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Konkurrenzkampf der Taxi-Apps : Uber bucht mehr als 5000 Fahrten – und sagt kurzfristig ab

  • Aktualisiert am

So sieht die App aus, die für so viel Wirbel sorgt. Bild: AP

Uber bringt längst nicht nur Taxi-Fahrer gegen sich auf. Auch im Machtkampf gegen direkte Konkurrenten geht es ordentlich zur Sache – offenbar mit nicht immer fairen Methoden.

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          Das amerikanische Start-up Uber bringt nicht nur die Taxifahrer gegen sich auf. Gerade tut sich in Amerika eine neue Front auf: Diesmal lautet das Duell „Uber vs. Lyft“. Es geht um den Machtkampf zwischen zwei direkten Konkurrenten aus dem Silicon Valley.

          Uber und Lyft wollen beide nichts weniger als die Vormacht auf dem Markt für private Fahrdienste. Beide Unternehmen vermitteln Mitfahrgelegenheiten via Smartphone, ohne selbst einen Fuhrpark zu betreiben. Dazu wählt der Kunde sich einfach in die App ein und kann dort sehen, wie weit das nächste Auto entfernt ist. Sowohl Uber als auch Lyft wachsen rasant (Uber ist inzwischen in 90 amerikanischen Städten und weltweit in 42 Ländern vertreten, Lyft in 68 amerikanischen Städten) und beide haben mächtige Geldgeber im Rücken: Im April bekam Lyft 250 Millionen Dollar von verschiedenen Investoren, darunter der chinesischen Alibaba-Gruppe. Uber sammelte im Juni 1,2 Milliarden Dollar unter anderem von Google Ventures ein und wurde dabei mit insgesamt 17 Milliarden Dollar bewertet.

          Der Machtkampf wird mit allen Tricks ausgefochten: Beide Seiten werben sich gegenseitig Fahrer ab, um ihr Angebot auszuweiten, und unterbieten sich mit niedrigen Preisen. Doch offenbar geht nicht immer alles ganz fair zu. Angestellte von Uber sollen seit Oktober 5.560 Fahrten beim Konkurrenten Lyft gebucht und diese dann kurzfristig wieder abbestellt haben, wie „CNN Money“ berichtet (englisch). Die Folge: Die Lyft-Fahrer investieren Zeit und Benzin in Kunden, die gar nicht bei ihnen einsteigen wollen.

          Die Autos von Lyft sind an dem pinken Schnurrbart zu erkennen.
          Die Autos von Lyft sind an dem pinken Schnurrbart zu erkennen. : Bild: AFP

          Mehr als 177 Uber-Angestellte sollen während dieser Zeit im ganzen Land Fahrten gebucht und wieder abbestellt haben. Lyft hat dazu nach eigenen Angaben die Telefonnummern von Uber-Fahrern mit den Accounts in der Lyft-App abgeglichen. Einige Uber-Mitarbeiter waren demnach besonders fleißig: So soll ein einzelner Uber-Mitarbeiter, der von verschiedenen Lyft-Fahrern als solcher identifiziert wurde, zwischen dem 26. Mai und dem 10. Juni 300 Fahrten storniert haben. Seine Telefonnummer ist lauf Lyft noch mit 21 weiteren Accounts verknüpft gewesen, die insgesamt auf 1.524 stornierte Fahrten kommen.

          Lyft kritisiert zudem, Uber-Fahrer würden – wenn sie eine Fahrt nicht stornieren – häufig nur einmal kurz um den Block fahren und dabei die Fahrer überreden, für Uber zu fahren. In einer E-Mail nannte eine Sprecherin von Lyft die Situation „unglücklich“. Uber bestritt laut „Wall Street Journal“ (englisch), dass Fahrten der Konkurrenz gebucht würden, um die Autos zu blockieren.

          Sie bestätigte aber, dass es finanzielle Anreize gibt, Fahrer an- und von der Konkurrenz abzuwerben. Aus einer Email, die das Unternehmen laut „Wall Street Journal“ seinen Fahrern schickte, soll es 250 Dollar für neue Fahrer als Prämie ausgelobt haben und sogar 500 Dollar, wenn diese von Lyft kommen. Einige der Fahrgäste, die von Lyft identifiziert worden seien, könnten laut der Argumentation von Uber gewöhnliche Fahrgäste sein, die ein bisschen Geld verdienen wollen.

          Es wäre allerdings nicht das erste Mal, dass Uber vorgeworfen wird, der Konkurrenz mit wieder abgesagten Fahrten das Leben schwer zu machen: „CNN Money“ berichtete schon im Januar, dass Uber-Mitarbeiter in New York bei einem anderen Konkurrenten namens Gett mehr als 100 Fahrten bestellt und wieder abgesagt haben sollen. Damals teilte Uber mit, es wolle „seine Verkaufstaktiken eindämmen“.

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