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Übernahme : Bulgari kann LVMH nicht mehr widerstehen

Das Geschäft in Italien macht dagegen mit 119 Millionen Euro Umsatz kaum mehr als zehn Prozent aus, das gesamte Europa mit 372 Millionen Euro wenig mehr als ein Drittel. Die Schätzungen der Analysten für den Nettogewinn 2010 bewegen sich in der Größenordnung von 90 bis 100 Millionen Euro. Bulgari liegt damit weitab von der Ertragskraft des Rekordjahres 2007, als mit einem Umsatz von 1,09 Milliarden Euro ein Nettogewinn von 151 Millionen Euro erzielt wurde. Zugleich hat das Unternehmen in den vergangenen 15 Jahren sehr erfolgreich gewirtschaftet. Im Jahr des Börsengangs 1995 belief sich der Umsatz noch auf umgerechnet 199 Millionen Euro, der Nettogewinn auf 20 Millionen Euro. Der Ausgabekurs der Aktien lag bei 8600 Lire, umgerechnet 4,44 Euro, doch wurden die alten Aktien später in vier neue umgetauscht, so dass sich grob gerechnet jede Bulgari-Aktie in ihrem Wert von früher 1,11 Euro auf den Tauschkurs vom gestrigen Montag von 12,25 Euro mehr als verzehnfacht hat.

Bulgari führt in seinem Namenszug mit dem als „v“ geschriebenen „u“ eine Erinnerung an die Gründung durch den aus Griechenland stammenden Vorfahren Sotirio Bulgari, einem gelernten Silberschmied. Der eröffnete 1884 im Zentrum von Rom ein Geschäft für Silberwaren, zog aber schon 1905 in die Via Condotti zu Füßen der Spanischen Treppe um - dorthin, wo sich heute die Luxuseinkaufsstraße Roms befindet. Die Söhne erweiterten das Angebot zunächst auf Schmuck mit Edelsteinen und Uhren. Nach dem Zweiten Weltkrieg suchten sie sich im Design von den französisch geprägten Juwelen abzugrenzen und schufen einen Stil, der angelehnt war an den griechischen und römischen Klassizismus.

LVMH auf ungebremstem Wachstumskurs

Der Präsident des Unternehmens, Paolo Bulgari, und sein Bruder Nicola, der Vizepräsident, gehören zur dritten Generation der Bulgaris, Francesco Trapani, der Vorstandsvorsitzende, zur vierten Generation. Trapani hatte nicht nur den Börsengang durchgesetzt, sondern danach auch Größenwachstum und Diversifizierung betrieben. Die Zahl der Bulgari-Geschäfte hat sich seit 1995 auf 360 verzehnfacht. Nachdem Bulgari seit 1993 Parfüms angeboten hat, kamen danach auch Accessoires und Kosmetik hinzu. Seit 2001 hat Bulgari auch mit der Eröffnung von Luxushotels begonnen. Die gibt es mittlerweile in Mailand und auf Bali, 2012 soll in London eröffnet werden.

LVMH setzt mit dem Bulgari-Kauf seinen fast ungebremsten Wachstumskurs fort. Beim kleineren französischen Erzrivalen Hermès hat sich der Konzern kürzlich mit zwanzig Prozent eingekauft. Anders als bei Bulgari stieß dies jedoch auf heftigen Widerstand der Familienaktionäre, deren Zusammenhalt jetzt als stärker gilt denn je. Der LVMH-Chef und Großaktionär Bernard Arnault könnte dort auf absehbare Zeit ein Finanzinvestor mit begrenztem Einfluss auf das operative Geschäft bleiben. Doch die übrige breite Markenpalette um das Flaggschiff Louis Vuitton gibt dem Konzern genügend Betätigungsfelder. Für die Kern-Modemarke Christian Dior muss Arnault beispielsweise einen neuen Designer suchen, nachdem er John Galliano in der vergangenen Woche wegen übler Ausfälligkeiten in der Öffentlichkeit, verursacht durch starken Alkoholkonsum, entlassen hatte.

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