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Übernahmekampf : Showdown bei Conti

Bei Continental ist nichts mehr wie es war Bild: ddp

In Deutschlands Industrie wird es wieder spannend. Am kommenden Mittwoch will Schaeffler den Conti-Chef feuern. Beim letzten Mal ist das schiefgegangen. Dieses Mal ist man besser präpariert.

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          In Deutschlands Industrie wird es wieder spannend. Nachdem der Machtkampf um Porsche und VW entschieden ist, bringen jetzt im zweiten großen Übernahme-Duell die Protagonisten ihre Truppen in Stellung: Conti gegen Schaeffler.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Schlachtordnung ist gewählt. In beiden Unternehmen ist vom „Showdown“ am kommenden Mittwoch die Rede. Dabei geht es um nichts Geringeres als die Macht in einem börsennotierten Konzern mit 130 000 Mitarbeitern in 36 Ländern - dem traditionsreichen Reifenhersteller Continental AG.

          Es geht ums Ganze

          Es stehen sich gegenüber: Maria-Elisabeth Schaeffler, die in Bedrängnis geratene Milliardärin aus Herzogenaurach, mit ihren Mannen. Sie wollen bei Conti ihre Eigentümeransprüche durchsetzen. Und Karl-Theodor Neumann, (noch) Chef der Conti, mit seinem Management. Sie kämpfen um einen Rest an Eigenständigkeit.

          Die Kontrahenten suchen sich Verbündete in Politik und Wirtschaft

          Vordergründig soll am Mittwoch nur eine Personalentscheidung getroffen werden. Tatsächlich aber geht es ums Ganze. Schon vor gut einer Woche hatten Schaeffler-Vertreter im Conti-Aufsichtsrat versucht, Neumann als Vorstandschef der Conti abzusetzen. Vergeblich: Die notwendige Zweidrittelmehrheit wurde verfehlt; alle Arbeitnehmervertreter stimmten dagegen.

          Im zweiten Versuch am Mittwoch reicht allerdings eine einfache Mehrheit. Die Chancen stehen also gut für die Schaeffler-Seite. Sie will den Conti-Chef durch einen eigenen Mann ersetzen und so die Opposition im Keim ersticken.

          Flop statt listiger Plan

          Schließlich gibt es in dem Übernahmeversuch einen Dauer-Machtkampf. Los ging alles mit dem „Anschleichen“ vor gut einem Jahr. Schaeffler wollte Conti schlucken.

          Um den Eindruck einer feindlichen Übernahme zu vermeiden, unterzeichneten Schaefflers eine sogenannte Investorenvereinbarung. Das Gesetz zwang sie zwar, allen Aktionären ein Übernahmeangebot zu machen. Aber sie sagten zu, bis 2012 bei Conti unterhalb der Mehrheitsgrenze zu bleiben. Das listig ersonnene Vorhaben erwies sich als Flop: Als der Automarkt einbrach, verloren die Conti-Aktien dramatisch an Wert. Viele Aktionäre verkauften an Schaeffler. Zugleich verschlechterte sich auch für Schaeffler das Geschäft. Die Schulden aus der Übernahme drohten das Unternehmen zu ersticken.

          Nun hält Schaeffler 49,9 Prozent der Conti-Aktien. Weitere Aktienpakete von je knapp 20 Prozent sind bei den Banken Metzler und Sal. Oppenheim „geparkt“. Sie gehören den Banken, aber Schaeffler hat sich Einfluss darauf gesichert.

          Drei Möglichkeiten denkbar

          Zwar haben Conti und Schaeffler bereits gewisse gemeinsame Projekte vereinbart, etwa eine Kooperation im Einkauf. Die entscheidende Frage aber ist ungeklärt: Wer führt die Regie in diesem Gebilde aus Familienunternehmen und börsennotiertem Konzern?

          Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten: Entweder übernimmt Schaeffler Conti ganz. Dagegen spricht die Investorenvereinbarung, vor allem aber die wirtschaftliche Situation von Schaeffler.

          Oder, was zwischenzeitlich im Gespräch war, Conti übernimmt Schaeffler. „Reverse takeover“ nennen das die Übernahmeexperten, „umgekehrte Übernahme“. Auch das ist vom Tisch - Conti wäre selbst an seine Grenzen gestoßen.

          Damit bleibt nur ein Kompromiss: Beide Seiten behalten zunächst eine gewisse Eigenständigkeit, arbeiten zusammen und bilden vielleicht eine gemeinsame Holding.

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