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Twitter gegen Facebook : Zwei Internetgiganten auf Kollisionskurs

Twitter-Chef Jack Dorsey Bild: AP

Es ist ein Kampf um die moralische Überlegenheit. Twitter hat angekündigt, Werbung mit politischen Inhalten auf seiner Plattform zu stoppen. Facebook hält davon nichts – und macht einen Riesenumsatz.

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          Zwei der bekanntesten amerikanischen Internetunternehmen sind in einer brisanten politischen Frage auf Kollisionskurs: Jack Dorsey, Mitgründer und Vorstandsvorsitzender des Kurznachrichtendienstes Twitter, verkündete am Mittwoch, seine Plattform werde keine politischen Anzeigen mehr zulassen. Damit stellt er nun einen krassen Gegensatz zu Mark Zuckerberg dar, dem Mitgründer und Vorstandschef des sozialen Netzwerks Facebook. Zuckerberg stellt sich auf die Position, auf Facebook politische Anzeigen auch dann zu erlauben, wenn sie falsche Behauptungen enthalten, und er ist dafür in jüngster Zeit heftig kritisiert worden - unter anderem bei einer Anhörung im amerikanischen Repräsentantenhaus.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Dorsey gab die Entscheidung in einer Serie von Tweets bekannt, die sich zum Teil wie eine demonstrative Abgrenzung von Facebook lasen. Er schrieb etwa: „Es ist nicht glaubwürdig, wenn wir sagen: ‚Wir bemühen uns sehr, zu verhindern, dass Menschen unsere Systeme manipulieren, um irreführende Informationen zu verbreiten, aber wenn uns jemand bezahlt, um Menschen dazu zu zwingen, gezielte politische Anzeigen zu sehen…naja…dann können sie sagen, was auch immer sie wollen.“ Dorsey sagte, Online-Werbung sei zwar für kommerzielle Zwecke sehr effektiv, aber in der Politik berge sie „erhebliche Risiken“, denn dort könne sie Wahlergebnisse und damit das Leben von Millionen von Menschen beeinflussen. „Politische Anzeigen bringen ganz neue Herausforderungen für den zivilen Diskurs.“

          Mit seiner Ankündigung zog sich Twitter prompt den Zorn von Donald Trump zu. Der Manager seiner Kampagne für die Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr nannte die Entscheidung „sehr blöd“, und Twitter verlöre damit hunderte von Millionen Dollar an potentiellem Umsatz. Es sei ein weiterer Versuch, Stimmen aus dem konservativen politischen Lager zum Schweigen zu bringen, zumal Trump das „ausgeklügeltste Online-Programm“ habe, das es jemals gegeben habe. Trump beklagt sich regelmäßig darüber, dass Unternehmen wie Twitter und Facebook versuchen, konservative politische Stimmen zu unterdrücken.

          Politische Werbung auf Online-Diensten sind in jüngster Zeit in Amerika, wo der Wahlkampf für die Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr an Fahrt aufnimmt, zu einem Zündstoffthema geworden. Kürzlich gab es eine Kontroverse um eine vom Präsidenten Donald Trump geschaltete Facebook-Anzeige, die falsche Informationen über Joe Biden enthielt, einen der führenden Anwärter auf die Kandidatur der Demokratischen Partei. Bidens Kampagne forderte von Facebook, die Anzeige zu entfernen, blitzte aber ab. Mark Zuckerberg hat Facebooks Umgang mit solcher Werbung vor zwei Wochen in einer Rede verteidigt. Er sagte, Facebook überprüfe politische Anzeigen nicht auf Fakten, denn die Menschen sollten selbst sehen, was Politiker sagten, und in einer Demokratie sollten private Unternehmen Politiker nicht zensieren.

          Diese Position wiederholte er auch am Mittwoch bei der Vorlage von Quartalszahlen, und er wies Anschuldigungen zurück, wonach Facebook politische Anzeigen aus reiner Profitgier annehme. Solche Werbung würde für weniger als 0,5 Prozent des Umsatzes stehen, die Facebook im kommenden Jahr insgesamt erwarte. Weiter nannte er es auch falsch, zu behaupten, das Erlauben politischer Anzeigen sei „zynisches politisches Kalkül“, das nur dazu diene, konservative Politiker zu besänftigen.

          Facebook sieht sich allgemein zunehmendem Druck von Politikern und Regulierern gegenüber. Das Unternehmen ist zum Beispiel Gegenstand kartellrechtlicher Ermittlungen, und es stimmte in diesem Jahr einem fünf Milliarden Dollar teuren Vergleich mit der Verbraucherschutzbehörde FTC zu, in dem es um Datenaffären ging. All das scheint dem Geschäft aber nicht zu schaden, wie das Unternehmen mit seinen am Mittwoch nach Börsenschluss vorgelegten Quartalszahlen unterstrich. Die Zahlen waren besser als erwartet, und der Aktienkurs legte nachbörslich um mehr als zwei Prozent zu. Der Umsatz stieg im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 29 Prozent auf 17,7 Milliarden Dollar, Analysten hatten im Schnitt mit 17,4 Milliarden Dollar gerechnet. Der Nettogewinn kletterte um 19 Prozent auf 6,1 Milliarden Dollar, das Ergebnis je Aktie von 2,12 Dollar lag um 21 Cent über den Erwartungen.

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