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Fahrdienst-Vermittler : Der tiefe Fall von Uber

„Setzt alles daran, ans Ziel zu kommen!“: Uber-Chef Travis Kalanick Bild: JACK ATLEY/The New York Times/Re

Einst als Überflieger des Silicon Valleys bejubelt, steckt der Fahrdienst nun in seiner größten Krise. Nun hat der Chef Travis Kalanick eine Auszeit angekündigt. Ganz weg ist er jedoch nicht.

          Travis Kalnick ist dafür bekannt, dass er macht, was er will. Regeln und Gesetze – das hat der Gründer und Vorstandsvorsitzende des Fahrtenvermittlers immer wieder bewiesen – können ihn nicht aufhalten. Ob die Fahrer zufrieden sind? Ist doch nicht von Belang. Ob die Kunden das Unternehmen mögen? Spielt keine Rolle. Hauptsache, Uber wächst und wird größer und mächtiger als die Konkurrenz, so lautete stets sein Mantra. Es ist dieser wahnsinnige Ehrgeiz, der unbedingte Wille zu gewinnen, der ihn antreibt. Der oft als seine größte Stärke beschrieben wird – und zugleich als seine größte Schwäche.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Ein echter Paukenschlag ist daher, was Kalanick seinen Mitarbeitern am Dienstagabend mitteilte: Der Mann, der Uber prägte wie kein anderer, nimmt eine unbefristete Auszeit. Er brauche Zeit, um um seine Mutter zu trauern, die kürzlich bei einem Bootsunfall ums Leben gekommen war, schrieb Kalanick in einer E-Mail, aus der amerikanische Medien zitierten. Aber auch, um nachzudenken, an sich selbst zu arbeiten und sich darauf zu konzentrieren, ein „Weltklasse-Führungsteam“ aufzubauen. Es ist ein Schritt, den lange Zeit wohl niemand für möglich gehalten hätte. Trotz aller Skandale schien Kalanick stets fest im Sattel zu sitzen.

          Ein Skandal reiht sich an den nächsten

          Dieses Bild begann erst in den vergangenen Tagen zu bröckeln. Schon am Wochenende diskutierte offenbar der Verwaltungsrat darüber, ob Kalanick für einige Monate beurlaubt werden soll – das allein zeigt, wie tief Uber gefallen ist. Die Entscheidung darüber wollte man jedoch ihm selbst überlassen. Sie dürfte ihm denkbar schwer gefallen sein. Noch am Dienstagmorgen amerikanischer Zeit, berichtete das Onlineportal „Recode“, habe Kalanick nach einem Weg gesucht, im Amt zu bleiben oder zumindest die Dauer der Auszeit zu reduzieren. Offenbar mussten eine Reihe von Topmanagern ihn regelrecht drängen, sich zurückzuziehen.

          Wie konnte es so weit kommen? Bis vor kurzem galt Uber als der Überflieger des Silicon Valleys. Ein Unternehmen, das die Art und Weise, wie wir von A nach B kommen, revolutionierte. Das als Vorbild für viele weitere Geschäftsideen diente und von Investoren derzeit mit fast 70 Milliarden Dollar bewertet wird – so hoch wie noch kein Start-up zuvor und höher als etablierte Autohersteller wie beispielsweise General Motors, die über Fabriken und Produktionsanlagen verfügen und Hunderttausende Mitarbeiter beschäftigen. Doch in jüngster Zeit reihte sich in dem Unternehmen, das noch nie besonders viel Wert auf Sympathiepunkte legte, ein Skandal an den nächsten. Vorläufiger Tiefpunkt: die Ergebnisse, die eine Untersuchungskommission unter der Leitung des früheren amerikanischen Justizministers Eric Holder nach den Beschwerden einer ehemaligen Programmiererin zutage förderte und wonach sexuelle Belästigungen, Diskriminierungen wegen der Hautfarbe und Mobbing im Unternehmen offenbar keine Einzelfälle sind. 20 Mitarbeiter wurden entlassen, 31 in Schulungen geschickt, sieben erhielten eine letzte Warnung.

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