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Übernahmegesetz : Keine Gesetzesänderung wegen Hochtief

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Hochtief sucht weiter nach Verbündeten Bild: dapd

Trotz der möglichen Übernahme des Essener Baukonzerns Hochtief durch den spanischen Konkurrenten ACS will die Bundesregierung die Gesetze zur Übernahme von Firmen voraussichtlich nicht ändern. Hochtief hatte die Bundesregierung Anfang Oktober um Hilfe gebeten.

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          Im Streit um einen besseren Schutz deutscher Konzerne wie Hochtief lehnt Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) schärfere Übernahmeregeln ab. „Die gesetzlichen Regelungen sind aus meiner Sicht hinreichend“, sagte Wirtschaftsminister Brüderle am Montag in Berlin. Wie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wünsche auch er sich, dass Hochtief in Essen bleibe. Er wolle aber nicht in Marktprozesse eingreifen, betonte der Minister.

          ACS, der größte Baukonzern Spaniens, hatte kürzlich angekündigt, Hochtief übernehmen zu wollen. Der spanische Baukonzern ist mit knapp 30 Prozent bereits größter Einzelaktionär des Essener Konzerns. Hochtief lehnt die mehrheitliche Übernahme durch ACS ab und hatte deswegen die Bundesregierung bereits Anfang Oktober um Hilfe gebeten. Bundeskanzlerin Merkel hatte sich am Freitag in die Übernahmeschlacht um Deutschlands größten Baukonzern Hochtief eingeschaltet und erklären lassen, das Kanzleramt sei „daran interessiert, dass die industriellen Strukturen von Hochtief und auch der Sitz in Essen bleiben“.

          Australische Hochtief-Tochter will Barangebot von ACS

          In Sydney appellierte die ertragsstärkste Hochtief-Tochter Leighton derweil an die australische Wertpapieraufsicht ASIC, die Rechte ihrer Minderheitsaktionäre zu schützen. Wenn die Wertpapieraufsicht ACS verpflichte, auch den Leighton-Aktionären ein Übernahmeangebot zu machen, müsse es sich dabei um ein vollfinanziertes Barangebot inklusive Aufschlag für die Kontrollübernahme handeln. Andernfalls solle den Aktionären die Unabhängigkeit des Unternehmens garantiert werden, verlangte das Leighton-Management.

          Eine derartige Barofferte für Leighton würde die Hochtief-Übernahme für die Spanier um mehr als drei Milliarden Euro verteuern und damit massiv erschweren. Umstritten ist allerdings, ob ACS nach dem australischen Aktienrecht überhaupt zu einem eigenen Angebot an die Leighton-Minderheitsaktionäre verpflichtet ist. Die Spanier bestreiten dies.

          Hochtief hat dagegen an die Wertpapieraufsicht appelliert, dem spanischen Baukonzern einen solchen Schritt zur Auflage zu machen. Hochtief hält rund 55 Prozent an Leighton. Das australische Unternehmen ist die Ertragsperle des Essener Konzerns und spielt deshalb auch im Übernahmepoker eine besondere Rolle.

          Hochtief gewinnt Zeit

          Die Übernahmepläne von ACS hatten bereits in der vergangenen Woche einen ersten Rückschlag erlitten, als der Konzern bei der deutschen Wertpapieraufsicht Bafin einen vierwöchigen Aufschub für die Einreichung seines Übernahmeangebots beantragen musste. Der Hintergrund der Verzögerung: Der spanische Bauriese muss seine Pläne zur Finanzierung des Hochtief-Kaufs angesichts des heftigen Widerstands aus Essen völlig überarbeiten.

          Eine außerordentliche Aktionärsversammlung soll nun voraussichtlich am 19. November dem spanischen Baukonzern eine Kapitalerhöhung von bis zu 50 Prozent bewilligen. Der Baukonzern könnte damit bis zu 157 Millionen neue Aktien ausgeben, die zum aktuellen Börsenkurs einen Wert von fast sechs Milliarden Euro hätten. Die geplante Kapitalerhöhung solle ACS die Möglichkeit geben, auf alle denkbaren Szenarien zu reagieren und die Übernahme bis zum Januar kommenden Jahres erfolgreich abzuschließen, betonte der Baukonzern. Die Mehrheit der Aktionäre habe bereits ihre Unterstützung zugesichert.

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