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Übernahme : Deutsche Bank besinnt sich auf Deutschland

Bild: reuters

Die Deutsche Bank rüstet sich mit einer Kapitalerhöhung für die Komplettübernahme der Postbank. Mit ihr will die Deutsche Bank in ihrem Heimatland endlich eine Größe erreichen, die es ihr gestattet, das Filialgeschäft hoch profitabel zu betreiben. Doch der Weg wird steinig. Eine Analyse von Gerald Braunberger.

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          Als die Deutsche Bank in den sechziger Jahren beschloss, sich für das Massengeschäft zu öffnen, riefen nach der Legende entsetzte Niederlassungsleiter den Vorstand mit den Worten an: „Der Pöbel stürmt unsere Filialen.“ Als die Deutsche Bank in den neunziger Jahren beschloss, das Investmentbanking vor allem in New York und London kräftig auszubauen, sahen ehemalige Vorstände ihre Bank auf dem Weg zu einem Hedge-Fonds mit unkalkulierbaren Risiken. Nun hat die Deutsche Bank eine Kapitalerhöhung über rund 10 Milliarden Euro angekündigt, die nach den Worten ihres Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann vor allem dazu dienen soll, mit der Übernahme der Postbank künftig eine ausgewogenere Strategie zu verfolgen.

          Bildet die Übernahme der Postbank den vorrangigen Zweck der Kapitalerhöhung, so ist er doch sicherlich nicht der einzige. Schon seit Monaten hatte es an den Finanzmärkten die Einschätzung gegeben, die Eigenkapitalausstattung der Deutschen Bank sei ausreichend, aber nicht mehr. Mit der nun angekündigten Erhöhung sorgt die Bank schon einmal für künftig härtere Kapitalanforderungen durch die Bankenaufsicht vor und bewahrt sich Handlungsspielraum.

          Dass die Deutsche Bank rechtzeitig neue Aktien ausgibt, bevor andere Banken an den Markt treten, könnte sich noch einmal als eine weise Entscheidung herausstellen. Denn wie Ackermann in der Pressekonferenz am Montag sagte, sind die mit der Finanzkrise verbundenen Risiken keineswegs komplett verschwunden. Eine Baisse an den Aktienmärkten, die nicht zwingend erscheint, aber auch nicht ausgeschlossen werden kann, würde die Aufnahme neuen Eigenkapitals erheblich erschweren.

          Bild: dpa

          Das Investmentbanking wird nicht obsolet

          Schon seit einigen Jahren hat Ackermann neben dem Investmentbanking als über viele Jahre führender Ertragsquelle (und größtem Sorgenkind in der Krise) sogenannte stabile Geschäftsbereiche als zweite Säule der Deutschen Bank definiert. Diese stabilen Geschäftsbereiche, zu denen unter anderem das Niederlassungsgeschäft und die Vermögensverwaltung zählen, sollen deutlich geringere Ertragsschwankungen als das Investmentbanking aufweisen und damit die Geschäftsentwicklung kalkulierbarer machen. Damit folgt Ackermann den Branchenriesen: Die nach dem Börsenwert führenden Banken des Euro-Raums wie der Banco Santander oder BNP Paribas sind weniger stark vom Investmentbanking abhängig als die Deutsche Bank.

          Damit wird das Investmentbanking nicht obsolet. Im Gegenteil steht zur erwarten, dass Kapitalmarktgeschäfte ein wichtiger Begleiter einer globalisierten Wirtschaft bleiben. Aber die Finanzkrise hat das Investmentbanking seines Zaubers beraubt. Die meisten Investmentbanken haben ihren Eigenhandel zurückgefahren, die durch hohe Kredite aufgeblähten Bilanzen wurden reduziert, der Derivatehandel steht vor Regulierungen und wichtige Kundengruppen wie die Hedge-Fonds und die Private-Equity-Unternehmen befinden sich in einer Konsolidierungsphase. Prognosen sind bekanntlich schwierig, aber es ist doch wahrscheinlich, dass im Investmentbanking die Traumrendite der Jahre 2000 bis 2002 zumindest auf absehbare Zeit nicht mehr erreicht werden können.

          Es erscheint also zeitgemäß, wenn Ackermann die „stabilen“ Geschäftsbereiche ausbauen möchte. Allerdings hat er mit ihnen in den vergangenen Jahren nicht viel Geld verdient. Sowohl in der internationalen Vermögensverwaltung als auch im deutschen Filialgeschäft sorgt ein harter Wettbewerb für Renditedruck.

          Viele Postbank-Kunden haben nur geringe Guthaben

          Mit der Postbank will die Deutsche Bank in ihrem Heimatland endlich eine Größe erreichen, die es ihr gestattet, das Filialgeschäft hoch profitabel zu betreiben. Als Ziel setzt sie sich eine Rendite auf das Eigenkapital vor Steuern von mehr als 20 Prozent, was für deutsche Verhältnisse sehr viel, für die Verhältnisse auf den britischen, französischen oder spanischen Bankenmärkten aber nahezu selbstverständlich wäre.

          Der Weg dorthin wird steinig. Die Deutsche Bank erwartet erhebliche Kostenvorteile durch eine gemeinsame IT-Plattform, mit deren Hilfe mehr als 20 Millionen Kunden verwaltet werden können. Eine solche Plattform ist ein Grund für die sehr günstige Kostenstruktur des Banco Santander. Aber Kostendruck alleine wird nicht reichen, um die anspruchsvollen Renditeziele zu verwirklichen.

          Dass die Postbank 14 Millionen Kunden zählt, wirkt auf den ersten Blick beeindruckend, und die billigen Einlagen dieser Kunden werden der Deutschen Bank besonders willkommen sein. Aber viele Kunden unterhalten nur sehr geringe Guthaben bei der Postbank. Produkte für die Kunden der Postbank gibt es genügend im Reich der Deutschen Bank, aber die Mitarbeiter der Postbank müssen diese Produkte auch verkaufen.

          Mit der Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank und dem bevorstehenden Verkauf der BHF-Bank wiederum durch die Deutsche Bank findet die Konsolidierung des privaten deutschen Bankwesens einen Abschluss. Vor allem die Deutsche Bank und die Commerzbank haben stark expandiert. Jetzt müssen sie zeigen, was sie können.

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