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Hotelkette : TUI,TUI,TUI, TUI,TUI

Alles auf eine Karte: TUI verringert die Namensvielfalt bei ihren Hotels. Bild: dpa

Größter Reiseveranstalter ist der Konzern schon. Jetzt will TUI auch an die Weltspitze der Ferienhotellerie. Dafür wird TUI Blue zur Leitmarke und in den Ferienregionen omnipräsent.

          Der Reisekonzern TUI hat einen bunten Strauß an Hotelmarken unter seinem Dach. Von Robinson-Clubs über Karibikhotels von Blue Diamond bis hin zur Kette Riu Hotels & Resorts, deren Anteile sich TUI mit einer spanischen Hoteliersfamilie teilt: In vielen dieser Häuser läuft das Geschäft, trotzdem will der Vorstandschef Fritz Joussen das Portfolio klarer gliedern. Die 2016 gegründete Marke TUI Blue, in der schon eigene Häuser von Iberotel und Dorfhotel aufgehen, soll zu einer konzernweiten Leitmarke werden. „Wir brauchen eine große Hotelmarke mit globaler Präsenz, die TUI im Namen trägt und deutlich macht, wofür wir als Touristikkonzern stehen“, kündigt Joussen im Gespräch mit der F.A.Z. an.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Konkret ist geplant, dass TUI Blue zwei andere Hotelmarken unter ihr Dach nimmt, die bislang eigenständig agieren: Sensimar und TUI Family Life. Diese Hotels gehören überwiegend externen Betreibern und werden jetzt auf die einheitliche Marke umgeflaggt. Vor allem für Sensimar ist dies beachtlich: Mit der Marke für Unterkünfte, die sich an ohne Kinder reisende Paare richten, hatte der Konzern einst seine Ausrichtung auf exklusive Konzepthotels begonnen. Nun verschwindet die Marke. Andere Namen waren schon früheren Umsortierungen zum Opfer gefallen.

          Durch die aktuelle Neuordnung wird das Netz von TUI Blue schnell wachsen. Es besteht aus zehn Häusern etwa in Kroatien, Italien oder in der Türkei, bis zum kommenden Jahr wird es auf rund 100 Standorte heranwachsen. Dabei soll es nicht bleiben. Joussen will unter der Marke weitere Hotels eröffnen und kann sich vorstellen, dass andere kleinere Spezialmarken andocken, wodurch die Zahl im nächsten Schritt auf bis zu 200 steigen könnte. Das soll die Sichtbarkeit im Markt erhöhen. „Unser Ziel ist es, TUI Blue zur größten Hotelmarke in der internationalen Ferienhotellerie zu entwickeln“, sagt er.

          Vom Reiseveranstalter zum Rundumanbieter

          Unter dem Dach von TUI Blue soll es verschiedene Kategorien geben. So will der Konzern die Häuser von Sensimar „TUI Blue for two“ nennen, die Hotels von Family Life heißen „TUI Blue for families“, alle anderen „TUI Blue for all“. Gleichzeitig soll das Hotelgeschäft effizienter werden. Die Häuser werden in ein digitales Umfeld eingebunden, das die Software des Konzerns, die Buchungsplattformen der Reiseveranstalter und die Hotelbetriebssysteme vor Ort integriert. „Dadurch werden komplett neue Angebote möglich, die bislang in dieser Form nicht verfügbar waren“, sagt Joussen. Kunden können nicht bloß Zimmerkategorien wählen, sondern den konkreten Raum aussuchen. Hinzu kommen Sonderleistungen vom Tisch beim Gala-Dinner über das Sportprogramm bis zur Wellness-Behandlung. Kunden sollen die Blue-App nutzen, die den Urlaub als digitaler Assistent begleitet.

          Auf den übrigen Feldern seines Hotelgeschäfts will der Konzern ebenfalls wachsen. Aktuell hat TUI rund 380 Unterkünfte im Angebot, die der Konzern selbst oder mit Partnern betreibt. Demnächst dürfte die Zahl auf rund 400 steigen. In diesem Jahr eröffnen drei neue Magic-Life-Ferienclubs in der Türkei, in Tunesien und Italien. Auf den Kapverdischen Inseln entsteht ein Robinson-Club, in Bulgarien und Marokko machen Riu-Hotels auf. Gute Perspektiven sieht Joussen in Südostasien, wo TUI mittelfristig bis zu 25 eigene Hotels betreiben will. „Auch in der Region um den Indischen Ozean, etwa in Sansibar oder Kenia, sehe ich noch große Chancen“, sagt er. „Dort fehlt zwar an einigen Orten noch die nötige Infrastruktur, aber das wird sich in der nächsten Zeit ändern.“

          Das Wachstum mit Hotels ist Teil einer breiteren Strategie. TUI will sich vom klassischen Reiseveranstalter zum Rundumanbieter wandeln, der alle Angebote aus einer Hand verkauft. Dazu gehören auch die Kreuzfahrtschiffe von TUI Cruises und Hapag-Lloyd Cruises sowie sogenannte Destination Experiences wie Ausflüge am Urlaubsort. Wie wichtig diese Angebote sind, zeigt ihr Anteil am Ergebnis. „Wir machen heute etwa 70 Prozent unseres operativen Gewinns mit den Hotels, Kreuzfahrtschiffen und den Destination Services“, sagt Joussen. „Damit sind wir deutlich robuster geworden und können mit Marktschwankungen besser umgehen.“

          Dass sich das Geschäft schnell drehen kann, hatte TUI gerade erfahren. Verspätete Buchungen in Folge des Hitzesommers 2018, ein schwaches Pfund und mehr Türkei-Buchungen, die zu Überangebot in Spanien führen, haben dafür gesorgt, dass der Konzern seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr reduzieren musste. Das hätte vor allem das Reiseveranstaltergeschäft getroffen, sagt Joussen. Die eigenen Hotels und Schiffe seien dagegen weitgehend stabil.

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