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Übernahme : Karstadt-Quelle kauft wieder ein

  • Aktualisiert am

Auf Einkaufstour Bild: AP

Karstadt-Quelle übernimmt Europas zweitgrößten Tourismuskonzern Thomas Cook komplett. Lufthansa verkaufe ihren 50-Prozent-Anteil für 800 Millionen Euro an den Handelskonzern, teilte das Unternehmen am Freitag mit.

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          Der immer noch angeschlagene Essener Handelskonzern Karstadt-Quelle übernimmt für 800 Millionen Euro den 50-Prozent-Anteil der Lufthansa an dem Reiseunternehmen Thomas Cook. Eine entsprechende Absichtserklärung sei unterzeichnet, teilten beide Konzerne am Freitag abend mit. Thomas Cook gehört damit vollständig zu Karstadt-Quelle. Die Lufthansa behält allerdings einen Minderheitsanteil von 24,9 Prozent an der Thomas-Cook-Fluggesellschaft Condor.

          Karstadt-Quelle will das Geschäft mit Verkaufserlösen der Karstadt-Immobilien finanzieren. Der Handelskonzern erhofft sich von der vollständigen Übernahme positive Effekte durch die künftig einheitliche Führung des Reiseunternehmens. „Es bedeutet Planungssicherheit für Thomas Cook, insbesondere für die anstehende Konsolidierung auf den europäischen Reisemärkten und den weiteren Ausbau des Vertriebsweges Internet“, erklärte Karstadt-Quelle-Vorstandschef Thomas Middelhoff.

          Übergang „in das raue Leben erleichtern“

          In Unternehmenskreisen hieß es, die Internet-Angebote von Handel und Reisen sollten komplett vernetzt und Reisen noch stärker online verkauft werden. Auch will der Essener Konzern den Fokus des Reisegeschäfts auf Großbritannien ausbauen. Dort bietet Karstadt-Quelle für die zum Verkauf stehende Pauschalreisesparte des britischen Veranstalters First Choice. Daß Lufthansa eine Minderheit an Condor behalte, mache Sinn, um den Fliegern den Übergang „in das raue Leben zu erleichtern“, hieß es in den Kreisen.

          Engagement im Reisegeschäft
          Engagement im Reisegeschäft : Bild: dpa

          Middelhoff hatte im vergangenen Jahr erstmals Interesse an einer Übernahme des Reisekonzerns signalisiert. Als Knackpunkt in den Verhandlungen galt die Zukunft von Condor. Die Lufthansa konnte kein Interesse daran haben, daß Condor bei einen Weiterverkauf an einen Konkurrenten fällt.

          „Schlag ins Gesicht“

          Der Condor-Betriebsrat kritisierte, Karstadt-Quelle habe klar und deutlich Desinteresse an der Fluglinie bekundet und werde nur einen Teil der heutigen Flotte von 36 Flugzeugen dauerhaft brauchen. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben über einen dreijährigen Sanierungszeitraum große Opfer gebracht. Der Verkauf ist für uns ein Schlag ins Gesicht,“ erklärte Betriebsratschefin Annemarie Maiwald. „Der Bestand von 2.700 Arbeitsplätzen und die Existenz eines der weltweit bekanntesten hessischen Unternehmen wird in dem 51. Jahr seines Bestehens grundlos von der Lufthansa auf das Spiel gesetzt.“

          Thomas Cook ging 1998 aus der Fusion des Reiseveranstalters Neckermann und des Charterfliegers Condor hervor. Erst 2005 konnte das Unternehmen nach vier verlustreichen Jahren dank harter Sanierung wieder einen Gewinn ausweisen. In den ersten neun Monaten 2006 hatte der Konzern seinen saisonbedingten Verlust auf knapp 56 Millionen Euro reduziert und seinen Umsatz auf 5 Milliarden Euro gesteigert.

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