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Übernahmekampf : Hochtief erwägt auch eine Kapitalerhöhung

  • -Aktualisiert am

Hochtief-Baustelle in Moers Bild: dpa

Im Übernahmekampf zwischen der Essener Hochtief AG und ihrem spanischen Großaktionär ACS wächst die Spannung. An diesem Donnerstag endet für den spanischen Baukonzern die Frist. Er muss sein Angebot an die Aktionäre vorlegen. Dann beginnt der Kampf zwischen den Bauunternehmen.

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          Im Übernahmekampf zwischen der Essener Hochtief AG und ihrem spanischen Großaktionär ACS wächst die Spannung. An diesem Donnerstag endet für den spanischen Baukonzern die Frist, bis zu der er sein Mitte September angekündigtes freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot an die anderen Hochtief-Aktionäre bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) in Bonn vorlegen muss.

          Die Bafin wird innerhalb von 10 Werktagen prüfen, ob das Angebot alle im Wertpapierübernahmegesetz vorgeschriebenen Angaben korrekt enthält. Es geht um die Höhe des Preises und seine Finanzierung, aber auch um die Absichten, die der potentielle Käufer mit dem Übernahmeobjekt hat. Falls die Bafin keine Verlängerung benötigt, könnte ACS das Angebot in den ersten November-Tagen veröffentlichen.

          Umtauschwert für Hochtief-Aktionäre verschlechtert

          Das spanische Bauunternehmen hatte am 16. September erklärt, man beabsichtige die gegenwärtige Beteiligung von 29,99 Prozent auf die Kontrollmehrheit von etwas mehr als 50 Prozent auszuweiten. Der Schritt über die 30-Prozent-Schwelle verlangt ein öffentliches Übernahmeangebot. Nach bisherigem Kenntnisstand sollen Hochtief-Aktionäre für jeweils 5 Aktien 8 ACS-Papiere erhalten.

          Der ehemalige Siemens-Chef Heinrich von Pierer
          Der ehemalige Siemens-Chef Heinrich von Pierer : Bild: dpa

          Seinerzeit entsprach das Tauschverhältnis von 1,6 einem gewichteten Durchschnittswert der letzten drei Monate vor der Ankündigung des Übernahmeangebotes. Der so ermittelte, gesetzlich vorgeschriebene Mindestpreis lag mit 50,95 Euro je Hochtief-Aktie schon im September deutlich unter dem Börsenkurs.

          Da seither der Hochtief-Kurs stärker als die ACS-Notierung gestiegen ist (zuletzt auf knapp 63,75 Euro), hat sich der Umtauschwert für die Hochtief-Aktionäre noch verschlechtert.

          Kapitalerhöhung als eine von vielen Optionen

          Am Dienstag bestätigte eine Hochtief-Sprecherin, dass auch eine Kapitalerhöhung als eine von vielen Optionen erwogen werde. Aber es gebe noch keinen Beschluss.

          Hintergrund sind die vom Aufsichtsrat Anfang September genehmigten Pläne einer Anleiheemission im Volumen von 500 Millionen Euro. Nach Ankündigung des Übernahmeangebots wurde die Plazierung jedoch storniert.

          Übernahmeangebot als feindlich empfunden

          Bisher arbeiten Vorstand und Aufsichtsrat des Essener Unternehmens eng auf der Suche nach einer wirkungsvollen Strategie zur Abwehr des als feindlich empfundenen ACS-Übernahmeangebots zusammen. Zwar wurde mit sechs Aufsichtsratsmitgliedern ein sogenannter Ad-hoc-Ausschuss gebildet, um vor allem die beiden ACS-Manager Ángel García Altozano und Marcelino Fernández Verdes vor einem Konflikt zwischen ihrem spanischen Unternehmen und Hochtief zu schützen.

          Aber die Zahl der Aufsichtsratsmitglieder, die den Vorstand bei der Abwehr des Angebotes unterstützen wollen, ist größer als die Zahl der Ausschussmitglieder. Diesem mit der Strategie zur Wahrung der Eigenständigkeit befasste Ausschuss gehören neben dem Aufsichtsratsvorsitzenden Detlev Bremkamp der früher Hochtief-Vorstandsvorsitzende und heutige BDI-Präsident Hans-Peter Keitel sowie der ehemalige Siemens-Chef Heinrich von Pierer an.

          Zu den Arbeitnehmervertretern zählen der stellvertretende Hochtief-Personal-Chef Gerhard Peters und Raimund Neubauer, der Betriebsratsvorsitzende von Hochtief Construction.

