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Start der App „Uber“ : Der Kampf um die Taxis

  • Aktualisiert am

Die etablierten Taxifahrer bekommen Konkurrenz. Bild: dpa

Neue Apps helfen, statt eines Taxis einen privaten Fahrer zu finden. Für die Fahrgäste ist das gar nicht blöd. Doch die lizensierten Taxifahrer rebellieren. Nun haben sie einen ersten Erfolg erzielt.

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          Es gibt Städte, in denen es wahnsinnig schwierig ist, ein Taxi zu bekommen. New York ist so ein Beispiel, sicher auch Paris, London oder Brüssel. Den Ärger darüber macht sich ein Start-Up aus San Francisco zunutze: Uber heißt es, und vermittelt per Smartphone-App private Fahrer.

          Das Prinzip ist ganz einfach: Via GPS gibt man einfach seinen Standort ein, und die App sucht einen Fahrer in der Nähe. Man kann dann nicht nur sehen, wer der Fahrer ist und wie er von anderen bewertet wurde, sondern auch, wie lange es noch dauert, bis er da ist. Bezahlt wird ebenfalls per App, 20 Prozent des Fahrpreises gehen an Uber.

          Das Konzept erinnert an Angebote wie die Mitfahrzentrale oder Flinc, nur dass Uber eigene Fahrer hat, die dieser Arbeit hauptberuflich nachgehen. Bei der Mitfahrzentrale stellen hingegen in der Regel Privatleute Fahrten ein, die sie ohnehin machen wollen – und für die sie die Spritkosten senken wollen, indem sie noch jemanden mitnehmen. Auch Apps wie das sehr erfolgreiche MyTaxi, das normale Taxis vermittelt, fordern in Deutschland die Taxizentralen heraus.

          Zerstochene Autoreifen

          So viel Ärger wie Uber hat bislang jedoch kaum jemand auf sich gezogen. In 70 Städten weltweit gibt es das Angebot (iTunes - Google Play) inzwischen, seit diesem Dienstag nach Unternehmensangaben auch in Berlin. Und in vielen dieser Städte regt sich Widerstand der lizensierten Taxifahrer. In Deutschland erklärte etwa der Deutsche Taxi- und Mietwagenverband, über das Smartphone-Programm werde eine „rechtswidrige gewerbliche Personenbeförderung“ organisiert. Der Verein gehe davon aus, dass die Behörden einschreiten und entsprechende Bußgelder verhängen werden.

          Das Problem: Die Fahrer brauchen keinen Taxischein. Privatleute können sich als Fahrer anbieten, sofern sie einen Führerschein und ein eigenes Auto haben und mindestens 21 Jahre alt sind. Das wollen die lizensierten Fahrer sich nicht bieten lassen.

          In anderen Städten geht der Protest noch deutlich weiter. In Frankreich und Italien gingen die Mitglieder von Taxi-Gewerkschaften auf die Straßen, in Mailand verteilten sie Flyer mit dem Konterfei eines italienischen Uber-Managers, wie die Financial Times berichtet: „Damned Arese Lucini GO HOME“ (Verdammter Arese Lucini geh heim). In Paris sollen sie die Fensterscheiben von Uber-Autos eingeworfen und die Reifen zerstochen haben.

          Einen ersten Sieg haben die Uber-Gegner nun errungen: Ein Gericht hat das Angebot in Brüssel am Dienstag verboten, weil den Fahrern die Taxilizenz fehlt. Sollte ein Fahrer von Uber dennoch mit Fahrgästen erwischt werden, muss er 10.000 Euro Strafe zahlen. Eine Entscheidung, die EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes überhaupt nicht nachvollziehen kann – und das ist noch vorsichtig formuliert. Sie sei „schockiert“, teilte sie in einem Blogeintrag mit. „Diese Entscheidung dient nicht dazu, Fahrgäste zu schützen. Es geht darum, ein Taxi-Kartell zu schützen.“

          Kroes geht noch einen Schritt weiter und greift die zuständige Brüsseler Mobilitätsministerin Brigitte Grouwels an: „Vielleicht sollte sie ‚Anti-Mobilitätsministerin‘ heißen.“ Intelligente Taxi-Fahrer fänden Uber gut – sie würden das Angebot nutzen, um zusätzliche Fahrgäste zu finden, so Kroes. Auf Twitter rief sie dazu auf, Beschwerden an Grouwels zu schicken.

          Ob sich die Taxi-Lobby auch in Deutschland durchsetzt, bleibt abzuwarten. Klar ist aber schon jetzt: Der Kampf um die Taxis wird weitergehen.

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