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Übernahme : Deutsche Bank besiegelt Kauf von Sal. Oppenheim

  • Aktualisiert am

Bei der Privatbank Sal. Oppenheim hat künftig die Deutsche Bank das Sagen Bild: dpa

Die Deutsche Bank wird Marktführer im lukrativen Geschäft mit reichen Privatkunden auf dem Heimatmarkt. Sie kauft für rund 1,3 Milliarden Euro die traditionsreiche, aber angeschlagene Privatbank Sal. Oppenheim.

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          Die Deutsche Bank kauft für 1,3 Milliarden Euro die angeschlagene Privatbank Sal. Oppenheim und baut damit ihr Geschäft mit vermögenden Kunden aus. Der Branchenprimus übernimmt 100 Prozent der 220 Jahre alten Traditionsbank, wie beide Häuser am Mittwoch mitteilten. Die Rahmenvereinbarung sieht vor, dass sich die Alt-Eigentümer von Sal. Oppenheim wieder mit 20 Prozent am Kern des Instituts - dem Geschäft mit reichen Privatkunden - beteiligen können. Damit müssen die rund 40 Familiengesellschafter nach hohen Verlusten die Unabhängigkeit der in Luxemburg ansässigen Bank opfern. In Bedrängnis geriet das Geldhaus besonders durch Beteiligungen an Krisenfirmen wie dem insolventen Handelskonzern Arcandor.

          Für den Kauf der Sal.-Oppenheim-Holding einschließlich BHF-Bank zahlt die Deutsche Bank eine Milliarde Euro. Daneben erwirbt sie direkt von den Gesellschaftern für rund 300 Millionen Euro die Private-Equity-Sparte Sopep und das Wertpapierverwahrungsgeschäft der BHF-Bank. Zumindest letzteres soll weiterverkauft werden. Der Kaufpreis könnte sich noch erhöhen: Über einen Besserungsschein können die Sal.-Oppenheim-Gesellschafter von künftigen günstigen Geschäftsentwicklungen profitieren.

          Konzentration auf Vermögensverwaltung

          „Zukünftig wird sich Sal. Oppenheim auf das Kerngeschäftsfeld der Vermögensverwaltung konzentrieren“, erklärten die Häuser. Die Deutsche Bank interessiert sich nur für das Geschäft mit reichen Privatkunden, wo Sal. Oppenheim rund 130 Milliarden Euro verwaltet. Hier will das Frankfurter Institut mit dann zusammen 300 Milliarden Euro an verwalteten Geldern zur Nummer eins im Euro-Raum aufsteigen und wieder nachhaltig schwarze Zahlen schreiben. „Mit der Übernahme des renommierten Privatbankhauses bauen wir unser Vermögensverwaltungsgeschäft in Europa, besonders in Deutschland, deutlich aus“, betonte Bankchef Josef Ackermann.

          Die Deutsche Bank will sich nun an den laufenden Gesprächen zum geplanten Verkauf des Sal-Oppenheim-Investmentbankings beteiligen. Daran interessiert ist die australische Bank Macquarie, die seit Wochen über einen Kauf verhandelt. Mit einer Vereinbarung über die Sparte mit einem geschätzten Wert von rund 300 Millionen Euro wird in den nächsten Wochen gerechnet.

          Die Deutsche Bank kann den Kaufpreis der Vereinbarung zufolge auch in Aktien begleichen. Die Kernkapitalquote soll nach Abschluss der Transaktion im ersten Quartal 2010 bei rund elf Prozent liegen. Ende des dritten Quartals lag die Quote bei 11,7 Prozent.

          Sal. Oppenheim mit seinen 4400 Mitarbeitern steckt in der schwersten Krise der Firmengeschichte. Die Eigentümerfamilien hatten im Frühjahr bereits 200 Millionen Euro frisches Kapital nachgeschossen, nachdem die Bank 2008 erstmals in der Nachkriegszeit Verluste geschrieben hatte. Einem weiteren Kapitalbedarf konnten sie Finanzkreisen zufolge nicht mehr nachkommen, weil einige Gesellschafter persönlich für einen 300 Millionen Euro schweren Kredit der Bank an die Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz gebürgt hatten. Die Deutsche Bank musste im August eine Kapitalerhöhung über 300 Millionen Euro bei Sal. Oppenheim finanzieren. Im Laufe der Verhandlungen und der langwierigen Buchprüfung zeichnete sich schnell ab, dass die Deutsche Bank die Mehrheit übernehmen würde.

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