          Gerangel mit ACS

          Anfang des Jahres hatte es schon Gerangel mit ACS gegeben, der als Großaktionär auf mehr Aufsichtsratsmandate pochte. Damals konnten die Spanier zwar den langjährigen Vorsitzenden Martin Kohlhaussen aus dem Kontrollgremium verdrängen.

          Für den früheren Commerzbank-Chef schlug die ACS dann Manfred Wennemer vor. Allerdings wurde der einstige Vorstandschef von Continental zunächst nur neu in das Gremium gewählt. Auf den Vorsitz muss er noch warten.

          Forderung zunächst abgewendet

          Mit dem Hinweis auf den früheren Mehrheitsaktionär RWE, der bei einer Beteiligung vor mehr als 50 Prozent nur zwei Mitglieder im Hochtief-Aufsichtsrat stellte, konnte die Forderung nach weiteren Mandaten für ACS-Manager zunächst abgewendet werden.

          Jedoch haben die Spanier mehr Mitsprache bei der Kandidatenauswahl erhalten. So zog schon vor einem Jahr auf ACS-Vorschlag hin der mit einer Spanierin verheiratete Tilman Todenhöfer, einst stellvertretender Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung, in den Hochtief-Aufsichtsrat ein.

          Baubranche lässt Hochtief im Stich

          „Drohende Hochtief-Übernahme versetzt Baubranche in Alarmstimmung.“ Die Schlagzeile der Nachrichtenagentur von Anfang der Woche lässt Aufruhr unter der deutschen Baubranche vermuten. Wut und Verzweiflung im Angesicht der befürchteten Zerschlagung von Deutschlands größtem Baukonzern sucht man in der Branche allerdings vergeblich. Mit Solidarität und Zusammenstehen der Unternehmer ist es am Bau nicht weit her. „Kein Kommentar“, heißt es allerorten.

          Einzig der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) müht sich in diesen Tagen nach Kräften, dem größten deutschen Baukonzerns zur Seite zu springen. Die Warnung von HDB-Hauptgeschäftsführer Michael Knipper, der Vorstoß des spanischen Baukonzerns ACS könnte zum Vorbild für europäische Baufirmen werden, sich ebenfalls nach günstigen Kaufgelegenheiten in Deutschland umzusehen, fand allerdings kaum Widerhall.

          Die Sorge, dass von einer deutschen Bauindustrie im Weltformat kaum noch etwas übrig bleibt, treibt offenbar kaum einen Konkurrenten um. Öffentliche Solidaritätsbekundungen mit dem häufig als arrogant wahrgenommenen Branchenführer jedenfalls gibt es nicht. Anders als in der Autoindustrie, wo eine feindliche Übernahme eines großen Herstellers ganz sicher die Kommentare der Konkurrenz und der großen Zulieferer nach sich ziehen würde, halten sich die Hochtief-Konkurrenten bedeckt.

          Der Baumarkt ist hart umkämpft, und vor allem bei den wenigen lukrativen Großaufträgen fahren alle Anbieter ihre Ellenbogen aus. Das Vergaberecht, in dem das Verhältnis zwischen Generalunternehmer und Nachunternehmern geregelt ist, sorgt seit Jahren zusätzlich für Streit zwischen Konzernen und kleineren Mittelständlern.
          Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB), der die Interessen von etwa 30.000 meist kleineren Betrieben der Bauwirtschaft vertritt, sieht nach eigenem Bekunden keinen Anlass, öffentlich Stellung zu beziehen. Der Staat solle sich raushalten, sagte eine Sprecherin und verwies auf die einst vergeblichen Bemühungen des Bundes, die Pleite des Baukonzerns Holzmann abzuwenden.

          Die Kritik von damals - „bei Mittelständlern kommt der Insolvenzrichter, bei Konzernen der Bundeskanzler“ - gelte noch heute.

          Dem Essener Bauriesen kommt in diesen Tagen sein Image als großspurig und herablassend in die Quere. Hochtief sei jahrelang auf einem hohen Ross durch das Gelände geritten, sagt ein Mitarbeiter eines Konkurrenten. Weder Bilfinger Berger noch die Kölner Strabag AG, der größte Straßenbauer des Landes, noch ihr Schwesterunternehmen Ed. Züblin AG aus Stuttgart, noch der große bayerische Mittelständler Max Kögl bezogen gestern Stellung oder nahmen gar Hochtief gegen den Vorstoß von ACS in Schutz. Kein Kommentar, hieß es unisono auf entsprechende Nachfrage. Nach einem klaren Bekenntnis der Branche für Hochtief klingt das nicht. (tag.)

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