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Überkreuzbeteiligung : Allianz von Daimler, Renault und Nissan steht

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Die Automobilhersteller Daimler, Renault und Nissan haben eine Überkreuzbeteiligung in Höhe von 3,1 Prozent vereinbart. Künftig wollen sie Motoren und Komponenten austauschen und bei der Entwicklung der neuen Smart- und Twingo-Generationen zusammenarbeiten.

          Der deutsche Autobauer Daimler und die Allianz aus Renault und Nissan erhoffen sich aus ihrer strategischen Zusammenarbeit Kosteneinsparungen und Zusatzeinnahmen in Milliardenhöhe. „Die Synergien mit Daimler haben einen gegenwärtigen Nettowert von mindestens zwei Milliarden Euro für die Renault-Nissan-Allianz“, sagte deren Chef Carlos Ghosn am Mittwoch in Brüssel. Sein Unternehmen erwartet demnach höhere Einnahmen und niedrigere Kosten in den nächsten fünf Jahren. Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte, dass der Wert für Daimler voraussichtlich „in der gleichen Größenordnung liegen wird“.

          Dass deutsche Daimler-Beschäftigte durch die Zusammenarbeit unter Druck geraten könnten, verneinte Zetsche. „Wir haben überhaupt nicht vor, die Werke gegeneinander auszuspielen“, sagte er. „Wir werden mehr Arbeit schaffen in unseren Werken insgesamt.“ Der Betriebsrat des Mercedes-Werkes Untertürkheim forderte unterdessen eine „klare Zusage“ des Vorstandes zur Zukunft der dortigen Motorenproduktion. Die Nachfolgebaureihen sollten auch künftig „mindestens im heutigen Umfang“ an dem Standort produziert werden, hieß es in einer Erklärung.

          „Diese Kooperation ist der richtige Schritt zur richtigen Zeit“, sagte Zetsche. Daimler habe im heiß umkämpfen Kompaktwagenmarkt Nachholbedarf. Zudem steige die weltweite Nachfrage nach kleineren Modellen weiter deutlich an. Ghosn betonte: „Daimler ist für uns der optimale Partner. Wir profitieren alle voneinander.“ Daimler und Renault-Nissan vereinbarten eine gegenseitige Kapitalbeteiligung: Der Renault-Nissan-Verbund erhält einen Anteil von 3,1 Prozent an Daimler. Der deutsche Autokonzern beteiligt sich im Gegenzug mit 3,1 Prozent an Renault und mit 3,1 Prozent an Nissan.

          Daimler-Chef Zetsche und Renault-Chef Ghosn besiegeln ihre Zusammenarbeit

          Die Kooperation sehe eine Zusammenarbeit bei der Entwicklung des neuen Smart- und Twingo-Generationen vor, hieß es weiter. Zudem wollen Daimler, Renault und Nissan gemeinsam neue Motoren und Komponenten austauschen.

          Expertise bei Kleinwagen

          Renault und Nissan arbeiten bereits seit elf Jahren zusammen. Der französische Hersteller ist mit 44 Prozent an Nissan beteiligt. Renault-Chef Carlos Ghosn plädiert schon lange für eine Kostenteilung bei der Entwicklung und beim Bau neuer Plattformen. Das französische Unternehmen kann dabei vor allem seine Expertise bei Kleinwagen wie dem Clio einbringen. Auf der anderen Seite hofft Renault sein Image durch eine Verbindung mit der Marke Mercedes aufpolieren zu können.

          Der französische Konzern hat in jüngster Vergangenheit stark von seiner rumänischen Tochtergesellschaft Dacia profitiert, die mit ihrem Billigwagen Logan und Sandero erfolgreich ist. Bald kommt auch ein Allradantrieb von Dacia auf den Markt. Der Beitrag der Renault-Modelle dagegen, der zuletzt vor allem von der Abwrackprämie gestützt wurde, könnte besser sein.

          Absatzmöglichkeiten für die eigenen Motoren

          Für Daimler ist eine Partnerschaft mit Renault und Nissan in zweierlei Hinsicht interessant: Für die Kleinwagen baut man auf die Erfahrung des neuen französischen Partners, zugleich eröffnet die Kooperation Absatzmöglichkeiten für die eigenen Motoren. Die großen Diesel- und Benzinmotoren von Mercedes könnten auch in Fahrzeuge von Nissan und Renault eingebaut werden, die ihrerseits nur mäßig erfolgreich beim Bau von Oberklasse-Fahrzeugen sind. Die Entwicklungskosten für die Motoren, die in Milliarden Euro zählen, könnten sich dann auf größere Stückzahlen umrechnen lassen, so das Kalkül in Stuttgart.

          Akuter ist der Kooperationsbedarf aus Sicht von Daimler aber im Bereich Kleinwagen. Das kleinste Modell der Marke Mercedes, die A-Klasse, kostet in der Coupé-Variante (als Dreitürer) fast 20.000 Euro. Der Smart, der keinen Mercedes-Stern trägt, kostet in der Magerausstattung mit einem 54-PS-Diesel knapp unter 10.000 Euro. Die Notwendigkeit, die Produktpalette aufzufächern, hat Daimler seit längerem erkannt. Die Gelegenheit ergibt sich, wenn die bisherige A- und B-Klasse im Jahr 2011 durch eine neue Baureihe abgelöst wird. Vier Varianten von diesen Kleinwagen sind bei Mercedes in Arbeit. Die kleinen Motoren für die Einstiegsvarianten könnte schon Renault liefern. Für künftige Modellreihen ist offenbar eine Plattform mit Renault geplant.

          Dringender ist noch die Zusammenarbeit beim Smart. Weil mit dem Kleinstwagen auch nach Jahren noch keine Gewinne erzielt wurden, stutzte Daimler die Modellpalette auf den ursprünglichen Zweisitzer zurück. Dessen Nachfolgemodell soll nun mit dem Renault Twingo eine gemeinsame Plattform teilen. Außerdem wagt sich Daimler noch einmal an den Bau eines viersitzigen Smart, der beim ersten Versuch eine Plattform mit dem Mitsubishi Colt teilte.

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