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Expansionsplan : Tui fliegt wieder selbst in die Karibik

TUI-Fly-Flugzeug in Hannover Bild: dpa

Vor fast 20 Jahren hat der Konzern eigene Fernflüge aus Deutschland aufgegeben. Nun soll Tui Fly in eine Domäne des Rivalen Condor einschweben. Piloten machen dafür ein großes Zugeständnis.

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          Mexiko und Karibikinseln kommen zurück in den Flugplan der Gesellschaft TUI Fly. Knapp zwei Jahrzehnte nach dem Abschied aus dem Langstreckenflug kehrt die deutsche TUI-Tochtergesellschaft in das Geschäft mit der Beförderung zu fernen Zielen zurück. Und dabei hat es der Reisekonzern eilig: In weniger als einem Jahr sollen die ersten beiden Langstreckenflugzeuge von Typ Boeing 787 im Lack der deutschen TUI Fly abheben.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Eine Einigung mit den Tarifpartnern macht die Entscheidung für die Langstrecke möglich“, sagte TUI-Fly-Chef Oliver Lackmann am Donnerstag. In Tarifgesprächen mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) ist die entscheidende Weichenstellung erfolgt. Details dazu gibt TUI nicht preis. Seit Wochen war verhandelt worden, dass die Piloten im Gegenzug für die Wachstumsperspektive Kostenkürzungen mittragen. Konkret geht es nach Informationen der F.A.Z. um Nullrunden bei den Gehältern der Piloten, für die auch noch eine Erhöhung ihrer Flugstunden im Jahr ansteht. Wie aus Branchenkreisen verlautete, will man sich dem Branchendurchschnitt von etwa 700 Flugstunden im Jahr nähern. Für andere Berufsgruppen wie Flugbegleiter lagen schon Einigungen vor.

          TUI plant mit fünf Flugzeugen für das Langstreckenflugangebot ab Deutschland, zum Auftakt sollen zwei 787-Dreamliner parat stehen. Allerdings sind diese Zahlen nicht festgeschrieben. Sollte sich für die Gesellschaft Condor aus dem insolventen Reisekonzern Thomas Cook, die aktuell mit staatlicher Überbrückungshilfe fliegt, keine dauerhafte Lösung finden, will der Konzern nachjustieren. Denn andernfalls bliebe sonst nur die Lufthansa-Tochtermarke Eurowings als großer Karibikfluganbieter. „Sollten sich durch weitere Marktveränderungen die Kapazitäten in den nächsten Monaten reduzieren, können wir unseren geplanten Flottenaufbau auch zügiger umsetzen“, sagt Lackmann. Doch auch ohne Planbeschleunigung fordert TUI-Fly Condor heraus.

          Traditionell zählen die TUI-Fly-Piloten zu den Besserverdienenden in der deutschen Luftfahrt – auch wenn sie nicht Spitzenwerte der Deutschen Lufthansa erreichen. Durch eine höhere Flugstundenzahl will TUI einen Kostennachteil verringern. Als Einzelgesellschaft tut sich TUI Fly schwer, profitabel zu fliegen. Der Konzern verweist stets darauf, dass sich der Nutzen der Airline in der Kombination mit dem Urlaubsgeschäft ergebe, dessen Kunden oft in TUI-Flugzeugen ans Ziel gelangen. Vor einigen Jahren stand zwischenzeitlich das deutsche TUI-Fluggeschäft mit eigener Flotte in Frage. Pläne, nur noch als Minderheitseigner beteiligt zu bleiben, hatten damals zu Massenkrankmeldungen, die als „wilder Streik“ angesehen wurden, geführt.

          Konzern reagiert auf Marktveränderungen

          Mittlerweile ist im Konzern von einem Rückzug keine Rede mehr. Das hat mehrere Gründe. Wegen der Airline-Insolvenzen der vergangenen Jahre will der Konzern für die Beförderung eigene Pauschalreisekunden weniger von der wirtschaftlichen Situation anderer Fluggesellschaften abhängig sein. Zudem will der Konzern sich in der Flugplanung mehr Flexibilität schaffen, um Ziele mit vielen TUI-Urlaubern stärker zu bedienen.

          TUI-Fly-Chef Lackmann verweist daher auf TUI-Exklusivunterkünfte in der Karibik und die TUI-Kreuzfahrtschiffe der „Mein-Schiff“-Flotte, die vor allem im Winterhalbjahr auch in der Karibik fahren. Für regelmäßige Passagierwechsel müssen mehr als 2000 Urlauber je Schiff dorthin gebracht und wieder zurückbefördert werden – mit Urlauberfliegern, die eher weniger als 300 Reisende an Bord nehmen können, ist das eine logistische Herausforderung.

          Für Piloten gelten Langstreckenflüge derweil als Königsklasse. Seit langem wird bei TUI Fly die Rückkehr in dieses Geschäft herbeigesehnt. Bis 2001 hatte die Gesellschaft – damals noch unter dem Namen Hapag-Lloyd-Flug – Fernziele im Plan. Seitdem waren nur ausländische TUI-Tochtergesellschaften im Langstreckengeschäft aktiv, die deutsche TUI Fly bedient aktuell mit 39 Mittelstreckenjets europäische Ziele. Ein deutscher Rückkehrversuch im Winter 2013/2014 war schnell wieder beendet. Damals hatte man sich ein Flugzeug von der britischen TUI-Landesgesellschaft ausgeliehen. Zudem war die Wahl des hiesigen Abflugorts, Hamburg, aus heutiger Sicht falsch. TUI will nun einen zentralen Abflugort mit mehr Einwohnern im Umland wählen – Düsseldorf ist im Gespräch.

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