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Fahrdienst Uber : „Wir werden wie Sklaven behandelt“

Über eine Handy-App erfahren die Fahrer, wo sie Leute mitnehmen können. Bild: dpa

Die Uber-Fahrer in New York demonstrieren: Sie erhalten für ihren Fahrdienst immer weniger Geld, weil die Gebühren für Mitfahrende sinken. Dennoch sind ihre Gehälter offenbar nicht schlecht.

          3 Min.

          Die Herausforderer der Taxiindustrie hausen in bescheidenen Quartieren. Zumindest gilt das in New York. Die hiesige Niederlassung des kalifornischen Fahrdienstes Uber ist in einem alten Gebäude im unglamourösen Stadtteil Queens untergebracht. Hier würde man womöglich kein Unternehmen vermuten, das zuletzt mit 17 Milliarden Dollar bewertet wurde und zu dessen Investoren prominente Adressen wie Google und Goldman Sachs zählen. Schon eher sind die Ambitionen von Uber an der gigantischen Werbetafel abzulesen, die in Blickweite des schlichten Büros über der Straße hängt. „Wechselt zu Uber“, so wirbt das Unternehmen darauf um neue Fahrer. Und es wird ein Monatseinkommen von 5000 Dollar versprochen – „garantiert“.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Aber nicht alle Uber-Fahrer sind gut auf das Unternehmen zu sprechen. Denn an diesem Montag hat sich eine Gruppe von Fahrern vor dem Uber-Büro zu einer Demonstration versammelt. Es ist der schon zweite Protest innerhalb einer Woche. Das Unternehmen, das sonst eher an Anfeindungen von Taxibetrieben und Politikern gewöhnt ist, muss sich jetzt auch mit Unmut in den eigenen Reihen auseinandersetzen. „Genug ist genug“ oder „Schande“ steht auf den Transparenten der Demonstranten. „Wir werden wie Sklaven behandelt“, schimpft Sakhawat Hasen, der seit einem Jahr für Uber arbeitet. Hasen ist als Uber-X-Fahrer unterwegs, bietet also die Billigvariante an, die vergleichbar ist mit Uber Pop in Deutschland. Anders als beim teureren Angebot Uber Black brauchen die Fahrer dafür keine gewerbliche Lizenz, und sie können auch andere Autos nutzen als schwarze Limousinen. Hasen ärgert sich darüber, dass Uber die Preise für das X-Angebot im Sommer um 20 Prozent reduziert hat, denn damit sei auch sein Einkommen gefallen.

          Die Einnahmen der Fahrer sinken

          Uber verkündete damals, nach dieser Preissenkung sei der Dienst nun billiger als ein gewöhnliches Taxi. Die Aktion fiel auch zeitlich mit dem Einstieg des kalifornischen Rivalen Lyft in New York zusammen. Hasen schimpft, Uber habe seinen Fahrern erst gesagt, die niedrigeren Preise würde es nur vorübergehend geben, aber nun hätten sie sich als permanent herausgestellt. Er sagt, er müsse jetzt mindestens 14 Stunden am Tag und damit viel länger als vorher arbeiten, damit er im Monat auf sein gewohntes Einkommen um die 4000 Dollar komme.

          Und die Preissenkung sei nur eine von vielen Veränderungen, mit denen Uber seine Fahrer regelmäßig konfrontiere. „Die zwingen uns ständig etwas Neues auf.“ Ein anderer Streitpunkt, der ursprünglich zu den Auslösern der Proteste gehörte, war eine Anweisung des Unternehmens an Uber-Black-Fahrer, auch billigere Uber-X-Anfragen anzunehmen. In dieser Frage hat Uber mittlerweile nachgegeben: Uber-X-Fahrten seien für Limousinen-Chauffeure nicht mehr verpflichtend. „Wir haben unseren Fahrern zugehört“, sagt Josh Mohrer, Geschäftsführer der New Yorker Uber-Niederlassung, als er den Demonstranten am Montag zusieht.

          Dass trotz des Entgegenkommens noch immer Fahrer protestieren, kann Mohrer nicht so ganz verstehen. Er meint, die Preissenkung für Uber-X, eine der verbliebenen Streitfragen, sei unter dem Strich gut für die Fahrer. Der niedrigere Preis werde durch eine gestiegene Nachfrage und eine damit verbundene höhere Zahl an Fahrten mehr als wettgemacht. Fahrer würden jetzt nach Steuern 30 Dollar in der Stunde verdienen, vorher seien es 20 bis 25 Dollar gewesen. Uber hat schon oft beteuert, seinen Fahrern eine lukrative Arbeit zu bieten, und dazu diverse Statistiken geliefert. Demnach verdiene zum Beispiel ein New Yorker Uber-Fahrer im Mittel mehr als 90.000 Dollar im Jahr, in San Francisco seien es mehr als 74.000 Dollar. „Die überwältigende Mehrheit unserer Fahrer ist sehr zufrieden“, sagt Mohrer.

          Der Uber-Manager kann sich aber damit trösten, dass die Protestbewegung aus den eigenen Reihen etwas an Wucht zu verlieren scheint. Denn die Zahl der Demonstranten am Montag ist überschaubar, viel mehr als 50 Fahrer dürften es diesmal nicht sein. Eine Woche zuvor waren es noch mehrere hundert. Fahrer Jacob Noshe zeigt sich enttäuscht, dass nicht mehr Kollegen gekommen sind. Und auch auf der Facebook-Seite des „Uber Drivers Network NYC“, das die Proteste organisiert hat, wird hinterher eine kleiner als erhoffte Teilnehmerzahl beklagt, aber gleichzeitig auch Stehvermögen geschworen: „Wir werden weiterkämpfen. Ihr müsst für Euch selbst einstehen. Wartet nicht darauf, dass es andere tun.“

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