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Übernahme : Bulgari kann LVMH nicht mehr widerstehen

Das als „v” geschriebene „u” erinnert noch an die griechische Vergangenheit: Luxusmarke Bulgari Bild: REUTERS

Der italienische Luxusgüteranbieter Bulgari stimmt der Übernahme durch den französischen Weltmarktführer LVMH zu. Dieser greift tief in die Tasche - und bietet den Aktionären eine hohe Prämie auf den Bulgari-Kurs.

          Der französische Luxusgüterkonzern LVMH übernimmt das italienische Modehaus Bulgari. In einer der größten Transaktionen der Luxusbranche der jüngeren Vergangenheit kaufen die Franzosen den kleineren italienischen Konkurrenten für voraussichtlich rund 3,7 Milliarden Euro. Bulgari gehört zu den wenigen Edelmarken, die derzeit auf dem Markt zu kaufen sind. Daher greift der LVMH-Konzern tief in die Tasche. Er übernimmt von der Familie Bulgari zum einen 50,4 Prozent des italienischen Unternehmens und bezahlt diesen Anteil mit der Ausgabe von 16,5 Millionen neuen LVMH-Aktien.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Die Bulgaris erhalten damit eine Beteiligung von rund 3,5 Prozent an LVMH sowie zwei Sitze im LVMH-Verwaltungsrat. Zum anderen bieten die Franzosen den übrigen Bulgari-Aktionären 12,25 Euro je Aktie in bar, was rund 1,8 Millionen Euro entspricht. Dieses Angebot stellt die saftige Prämie von 60 Prozent auf den jüngsten Aktienkurs von Bulgari dar. Die offensichtlich überraschten Anteilseigner des italienischen Unternehmens ließen den Bulgari-Kurs an der Mailänder Börse am Montag um fast 59 Prozent auf 12,05 Euro in die Höhe schnellen. Der Kurs von LVMH gewann bis zum Nachmittag gut 2 Prozent auf 114 Euro.

          Analysten hielten den Übernahmepreis zwar für hoch, sahen in der Transaktion aber mittel- bis langfristiges Potential. Die Einschätzung des Unternehmenswertes (Marktkapitalisierung plus Schulden) gemessen am Umsatz sei nicht viel höher als jene von Burberry oder Tiffany, hieß es. Positives Echo fand, dass LVMH sich nun im Bereich von Schmuck und Uhren stärke, wo Bulgari ein geschätzter Name sei. Durch den Zukauf werde LVMH seinen Umsatz in diesem Segment auf rund 10 Prozent des Konzerngewinns etwa verdoppeln, schätzten Analysten. Der Betriebsgewinn werde sich in der gleichen Größenordnung auf rund 6 Prozent erhöhen.

          LVMH kann mit Tradition umgehen

          Der italienische Bulgari-Vorstandsvorsitzende Francesco Trapani wird künftig das gesamte Uhren- und Schmuckgeschäft von LVMH leiten. Neben Antonio Belloni, der Nummer zwei von LVMH, arbeitet damit ein weiterer Italiener in der Führung des französischen Konzerns. Die Familienvertreter Paolo und Nicola Bulgari ließen mitteilen, dass LVMH in der Vergangenheit immer wieder gezeigt habe, wie traditionsreiche Marken von der mächtigen Organisation der Franzosen profitieren und unter Wahrung ihrer Identität wachsen könnten. Besonders im Vertrieb werde sich Bulgari dank der Übernahme nun verbessern, sagte Trapani.

          Bulgari wurde 1884 in Rom gegründet und hatte noch 2009 das Firmenjubiläum von 125 Jahren in Unabhängigkeit gefeiert. Im vergangenen Jahr hatte Bulgari einen Umsatz von 1,07 Milliarden Euro erzielt, was gegenüber dem Krisenjahr 2009 ein Plus von mehr als 15 Prozent darstellte. Fast die Hälfte seines Geschäftsvolumens, 486 Millionen Euro, erzielte Bulgari in Asien, wobei 198 Millionen Euro auf Japan entfielen und 288 Millionen Euro auf die anderen, stark wachsenden Märkte.

          Bulgari-Aktie hat sich seit 1995 verzehnfacht

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