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Unglück in Brasilien : TÜV Süd geht auf Distanz zu Damm-Kontrollen

  • Aktualisiert am

Das TÜV-Süd-Logo an der Konzernzentrale in München Bild: EPA

Ein Dammbruch in Brasilien riss im Januar hunderte Menschen in den Tod. TÜV-Süd hatte den Damm von Vale kurz zuvor inspiziert – und sieht jetzt eine „erhöhte Unsicherheit“ im brasilianischen Prüfsystem.

          Der TÜV Süd hat nach dem verheerenden Dammbruch in Brasilien Zweifel an den dort geltenden Maßstäben zur Überprüfung der Sicherheit von Bergwerks-Dämmen. Man werde bis auf weiteres keine Dämme an den Abraumhalden der Vale-Minen mehr abnehmen, teilte die Prüforganisation am Dienstag mit. Es gebe eine „erhöhte Unsicherheit“ darüber, ob die Stabilität von Dämmen mit dem geltenden Kontrollsystem überhaupt zuverlässig beurteilt werden könne. „Es ist inzwischen zweifelhaft, ob dieses System Menschen und Umwelt angemessen vor den ernsten Risiken, die durch Abraumdämme entstehen, schützen kann“, heißt es in der Mitteilung.

          Das Unternehmen hatte den Damm an dem Bergwerk im brasilianischen Brumadinho im August überprüft und für sicher befunden, nur wenige Monate, bevor er brach und mehr als 300 Menschen unter sich begrub. Der TÜV Süd hatte zwei unabhängige Anwaltskanzleien angeheuert, um seine Rolle bei der Katastrophe unter die Lupe zu nehmen.

          „Es wäre absolut unakzeptabel für den TÜV Süd, wenn Erklärungen wider besseres Wissen unterzeichnet worden wären“, hieß es in der Mitteilung. „Das würde allen Vorschriften und der Philosophie des Unternehmens widersprechen.“ Nach dem Dammbruch sind 169 Leichen geborgen worden, 141 Menschen werden noch vermisst.

          Vale hatte nach der Katastrophe auf die Untersuchung des TÜV Süd verwiesen. In dessen Prüfbericht, hieß es zwar, der Damm erfülle die Mindestanforderungen. Die TÜV-Techniker äußerten aber Sorgen vor allem über die Entwässerung des Damms und seine Überwachung. Sie machten 17 Verbesserungsvorschläge, um die Sicherheit rund um den Damm zu erhöhen, unter anderem ein Überwachungssystem, das auch kleinste Bodenbewegungen registriert. Die brasilianischen Behörden hatten zwei Mitarbeiter des TÜV Süd nach dem Dammbruch verhaftet, aber wenig später auf freien Fuß gesetzt. 

          Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war der Eindruck entstanden, dass TÜV Süd seine eigenen Kontrollen anzweifelt. Dies sei nicht der Fall. Vielmehr beziehe sich die Kritik auf das bestehende System der DCEs (Declaração de Condição de Estabilidade da Barragem) in Brasilien. 

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