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Übernahme : Die neuen Herren von Hochtief

  • -Aktualisiert am

Frank Stieler wird Hochtief-Chef. Spanisch kann er nicht. Bild: Marcus Kaufhold

Hochtief bekommt einen neuen Chef: An diesem Donnerstag rückt Frank Stieler an die Stelle von Herbert Lütkestratkötter, der sich im Kampf gegen den spanischen Großaktionär ACS geschlagen geben musste. Stielers drängendste Aufgabe ist es nun, seinen Leuten die Furcht vor den Eroberern zu nehmen.

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          Hochtief bekommt einen neuen Chef: An diesem Donnerstag rückt Frank Stieler an die Stelle von Herbert Lütkestratkötter, der sich im Kampf gegen den spanischen Großaktionär ACS geschlagen geben musste. Stielers drängendste Aufgabe ist es nun, seinen Leuten die Furcht vor den Eroberern zu nehmen. Zu dem Zweck trommelt er die Belegschaft gleich für den ersten Morgen als CEO, am kommenden Freitag, zusammen. „Hochtief wird seine deutsche Identität behalten“, lautet die Kernbotschaft. Die Zentrale bleibt in Essen. Die Firma bleibt eine eigenständige Aktiengesellschaft. Es wird keinen Beherrschungsvertrag geben.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Machtfrage ist auch so geklärt: Die Spanier, die etwas mehr als 40 Prozent halten und die Mehrheit anstreben, geben den Takt vor - und das passt längst nicht jedem: "Sie haben den Krieg gewonnen, jetzt wäre es an der Zeit, die Hand zu reichen", tönt es aus dem Aufsichtsrat, den die Spanier nun nach eigenem Gusto besetzen wollen. Dazu müssen sie die bisherigen Kontrolleure vom Hof jagen, allen voran Hans-Peter Keitel, immerhin BDI-Präsident, zudem ehemaliger Hochtief-Chef.

          Für Keitel, der gegen ACS Stimmung gemacht hat, ist aus spanischer Sicht kein Platz mehr: Entweder er verzichtet auf das Mandat oder er wird aus dem Amt gekegelt. Dasselbe droht auch Heinrich von Pierer, Detelev Bremkamp, Wilhelm Simson: ein ziemlich einmaliger Vorgang für einen deutschen Konzern. Neuer Ober-Kontrolleur soll Manfred Wennemer werden, der schon im Aufsichtsrat sitzt.

          Der ehemalige Continental-Chef Manfred Wennemer soll den Hochtief-Aufsichtsrat leiten

          Die weiteren Kandidaten haben die Spanier noch nicht verraten: Tui-Chef Michael Frenzel steht dazu bereit, aber nur für den Fall, dass er in keine Kampfabstimmung ziehen muss. Bis am Donnerstag früh läuft noch die Zeit für eine gütliche Einigung. Um halb elf beginnt das Aktionärstreffen, mit dem der neue Vorstandschef inthronisiert wird.

          Der sieht sich in einer delikaten Rolle: Jeder Eindruck, die Spanier zu bevorzugen, ist dringend zu vermeiden. Gleichzeitig darf Frank Stieler den Großaktionär nicht verprellen.

          Bisher ist der Manager für das Europa-Geschäft zuständig, und damit für alle Märkte, wo der Konzern unter der Marke "Hochtief" auftritt. Wenn er jetzt befördert wird, wird das allenthalben als logischer Schritt bewertet, auch wenn er für die Öffentlichkeit ein unbeschriebenes Blatt ist.

          Wer also ist dieser Frank Stieler? Ein promovierter Jurist, Jahrgang 1958, fünf Kinder, seit 28 Jahren mit ein und derselben Frau verheiratet, ein leidenschaftlicher Läufer (mindestens dreimal die Woche zehn Kilometer), berufliche Stationen: kleine Anwaltskanzlei in Frankfurt, dann mehrere Tochterfirmen der Metallgesellschaft, als eine davon an Enron verkauft wird, zieht er für ein kurzes Gastspiel nach Amerika. Stieler kehrt gerade rechtzeitig zurück, bevor Enron zusammenkracht. Es folgen sieben Jahre Siemens, dort Aufbau des Öl- und Gasgeschäftes, von dort Wechsel zu Hochtief. Als liebstes Projekt nennt Stieler die Elbphilharmonie in Hamburg, auch wenn es dort deswegen gerade viel Ärger gibt.

          Die größte Baustelle im Konzern allerdings steht in Australien: Die Tochtergesellschaft Leighton hat kürzlich die Ergebnisprognose drastisch nach unten korrigiert - zum Schrecken der Börse und von Vorstand Stieler. Höchst alarmiert haben ihn die Vorgänge, lässt er durchblicken. Und da er nichts schlimmer findet als verschleppte Konflikte, hat er auch schon seine erste Dienstreise als CEO gebucht: Noch am Freitag wird er sich ins Flugzeug nach Australien setzen, um zu erkunden, was schief läuft.

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