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Übernahme des Baukonzerns Hochtief : ACS nimmt Hürde von 30 Prozent

  • Aktualisiert am

Hochtief-Mitarbeiter bei einer Betriebsversammlung in Essen: Sie sind gegen die Übernahme durch ACS Bild: dpa

Das spanische Unternehmen ACS hat eine wichtigen Schritt geschafft, um den deutschen Baukonzern Hochtief zu übernehmen. ACS hält jetzt mehr als 30 Prozent der Hochtief-Aktien und kann ohne teueres Umtauschangebot die Mehrheit anvisieren.

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          Im Übernahmekampf um den Baukonzern Hochtief hat der spanische Angreifer ACS einen wichtigen Etappensieg errungen. ACS kontrolliert jetzt mehr als 30 Prozent der Hochtief-Aktien. Die Spanier halten nun 30,34 Prozent der Hochtief-Aktien, teilte das Unternehmen am Dienstag in einer Pflichtmitteilung mit. Das Umtauschangebot ist demnach bis zum Ende der Annahmefrist am 29. Dezember für insgesamt knapp 2,4 Millionen Hochtief-Aktien angenommen worden (siehe ACS erhöht Gebot für Hochtief).

          ACS war bereits im Jahr 2007 mit einem Anteil von 25 Prozent bei Hochtief eingestiegen. Im vergangenen September hatte ACS-Chef Florentino Pérez angekündigt, die Mehrheit an Hochtief übernehmen zu wollen. Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter zeigte sich von der Offerte überrascht und stufte den Übernahmeversuch als „feindlich“ ein. Management und Betriebsrat des Essener Unternehmens wehren sich seit Monaten gegen die geplante Übernahme (siehe Ringen um Hochtief: ACS erwägt Klage gegen Qatars Einstieg, Hochtief will ACS einen Strich durch die Rechnung machen und Protest gegen Hochtief-Übernahme).

          Das Überschreiten der 30-Prozent-Hürde gilt nun als vielleicht entscheidender Schritt im Übernahmekampf um Hochtief. ACS kann dadurch künftig Hochtief-Aktien zukaufen und sich so die anvisierte Mehrheit sichern, ohne den Aktionären des Essener Traditionsunternehmens ein weiteres, teueres Umtauschangebot zu machen. ACS plant nach eigenen Angaben, seinen Anteil an Hochtief möglichst noch bis zum Jahresende auf über 50 Prozent aufzustocken. Am Mittwoch, den 5. Januar, beginnt die erweiterte Annahmefrist für das Tauschgeschäft, die bis 18. Januar läuft. Danach schließt sich eine siebentägige Rücktrittsfrist an.

          Deutschlands größter Baukonzern Hochtief fürchtet die Zerschlagung - und kämpft weiter gegen die Übernahme durch den den spanischen Rivalen ACS
          Deutschlands größter Baukonzern Hochtief fürchtet die Zerschlagung - und kämpft weiter gegen die Übernahme durch den den spanischen Rivalen ACS : Bild: dpa

          Der spanische Konzern ACS hatte wiederholt beteuert, Hochtief solle auch nach der Übernahme als selbstständiges, börsennotiertes Unternehmen mit Sitz in Essen erhalten bleiben. Man plane weder eine Zerschlagung des Konzerns noch einen Beherrschungsvertrag. Auch ein Personalabbau in Deutschland werde nicht angestrebt. Bei Hochtief stoßen diese Ankündigungen nach wie vor auf großes Misstrauen. Vorstand und Aufsichtsrat warnten erst kürzlich, es handele sich dabei um rechtlich unverbindliche Absichtserklärungen.

          Weitere wichtige Weichenstellungen zur künftigen Machtverteilung beim Essener Konzern könnten bereits auf der Hauptversammlung von Hochtief am 12. Mai fallen. Denn schon eine geringfügige weitere Aufstockung des eigenen Aktienpakets dürfte den Spaniern reichen, um über eine Hauptversammlungsmehrheit zu verfügen. Schließlich sind auf den deutschen Hauptversammlungen meist nur rund 60 Prozent des Aktienkapitals vertreten. Mit der Mehrheit auf der Hauptversammlung könnte ACS den Aufsichtsrat von Hochtief weitgehend nach seinen Wünschen besetzen und damit im nächsten Schritt auch Einfluss auf die Zusammensetzung des bislang
          widerspenstigen Konzernvorstands nehmen.

