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Kapitalerhöhung über Nacht : Tui zahlt 671 Millionen Euro Staatshilfe zurück

Die Ferienflieger füllen sich allmählich wieder: Tui rechnet mit einem starken Urlaubssommer. Bild: Reuters

Der Reisekonzern Tui rechnet mit einem starken Urlaubssommer – und will deswegen schnellstmöglich die Staatshilfe zurückgeben. In Russland wird man das genau beobachten.

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          Die Staatshilfen an TUI sollen zügig zurückgeführt werden. Das kündigte TUI-Chef Joussen vor wenigen Tagen an, als er über ein erfolgreiches erstes Quartal berichtete und über seine Zuversicht, dass es einen starken Urlaubssommer gebe. Jetzt ist der nächste Schritt gemacht. Der TUI-Aufsichtsrat hat am Dienstagabend die Platzierung von 162,3 Millionen Aktien am Finanzmarkt bewilligt, und über Nacht beschaffte sich der Urlaubskonzern bei institutionellen Investoren auf diese Weise 425 Millionen Euro frisches Geld.

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Hamburg.

          Rechnerisch ergibt sich so ein Preis von 2,62 Euro je Aktie. An der Börse rutschte der TUI-Kurs danach um bis zu 10 Prozent ab. Das kann als technische Reaktion gewertet werden, weil sich durch die Kapitalerhöhung der jeweilige Gewinnanteil der Aktien in diesem Umfang verringert.

          Den Erlös der Kapitalerhöhung verwendet TUI dazu, einen Teil der Mittel aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) zurückzuzahlen. Dabei geht es um die Stille Einlage II im Volumen von 671 Millionen Euro. Weil das frische Geld aus der jetzigen Platzierung nicht ausreicht, verwendet TUI für die Rückzahlung auch noch verfügbare Barmittel von 246 Millionen Euro. Immer noch ist der Staat mit der Stillen Einlage I des WSF in Höhe von 420 Millionen Euro an dem Konzern aus Hannover beteiligt. Diese Stille Einlage kann im Prinzip auch in Aktien gewandelt werden, genau wie eine Optionsanleihe über 59 Millionen Euro.

          Abgesehen von den Rückzahlungen verringert die TUI AG auch ihren von der KfW gewährten Kreditrahmen um 336 Millionen Euro auf 2,1 Milliarden Euro. Diese Kreditlinie dient dem Urlaubskonzern als Liquiditätsreserve im schnell anwachsenden Geschäft, das teilweise vorfinanziert werden muss. Am 1. April hatte TUI schon einmal Kreditlinien über 700 Millionen Euro zurückgegeben.

          An früheren Kapitalerhöhungen hatte sich auch der langjährige Hauptaktionär Alexej Mordaschow beteiligt, der Anfang März wegen des Ukrainekriegs mit Sanktionen belegt wurde. Mordaschow hatte kurz zuvor die Aktien schon weitergegeben, seine wahre Rolle ist unklar. Der Anteil von zuletzt 30 Prozent ist jetzt schon kleiner, da bei der aktuellen Platzierung das Bezugsrecht der Altaktionäre ausgeschlossen war.

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