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U-Boote : Taucher im Torpedorohr

Als Stahlriese bekannt, unter Wasser auf dem Vormarsch: Thyssen-Krupp Bild: ddp

Ein modernes U-Boot soll künftig in Thailand gegen Schmuggler und Piraten eingesetzt werden. Thyssen-Krupp winken dafür Milliardenaufträge. Auch die Regierung Pakistans ist anscheinend an der „U 214“ interessiert.

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          Wie steigt man aus einem U-Boot aus, das, gemäß seiner Bestimmung, unter Wasser ist? Durch die Torpedorohre. Viel Platz hat man da nicht. Nur 56 Zentimeter ist der Schacht am Bug der U 214 breit. Dieses modernste U-Boot der deutschen Werftindustrie, das von vorne aussieht wie ein Pottwal, hat acht Torpedoschächte. Natürlich können daraus auch Torpedos abgefeuert werden. Aber wahrscheinlicher ist, daß Taucher in die Rohre krabbeln.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          „U-Boote erfüllen heute in erster Linie Aufklärungsaufgaben“, sagt Thies Stüber, Chief Operating Officer der Hellenic Shipyards in Skaramanga nahe Athen. In dieser konzerneigenen Werft läßt Thyssen-Krupp die U 214 bauen, die von der Kieler Tochtergesellschaft HDW entwickelt worden ist.

          Künftig auch Einsätze gegen Piraten und Schmuggler

          Die mit Technik vollgestopften Stahlungeheuer pirschen sich also nächtens an die Feindesküste heran und „parken“ unter Wasser. Dann quetschen sich zwei Taucher der sogenannten „special forces“ Kopf an Kopf in das leere Torpedorohr. Es sind immer zwei Taucher, damit sie sich bei der Flutung des Rohres im Notfall gegenseitig mit Sauerstoff versorgen können. Anschließend schwimmen sie an Land und erkunden, was auch immer dort zu erkunden ist. Noch vor Anbruch des Tages kehren sie zum U-Boot zurück.

          Auch die Kanzlerin war schon einmal im U-Boot - wenn auch nicht in der „U214”

          Nach Einschätzung von Thyssen-Krupp wird das U 214, das je nach Ausstattung zwischen 300 und 400 Millionen Euro kostet, künftig auch im Kampf gegen Piraten und Schmuggler eingesetzt. „Mit einem einzigen U-Boot können Sie 800 Kilometer Küste kontrollieren“, sagt Olaf Berlien, der im Vorstand von Thyssen-Krupp für den Werftenverbund unter dem Dach der Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS) verantwortlich ist. Über die Horchanlagen könne man verdächtige Boote anhand ihrer Geräuschsignatur erkennen und dem Küstenschutz melden, der dann mit Schiffen oder Flugzeugen eingreife.

          Thyssen-Krupp winken Milliardenaufträge

          Weil Malaysia seine Gewässer mit neuen Fregatten und Küstenschutzbooten inzwischen stärker überwache, habe sich der Drogenschmuggel schon in Richtung Thailand verlagert. Dies beschert Thyssen-Krupp möglicherweise einen neuen Kunden: „Wir sprechen jetzt mit Thailand darüber, wie wir deren Seefahrtswege sicherer machen können“, sagt Berlien.

          Auch in anderen Ländern winken Thyssen-Krupp Milliardenaufträge im Marineschiffbau. Die pakistanische Regierung will drei U-Boote kaufen im Wert von rund 1,5 Milliarden Dollar. Thyssen-Krupp ist einer von zwei Anbietern, die bei diesem Auftrag im Rennen sind, bestätigt Berlien. Bei dem zweiten Anbieter handelt es sich um Armaris, ein französisches Gemeinschaftsunternehmen aus der Staatswerft DCN und dem Elektronik-Spezialisten Thales.

          „Keine Marine kann unsere Boote orten“

          Bei Marineaufträgen spielt der politische Flankenschutz stets eine große Rolle. Und darin ist die französische Regierung traditionell Meister. Beobachter schreiben Thyssen-Krupp in diesem Fall dennoch gute Erfolgschancen zu. Pakistan, so wird spekuliert, könnte schon allein deshalb eher zu den Deutschen neigen, weil der „Erzfeind“ Indien seine U-Boote zuletzt bei den Franzosen bestellt hat.

          Technologisch sieht sich Thyssen-Krupp ohnehin in einer besseren Position. Im konventionellen U-Boot-Bau (im Gegensatz zum Bau von Atom-U-Booten) habe man einen Technologievorsprung von zehn Jahren, sagt Berlien. Dies beruhe auf dem Brennstoffzellenantrieb, den weltweit kein anderer Hersteller in seinen U-Booten habe. Dank dieses Antriebssystems könne die U 214 mehrere Wochen unter Wasser bleiben, während dieselmotorbetriebene Unterseeboote schon nach ein bis zwei Tagen nach Luft schnappen müßten. Außerdem sei das Boot dadurch extrem geräuscharm: „Keine Marine kann unsere Boote orten.“ Dies hänge auch mit der hohen Tauchtiefe von deutlich mehr als 200 Metern zusammen.

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