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Übernahme von Hochtief : Aufsicht hat Zweifel an der Finanzierung der ACS-Offerte

  • -Aktualisiert am

Ein weißer Ritter konnte Hochtief bisher nicht helfen, jetzt hoffen die Essener auf die Finanzaufsicht Bild: dpa

Der Baukonzern Hochtief hofft bei der Übernahme durch den Großaktionär ACS auf Rettung in letzter Minute. Die Finanzaufsicht Bafin hat offenbar Bedenken. Sie muss das Angebot bis heute um Mitternacht geprüft haben.

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          Die geplante Übernahme des Essener Baukonzerns Hochtief durch den spanischen Konkurrenten ACS könnte im letzten Moment an einem Verbot durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) scheitern. Die Behörde hat dem Vernehmen nach Zweifel daran, ob das Angebot von ACS an sämtliche anderen Hochtief-Aktionäre solide finanziert ist.

          Im Laufe des Tages wird die Bafin, die nach dem deutschen Übernahmegesetz als Schiedsrichter fungiert, voraussichtlich ihre Entscheidung bekanntgeben. Die Entscheidung werde nicht vor 18 Uhr bekanntgegeben, sagte eine Sprecherin an diesem Montag. Falls sie nicht bis Mitternacht einschreitet, hat der spanische Baukonzern freie Hand und darf seine Konditionen für den Aktienkauf rechtsverbindlich veröffentlichen.

          Der spanische Baukonzern gibt sich indes weiterhin optimistisch. Man sei zuversichtlich, dass das Übernahmeangebot realisiert werden kann, hieß es. Nach Ablauf der Prüffrist der Bafin könnte das Tauschangebot am Dienstag oder Mittwoch veröffentlicht werden. ACS setzt darauf, dass die Bedenken der Bonner Aufsichtsbehörde ausgeräumt wurden, hieß es am Sonntag auf Anfrage der F.A.Z. Der spanische Konzern hatte die Übernahmeofferte für Hochtief am 11. November bei der deutschen Behörde vorgelegt.

          ACS musste schon einmal nachbessern

          Die Bafin hatte ACS schon einmal zu einer Nachbesserung gezwungen. Das Übernahmeangebot, mit dem ACS den Anteilsbesitz bei Hochtief auf mehr als 30 Prozent ausdehnen will, sieht den Tausch von fünf Hochtief-Papieren in acht ACS-Aktien vor. Das Umtauschverhältnis ist für Hochtief-Aktionäre unvorteilhaft, so dass die Spanier von einer sehr geringen Akzeptanz ausgehen müssen. Ein Portfolio eigener und geliehener Aktien für die anschließend zu tauschenden Aktien, das der Bafin im Oktober gemeldet wurde, war der Behörde nicht ausreichend.

          Daraufhin ließ sich ACS in der vorvergangenen Woche in Madrid von der Hauptversammlung die Ausgabe von bis zu 156 Millionen Aktien ausschließlich für das Übernahmeangebot genehmigen. Dagegen haben Kleinaktionäre allerdings Anfechtungsklagen angemeldet. Auch läuft gegen ACS ein Gerichtsverfahren wegen des Verdachts auf Bilanzfälschung, das der spanische Stromversorger Iberdrola - dessen Hauptaktionär ACS ist - im Zuge eines Dauerstreits zwischen den beiden Unternehmen angestoßen hat. Die Justiz wird sich aber voraussichtlich erst im April kommenden Jahres damit befassen.

          Nach dem Übernahmegesetz hat ein Bieter bis zum Ablauf der Prüfung durch die Bafin Gelegenheit, mit neuen Argumenten deren Bedenken zu entkräften oder durch seine Anwälte zusätzliche Finanzgarantien von Banken vorzulegen. Der Vorstand von Hochtief hat sich von Anfang an gegen die von ihm als feindlich bezeichnete Übernahme gewehrt. Am Sonntag hieß es in Essen lediglich, man warte mit großem Interesse auf die Entscheidung der Bafin.

          Berufungsantrag von Hochtief in Australien gescheitert

          Die australische Übernahmeaufsicht hat unterdessen den Berufungsantrag von Hochtief im Kampf gegen ACS abgelehnt. Das teilte die Behörde am Montag auf ihrer Homepage mit. Damit muss der spanische Hochtief-Großaktionär ACS bei der geplanten Übernahme von Hochtief kein Zwangsgebot für deren australische Tochter Leighton abgeben.

          Der Essener Baukonzern wollte über den Umweg Leighton die Übernahme für ACS unerschwinglich machen Leighton ist an der Börse höher bewertet als der gesamte Mutterkonzern. Die Essener wehren sich schon seit Wochen mit allen Mitteln gegen eine Übernahme durch den spanischen Konkurrenten und Großaktionär aus Spanien.

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