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UBS-Spekulationsskandal : Händler in London vor Gericht

  • Aktualisiert am

Verhaftet: Der Händler Adoboli Bild: AFP

Im Milliardenskandal der Schweizer Großbank UBS ist nur einen Tag nach der Festnahme Anklage gegen den 31 Jahre alten Händler Kweku Adoboli erhoben worden. Er erschien noch am Freitag vor Gericht.

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          Der Schweizer Großbank UBS droht wegen der von einem Händler verzockten Milliarden die Herabstufung durch die Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's. Die Ratingagenturen haben die Bonitätsnote der UBS auf eine Beobachtungsliste für mögliche Abstufungen gesetzt. Im Visier stehe die „anhaltende Schwäche im Risiko-Management“ und die Kontrolle spekulativer Geschäfte. Hier sei die Bank schon seit längerem schwach aufgestellt.

          Am Donnerstagmorgen war bekannt geworden, dass ein hauseigener Händler dem Institut mit eigenmächtigen, nicht autorisierten Geschäften einen Verlust von zwei Milliarden Dollar (rund 1,5 Mrd. Euro) eingebrockt hat. Der 31-jährige Händler Kweku Adoboli wurde noch in der Nacht zu Donnerstag um 3:30 Uhr morgens in London festgenommen, nachdem die UBS die Londoner Polizei um 1:00 Uhr über den Sachverhalt informierte.

          Der 31 Jahre alte Investmentbanker ist am Freitag in London vor Gericht erschienen. Zuvor hatte die Polizei der Londoner City den aus Ghana stammenden Mann wegen Betrugs angeklagt. Die Anklage umfasse ferner zwei Fälle von Bilanzfälschung. Einer davon stamme bereits aus dem Jahr 2008.

          „Unseliges Ereignis”: UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger

          Das Gericht entschied, Adoboli muss zunächst bis zum 22. September in Polizeihaft bleiben. Dann es soll es eine weitere Anhörung vor Gericht geben. Der Investmentbanker soll nicht autorisierte Geschäfte gemacht haben, die nach Angaben der UBS zu dem Milliardenverlust geführt haben sollen. Nach Augenzeugenberichten brach der Banker auf der Anklagebank in Tränen aus.

          Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg hat er inzwischen eingestanden, den Verlust verursacht zu haben. Nach Informationen des britischen Rundfunksenders BBC gibt es Hinweise darauf, dass Adoboli seinen Arbeitgeber von sich aus auf den Milliardenschaden aufmerksam gemacht habe. Er sei nicht von der internen Kontrolle entdeckt worden, schrieb der Sender. Die UBS-Verantwortlichen hätten erst daraufhin die fraglichen Handelspositionen untersucht und die britischen Behörden informiert, berichtet die BBC weiter. Die UBS nahm am Freitag in Zürich dazu keine Stellung.

          Kweku Adoboli auf Facebook am 6. September: „Ich brauche ein Wunder“

          Wie der leitende BBC-Wirtschaftsredakteur Robert Peston auf der Internetseite des Senders berichtet, wird von der Londoner Finanzaufsicht FSA geprüft, warum die Bank die nicht autorisierten Geschäfte des 31-Jährigen übersehen konnte.

          Über die genauen Hintergründe der Geschäfte ist bislang wenig bekannt: Als letzten Kommentar auf seiner Facebook-Seite schrieb Adoboli laut BBC und Bloomberg: „Ich brauche ein Wunder“. Das war laut der Nachrichtenagentur Bloomberg am 6. September, also an jenem Tag, an dem die Schweizer Notenbank am Devisenmarkt intervenierte und einen Mindest-Wechselkurs zum Euro festlegte (siehe Schweiz koppelt Franken an den Euro). Daher wird in Finanzkreisen darüber spekuliert, ob der Milliardenschaden mit dem Eingriff der Notenbank im Zusammenhang steht (siehe auch UBS - von der Nationalbank auf falschem Fuß erwischt?). Die UBS hat sich bislang nicht dazu geäußert.

          Der Händler Kweku Adoboli hat sich inzwischen einen Rechtsbeistand geholt: Er wird nach Bloomberg-Informationen von derselben Kanzlei beraten, die im Jahr 1994 den Skandalhändler Nick Leeson beriet. Der britische Finanzjongleur Leeson hatte damals den Zusammenbruch der Barings-Bank ausgelöst.

          Der Fall Adoboli hat nach Ansicht der Ratingagenturen die Schwächen der Risiko-Kontrolle innerhalb der Bank deutlich aufgezeigt. Die Bank könne den Verlust zwar verkraften und habe seit der Finanzkrise auch einige Fortschritte in diesem Bereich gemacht, sie liege aber immer noch deutlich hinter der Konkurrenz. Auch der Reputationsschaden und die damit verbundenen Folgen für das Vermögensverwaltungsgeschäft seien noch nicht absehbar.

          Herabstufung könnte teuer werden

          Eine Herabstufung der Bonitätsnote könnte für die UBS teuer werden. Sie trifft Banken besonders hart, die wie die UBS am internationalen Kapitalmarkt aktiv sind, weil es für sie dann teurer wird, sich zu refinanzieren. Gerade erst in dieser Woche sorgte die Herabstufung der französischen Banken Crédit Agricole und Société Générale für heftige Kursverluste bei den Aktien.

          Unverhohlen machte UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger seinem Unmut über den Vorfall Luft. Er sei „persönlich sehr enttäuscht“ sagte er und sprach am Donnerstagabend nach einem Bericht des Schweizer Fernsehens von einem „unseligen Ereignis“. Es sei „ein Jammer“, dass die UBS nach zwei Jahren harter Arbeit und enormen Fortschritten durch dieses Ereignis wieder stark zurückgeworfen werde.

          Die größte Schweizer Bank gehört in Europa zu den Banken, die am schwersten von der Finanzkrise getroffen wurden. Sie häufte in den Jahren 2007 und 2008 knapp 28 Milliarden Franken (fast 19 Mrd. Euro) an Verlusten an und musste vom Staat gerettet werden. Die Bank hat die Folgen erst in jüngster in den Griff bekommen und plante einen Neuanfang. Schweizer Medien berichteten, die Bank plane eine massive Verkleinerung ihrer Investmentabteilung.

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