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Übernahme : Die falschen Freunde von Hochtief

Bild: dapd

Der deutsche Bauriese Hochtief wehrt sich gegen die Übernahme seines spanischen Konkurrenten ACS. Das ruft die Politik auf den Plan. Doch die Kanzlerin hat kaum Hilfsmittel zur Hand - und kommt wohl zu spät.

          In dieser Geschichte geht es um falsches Timing. Und sie beginnt mit einem unfreiwilligen Frühstart. Florentino Perez, bekannt als Präsident von Real Madrid, will mit seinem spanischen Bauunternehmen ACS den deutschen Hochtief-Konzern übernehmen und so den größten Baukonzern der westlichen Welt schaffen. Vor allem will er seine Bilanz bereinigen, in der 10 Milliarden Euro Schulden stehen. Auch der Kaufpreis für die Aktien an Hochtief lastet seit vier Jahren auf der Schuldenseite. Knapp 30 Prozent hält ACS am Essener Konzern, den seine Muttergesellschaft RWE einst zu Ramschpreisen auf den Markt geworfen hat. 30 Prozent: Das bedeutet, dass die Spanier jedes Jahr eine hübsche Dividende erhalten. Aber konsolidieren, also das Vermögen von Hochtief auf die Haben-Seite seiner Bilanz einrechnen, das kann Perez nicht. Dazu müsste ACS über die Hälfte an Hochtief halten. Genau das hat der Spanier vor.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Den Chef von Hochtief, Herbert Lütkestratkötter, kennt er von ein paar Treffen. Am 16. September wandert der Westfale in den österreichischen Alpen. Die Spanier wissen das. Wenn der Deutsche wieder zurück in Essen ist, will Perez ihn anrufen. Dann hätte Lütkestratkötter zwei, vielleicht drei Tage Zeit, sich vorzubereiten, bis ACS seine Übernahmepläne öffentlich macht. Dann könnten die Deutschen vernünftig sein und dem Vorhaben zustimmen. So hoffen die Spanier.

          Angst vor der Zerschlagung

          Es kommt anders. Irgendwer, der die Übernahmepläne kennt, steckt sie der spanischen Zeitung ABC. Als Lütkestratkötter am Morgen des 17. Septembers sein Blackberry checkt, läuft da schon die Mitteilung, Hochtief sei bald in spanischer Hand. Der Hochtief-Chef ruft in Madrid an und fragt nach, was da los ist. Die Spanier haben zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal einen formellen Beschluss ihres Aufsichtsrats. Sie bescheiden dem Deutschen, er werde zurückgerufen. Das ist der Anfang der Übernahmeschlacht, die damit beginnt, dass der bis dahin freundliche Großaktionär seine Anteile ausbauen will und der vom Hochtief-Management ziemlich schnell das Etikett „feindlicher Angreifer“ angeheftet bekommt.

          Gibt den Bauarbeiterführer ohne Helm: Sigmar Gabriel

          Lütkestratkötter setzt alle Hebel in Bewegung, mobilisiert Verbände und Politik, wird offenbar zweimal persönlich im Kanzleramt vorstellig. Am vergangenen Donnerstag gibt SPD-Chef Sigmar Gabriel im Essener Foyer von Hochtief den Bauarbeiterführer. Wie Gerhard Schröder einst die Holzmann-Pleite abzuwehren versuchte, wirft Gabriel sich nun in Abwehrpose für ein kerngesundes Unternehmen. Kanzlerin Merkel solle schleunigst einen weißen Ritter präsentieren, der den spanischen Baugiganten ACS in die Flucht schlägt, fordert der SPD-Chef. „ACS ist eine Krake, die uns genüsslich verspeisen wird“, sekundiert der Betriebsratschef. Die Angst: Die verschuldete ACS wolle die grundsolide Hochtief zerschlagen.

          80 Prozent des Gewinns kommen von der Tochtergesellschaft

          Den roten Hochtief-Helm, der ihm gereicht wird, setzt Gabriel dann lieber doch nicht auf. Um ihn herum stehen fast nur Anzugträger. 10.000 Menschen arbeiten in Deutschland für Hochtief, davon nur wenige auf dem Bau. Über zwei Drittel seines Umsatzes macht der Konzern im Ausland. Wenn es heißt, Hochtief solle deutsch bleiben, geht es vor allem um die Verwaltung in Essen.

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