          Chronologie: Die Übernahmeschlacht um Hochtief

          21. März 2007: Die spanische Gruppe Actividades de Construcción y Servicios (ACS) übernimmt für fast 1,3 Milliarden Euro knapp 25,1 Prozent an dem deutschen Konkurrenten. ACS bekräftigt, man strebe keine Übernahme an und wolle Hochtief als eigenständigen Konzern erhalten.

          22. August 2008: Das „Manager Magazin“ berichtet über eine drohende Zerschlagung von Hochtief. ACS, das inzwischen 29,98 Prozent der Anteile an Hochtief hält, interessiert sich demnach vor allem für die Töchter Turner und Leighton, in denen das amerikanische sowie das australische und asiatische Geschäft gebündelt sind. Die Hochtief- Großaktionäre weisen den Bericht zurück.

          16. September 2010 : ACS-Chef Florentino Pérez kündigt ein Übernahmeangebot von 2,7 Milliarden Euro an. Die Spanier wollen knapp über 50 Prozent von Hochtief übernehmen und den größten Baukonzern der westlichen Welt schmieden. Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter zeigt sich von der Offerte überrascht. Der Vorstand will gegen den als „feindlich“ eingestuften Übernahmeversuch vorgehen.

          6. Oktober 2010: Die Essener schalten die australische Börsenaufsicht ASIC ein. Damit will Hochtief erreichen, dass ACS bei einer Übernahme von Hochtief auch ein Angebot für die vollständige Übernahme der australischen Hochtief-Tochter Leighton vorlegen müsste. Die Hoffnung: Dies könnte die Übernahme für ACS unerschwinglich machen.

          8. November 2010: Schlappe für Hochtief: ACS wird nicht zu einem Zwangsangebot für Leighton verpflichtet. Die Übernahmeaufsicht in Sydney lehnt entsprechende Anträge von Hochtief und Leighton ab.

          11. November 2010: Im Abwehrkampf will Hochtief seine Bilanz aufpolieren, Töchter abstoßen und in neue Geschäftsfelder vordringen. Durch den Verkauf von Teilen der Infrastrukturtochter Concessions soll das Vorsteuerergebnis des Konzerns schon 2011 auf rund eine Milliarde Euro steigen.

          29. November 2010: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gibt grünes Licht für eine Übernahme. Zwischenzeitlich hatte die BaFin Bedenken, ob das ACS- Angebot rechtmäßig ist.

          1. Dezember 2010 : ACS legt sein bereits bekanntes Übernahmeangebot offiziell vor. Die Annahmefrist läuft bis zum 29. Dezember.

          6. Dezember 2010: Das Emirat Katar erwirbt im Rahmen einer Kapitalerhöhung zunächst 9,1 Prozent der Hochtief-Anteile. Das genügt zwar nicht, um die ACS-Übernahme abzuwehren, verwässert allerdings den Anteil der Spanier an Hochtief.

          15. Dezember 2010 : ACS erhöht sein Angebot überraschend. Statt acht ACS-Papieren sollen die Hochtief-Aktionäre nun neun ACS-Aktien für fünf Hochtief-Papiere bekommen.

          16. Dezember 2010: Mit dem Vermögensverwalter Southeastern will der drittgrößte Hochtief-Großaktionär den Spaniern ein größeres Paket von etwa der Hälfte seiner Anteile anbieten. Gingen die zwei Millionen Papiere in ACS-Besitz, würde der Anteil der Spanier wieder auf knapp 30 Prozent klettern.

          29. Dezember 2010: Die Angebotsfrist an die Hochtief-Aktionäre endet, ein Ergebnis teilt ACS zunächst nicht mit.

          4. Januar 2011: ACS hat seinen Anteil an Hochtief auf über 30 Prozent gesteigert. Damit können die Spanier ihr Aktienpaket ohne ein teures Pflichtangebot weiter aufstocken.

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