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Übernahme : Deutsche Börse will Terminbörse in Amerika kaufen

Handelseinig: Deutsche Börse-Vorstand Preuss, ISE-Vorstandsmitglieder Krell und Katz Bild: AP

Nach mehreren geplatzten Übernahmeversuchen ist die Deutsche Börse endlich fündig geworden: Für 2,8 Milliarden Dollar will sie die amerikanische Terminbörse International Securities Exchange übernehmen. Deren Zustimmung gilt als sicher.

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          Die Deutsche Börse will für 2,8 Milliarden Dollar (2 Milliarden Euro) die amerikanische Terminbörse International Securities Exchange (ISE) übernehmen. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten die beiden Börsenbetreiber am Montag, teilte die Deutsche Börse mit. Die Übernahme bedarf nun noch der Zustimmung der Mehrheit der Aktionäre der ISE auf einer außerordentlichen Hauptversammlung. Dem Frankfurter Börsenbetreiber gelänge mit dem Kauf der Einstieg in den amerikanischen Markt.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die ISE ist mit einem Marktanteil von 32 Prozent der führende Handelsplatz für Aktienoptionen in Amerika. Nachdem die Deutsche Börse zuvor mit einer Übernahme der Londoner Börse und auch mit einer Fusion mit der europäischen Mehrländerbörse Euronext gescheitert war, ist dies die erste größere internationale Übernahme der Frankfurter.

          ISE-Papiere legten nach der Vereinbarung zu

          Der Kauf der ISE wird über die Eurex abgewickelt. Die Eurex ist eine der größten Terminbörsen der Welt und ging im Jahr 1998 aus einem Zusammenschluss der Deutschen Terminbörse und der Schweizer Terminbörse hervor. Sie ist zu 85 Prozent im Besitz der Deutschen Börse und zu 15 Prozent im Besitz der Schweizer Börse SWX. In diesem Verhältnis wird auch der Kaufpreis von 67,50 Dollar je ISE-Aktie aufgebracht - was in der Summe 2,8 Milliarden Dollar entspricht.

          Der Vorstand der ISE empfahl seinen Aktionären, das Angebot anzunehmen. Es entsprach einem Aufschlag von 44 Prozent auf den Aktienkurs der ISE vom vergangenen Freitag. Am Montag legten die ISE-Papiere entsprechend zu und schlossen mit einem Kursplus von mehr als 40 Prozent bei 66,70 Dollar knapp unter dem Angebot der Deutschen Börse.

          Synergieeffekte von 50 Millionen Dollar jährlich

          Analysten begrüßten den Schritt der Deutschen Börse als strategisch richtig, da ihr so nachhaltig der Einstieg in den lukrativen Terminmarkt in Amerika gelingen könne. Im Jahr 2004 hatte die Deutsche Börse aus eigener Kraft versucht, eine Terminbörse in Amerika aufzubauen, war damit aber gescheitert. Bei Termingeschäften werden nicht die Basiswerte wie zum Beispiel Aktien direkt gehandelt, sondern nur Verträge über den Kauf oder Verkauf des Wertpapiers zu einem späteren Zeitpunkt zu einem festgelegten Preis. Diese Geschäfte können für besonders riskante Spekulationen, aber auch zur Absicherung anderer Geschäfte genutzt werden. Schon heute trägt die Terminbörse Eurex den größten Teil zum Gewinn der Deutschen Börse bei.

          Die ISE hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 178 Millionen Dollar sowie einen Gewinn von 55 Millionen Dollar erzielt. Angesichts dieser Werte erschien der Mehrzahl der Analysten der Kaufpreis hoch. Er deute auf ein entschlossenes Vorgehen hin, um einen Bieterwettstreit gar nicht erst aufkommen zu lassen.

          Börsenchef Reto Francioni selbst zeigte sich hocherfreut über die Anbahnung der Übernahme: „Der Vertrag mit der ISE ist ein Meilenstein für uns, der unsere Wachstumsaussichten weiter fördert. Wir unterstreichen damit unseren Ansatz, starkes organisches Wachstum mit wertschaffenden Akquisitionen zu verbinden.“ Neben strategischen Vorteilen erwartet die Deutsche Börse auch Synergieeffekte von 50 Millionen Dollar im Jahr.

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