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Übernahme : Droege kauft größte Zeitarbeitsfirma Österreichs

Investitionsfeld: Der österreichische Marktführer für Zeitarbeit bekommt einen neuen Eigentümer Bild: ZB

Eine Tochtergesellschaft des Düsseldorfer Beratungs- und Investmenthauses Droege hat sich nach F.A.Z.-Informationen die Mehrheit am österreichischen Zeitarbeitsdienstleister Trenkwalder gesichert. Trenkwalder strebt 2011 einen Umsatz von einer Milliarde Euro an.

          Eine Tochtergesellschaft des Düsseldorfer Beratungs- und Investmenthauses Droege International Group hat sich nach Informationen der F.A.Z. mehrheitlich am österreichischen Zeitarbeits- und Personaldienstleister Trenkwalder International AG beteiligt. Das Unternehmen mit Sitz in Wien zählt sich zu den führenden Personalspezialisten in Europa, beschäftigt rund 70.000 Mitarbeiter und strebt für das laufende Jahr einen Umsatz von einer Milliarde Euro an. Angaben über den Kaufpreis und die exakte Beteiligungshöhe werden von Droege und Trenkwalder nicht gemacht, doch dürfte Droege mit deutlich mehr als 50 Prozent bei Trenkwalder eingestiegen sein. Trenkwalder ist in seiner Branche Marktführer in Österreich und in verschiedenen europäischen Ländern wie Ungarn und der Slowakei tätig. Auch in der Türkei ist Trenkwalder schon seit dem Jahr 2007 vertreten. Die Übernahme durch Droege umfasst alle Tochtergesellschaften und 450 Standorte in insgesamt 19 Ländern.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Ziele der Übernahme sind zum einen die Zukunftssicherung der Trenkwalder-Gruppe – was auch die Nachfolgesicherung für den Unternehmensgründer Richard Trenkwalder einschließen dürfte –, zum anderen die Verbesserung der Finanzierungs- und Bilanzstruktur. So soll auch die Grundlage für weiteres Wachstum in neuen Märkten in Ost- und Südeuropa gelegt werden. Rechtlich wird Trenkwalder durch die Droege Capital GmbH übernommen. Das Unternehmen tätigt Direktinvestitionen in Konzernabspaltungen oder Gesellschaften in Umbruchsituationen, zum Beispiel im Fall von Nachfolgesicherungen. Mittelfristig plant Droege Capital die Plazierung von Aktien der bisher nicht börsennotierten Trenkwalder-Gruppe an der Wiener und der Frankfurter Wertpapierbörse. Nach allen kartellrechtlichen und sonstigen Prüfungen wird der Vollzug der Transaktion zum Ende des zweiten Quartals 2011 erwartet.

          Österreichischer Pionier

          Die Wurzeln der Trenkwalder-Gruppe reichen in das Jahr 1985 zurück; 1988 wurde das Unternehmen zum österreichischen Pionier für Zeitarbeit. Seit 1992 ist Trenkwalder auch im benachbarten Ausland tätig. Damit ist Trenkwalder etwa genauso alt wie der neue Mehrheitseigner: Die Wurzeln der Droege International Group liegen im Jahr 1988, als Walter Droege die nach ihm benannte Beratungsgesellschaft gründete. Das reine Beratungsgeschäft hat Droege im Jahr 2000 um das Geschäftsfeld Beteiligungen ergänzt. Unternehmensgründer Droege ist davon überzeugt, mit dieser vertikalen Diversifikation aktuellen Entwicklungen der Beratungsbranche voraus zu sein – und ein tragfähiges Geschäftsmodell gefunden zu haben.

          Das bilanzielle Eigenkapital seiner Gruppe beziffert Droege auf rund 580 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote liege damit bei 96 Prozent. Der Unternehmensgewinn als Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, aber einschließlich Wertsteigerungen von Beteiligungen, erreicht rund 248 Millionen Euro. Als Vorteile seines Angebots nennt Droege unter anderem die Möglichkeit, erfolgsabhängige Beratungshonorare vorzufinanzieren, bis die erwarteten Erfolge beim Kunden eintreten, sowie die Risikobereitschaft durch den unternehmerischen Investment-Ansatz, der zugleich die Bilanz stärke. Das fasst Droege unter dem Motto „Dienstleister plus Bilanz“ zusammen: Wachstumstreiber seien neben dem Wissen der Berater dann auch die von Droege zur Verfügung gestellten Kapitalmöglichkeiten.

          Transaktionen wie der Kauf der Actebis-Gruppe, die Abspaltung der Also AG aus dem Schindler-Konzern sowie die soeben vollzogene Integration der Actebis in den börsennotierten Also-Konzern hätten den Umsatz der Droege Group zuletzt auf mehr als 7 Milliarden Euro gesteigert. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt 4500 Mitarbeiter. Also-Actebis ist das drittgrößte Handels- und Logistikunternehmen für IT, Telekommunikation und Konsumelektronik in Europa. Der größte Teil der unternehmerischen Aktivitäten der Droege Group ist schon heute außerhalb Deutschlands angesiedelt. Zur weiteren Diversifikation der Investmenttätigkeit will Droege künftig die Büros in Schanghai, Singapur und Bombay stärker nutzen.

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