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Tourismusbranche : Robinson enttäuscht Tausende Urlauber

Es war einmal: Robinson Club Kalimera Kriti auf Kreta Bild: Picture-Alliance

Endlose Sandstrände, Schluchten, Klöster - und ein Urlaub im schönen Robinsonclub. Das planten in diesem Jahr 8000 Kreta-Urlauber, darunter viele Kinder. Jetzt müssen alle umbuchen. Wie konnte das passieren?

          3 Min.

          Wer im Urlaub möglichst viel Sonne will, ist auf Kreta genau richtig. Das griechische Eiland gehört zu den sonnenreichsten Inseln im Mittelmeer. An 300 Tagen im Jahr ist der Himmel dort strahlend blau, selbst in den Wintermonaten fällt die Temperatur nur selten unter 10 Grad. Die schier endlosen Sandstrände und die Schluchten und Klöster im Binnenland machen die Insel zum perfekten Reiseziel. Das sieht auch der Touristikkonzern TUI so, der Jahr für Jahr Tausende Urlauber nach Kreta bringt.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          In diesem Jahr wird die Buchungssaison der TUI allerdings von einem unschönen Vorfall überschattet, der dem Unternehmen noch viel Ärger einbringen könnte. Die Schwierigkeiten betreffen das Clubhotel „Kalimera Kriti“, eine gepflegte Großanlage mit 408 Zimmern in der nordöstlich gelegenen Ortschaft Sissi. Bis zum Beginn dieses Jahres lief das Hotel noch unter der konzerneigenen Clubmarke Robinson, nun musste TUI das Haus aber kurzfristig aus dem Katalog nehmen und alle gebuchten Reisen absagen. Der Betrieb unter der Marke Robinson könne „leider nicht fortgesetzt werden“, heißt es in einem Schreiben an betroffene Urlauber. „Der griechische Eigentümer der Immobilie hat einseitig und für uns nicht vorhersehbar die Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung aufgekündigt.“

          Höhere Gewinnbeteiligung gefordert

          Die Auswirkungen sind enorm: Wie eine Sprecherin der Robinson Club GmbH bestätigt, sind in der Summe rund 8000 Urlauber, darunter viele Familien mit Kindern, vom Aus für Kalimera Kriti betroffen. Zwar will der Eigentümer der Immobilie, eine Tochtergesellschaft der griechischen Firmengruppe Helios Hotels & Resorts, den Club als Fünf-Sterne-Haus weiterführen. Direkte Umbuchungen auf den neuen Betreiber sind aber offenbar nicht möglich – und von vielen Reisenden auch nicht gewünscht. Schließlich haben sie ihren Urlaub bei Robinson gebucht, und wollen nun nicht auf einen anderen, x-beliebigen Anbieter umschwenken. „Wir bedauern die entstehenden Unannehmlichkeiten für die Gäste“, heißt es bei der TUI AG. Kunden hätten die Möglichkeit, auf einen anderen Robinson Club auszuweichen, ein Vertragshotel der TUI auf Kreta zu wählen oder die Reise komplett zu stornieren. Die Umbuchungen gehen aber offenbar nicht reibungslos über die Bühne. Auf der Facebook-Seite von Robinson machen etliche Urlauber ihrem Ärger Luft: „Euer Büro-Team ist nicht fähig umzubuchen“, schreibt eine Nutzerin. „Jetzt sollen wir keinen Frühbucherbonus mehr bekommen.“ Ein anderer schreibt, er habe Urlaub für drei komplette Familien gebucht, „insgesamt 15 Mann“. Dass er nun umplanen müsse, sei ein enormer Aufwand: „Das ist nicht euer Ernst!!!“

          Die Kunden sind auch deshalb in Rage, weil Robinson bis zuletzt Buchungen für Kalimera Kriti angenommen hat, obwohl die Misere womöglich schon länger absehbar war. Bereits seit Mitte vergangenen Jahres liegt die TUI AG im Clinch mit einer Gesellschaft der Helios-Gruppe namens Maho SA. Diese ist die formale Eigentümerin der Immobilie und soll dem Vernehmen nach eine höhere Gewinnbeteiligung von Robinson gefordert haben. Als der Streit zu eskalieren drohte, riefen die Kontrahenten ein Schiedsgericht an, das zugunsten von Maho entschied. Daraufhin stellte die griechische Betreibergesellschaft von Robinson im Juli 2015 einen Insolvenzantrag. Die Griechen werfen Robinson nun vor, sie darüber nicht informiert zu haben. Außerdem wollen sie vor wenigen Wochen erfahren haben, dass TUI die Anlage nicht mehr als Robinson Club betreiben wolle.

          Trotzdem geht es sonst bergauf

          Die Deutschen weisen alle Vorwürfe zurück. Man habe sich „mit aller Kraft“ um eine Lösung bemüht, heißt es bei Robinson. Zudem habe die Insolvenzverwalterin für die Betreibergesellschaft klar signalisiert, dass der Hotelbetrieb trotz des Konkurses uneingeschränkt weiterlaufen könne. Für die TUI AG ist die ganze Sache sehr ärgerlich, nicht nur wegen des Image-Schadens. Auch wirtschaftlich ist das Ende von Kalimera Kriti ein Rückschlag. Zwar hat die Robinson Club GmbH noch zwei weitere Anlagen in Griechenland, den Club „Daidalos“ auf Kos und den Club „Kyllini Beach“ auf dem Peleponnes. Kalimera Kriti war jedoch besonders beliebt, zwischenzeitlich war er der am besten gebuchte Club der gesamten Marke.

          Abgesehen vom Ärger auf Kreta, geht es für Robinson bergauf. Zurzeit gibt es insgesamt 24 Clubs, die meisten davon in der Türkei, Österreich und Spanien. In absehbarer Zeit soll ihre Zahl auf mindestens 40 steigen. Neue Clubs will die TUI unter anderem in Asien aufmachen. Zudem nimmt sie Inseln im indischen Ozean wie die Seychellen oder Mauritius ins Visier. Auch die Ertragslage der Clubs hat sich nach einer langen Durststrecke deutlich verbessert. Zwar ist die Auslastung im vergangenen Geschäftsjahr 2014/15, das am 30. September endete, auf 72,6 (Vorjahr: 74,1) Prozent gesunken. Der durchschnittliche Erlös pro Bett hat sich aber von rund 89 Euro auf etwa 91 Euro verbessert, was mit Preiserhöhungen zu tun haben dürfte.

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