GE-Energiechef als gegeben akzeptieren: „Es gibt einen lebhaften Dialog mit der Regierung“, sagt er. „Wir sind von Anfang an von einem starken Engagement der Regierung ausgegangen.“ Alstom sei schließlich eine Institution in Frankreich, und Energie gehöre zu den strategisch wichtigen Branchen. Was Bolze nicht davon abhält, am Ende vom Erfolg überzeugt zu sein.

Sollte der Zuschlag Ende Juni zugunsten von GE kommen: Die richtige Arbeit beginnt dann erst, nach dem Mitte 2015 erwarteten Vollzug der Übernahme. „Wenn der Deal abgeschlossen ist, wird die Integration noch viel Arbeit bereiten“, sagt Bolze. Er kennt sich damit aus. Der Manager leitete vor zehn Jahren schon die Integration des britischen Medizintechnikunternehmens Amersham, den GE vor zehn Jahren für damals 10 Milliarden Dollar gekauft hatte.

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