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Trotz Streik-Endes bei der Lufthansa : Wirrwarr an Europas Himmel

Lufthansa fliegt vorerst weiter nach Notfallplan Bild: dpa

Der europäische Luftverkehr wird von einer Streikwelle erfasst. Kurz nach dem Arbeitskampf der Lufthansa-Piloten, der bis zum 8. März ausgesetzt ist, traten am Dienstag die französischen Fluglotsen in den Ausstand. Die Piloten von Air France-KLM wollen folgen. Auch in Großbritannien stehen Streiks an.

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          Der europäische Luftverkehr wird von einer Streikwelle erfasst. Kurz nach dem eintägigen Arbeitskampf der Lufthansa-Piloten, der bis zum 8. März ausgesetzt ist, traten am Dienstag die französischen Fluglotsen in den Ausstand, um gegen die EU-Pläne zu demonstrieren, die Kontrolle des europäischen Luftverkehrs zu vereinheitlichen. Bis Ende dieser Woche werden wohl die Piloten von Air France-KLM folgen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Weitere Streiks stehen zudem British Airways (BA) ins Haus. Dort drohte die Gewerkschaft Unite, die 12 000 Stewards und Stewardessen der britischen Fluglinie vertritt, mit Arbeitskämpfen von März an. Die geplanten Aktionen wenden sich gegen die Sparmaßnahmen bei Löhnen und internen Arbeitsabläufen, mit denen der BA-Konzern wieder Gewinne erzielen will.

          Die Fluglotsen genießen bemerkenswerte Privilegien

          Im Zuge des Fluglotsen-Streiks in Frankreich, der bis Freitag dauern soll, musste Air France-KLM die Hälfte ihrer Mittelstrecken-Flüge vom Pariser Flughafen Orly sowie jede vierte Mittelstrecken-Verbindung vom Flughafen Roissy-Charles de Gaulles aus streichen. Die Fluglotsen genießen bemerkenswerte Privilegien, wie der nationale Rechnungshof kürzlich darlegte: Sie arbeiten im Durchschnitt weniger als hundert Tage im Jahr, der Rest sind Urlaub oder andere bezahlte freie Tage. Nach zehn Jahren Zugehörigkeit liegt der Verdienst der französischen Fluglotsen bei 6552 Euro im Monat. Mit dem anschließenden Ausstand der Air France-Piloten setzt sich die Streikserie in Frankreich dann zum Ende der Woche nahtlos fort. Ähnlich wie ihre deutschen Kollegen fordern auch die Flugzeugführer der französischen Fluglinie eine bessere Bezahlung für Mittelstrecken- und Frachtflüge. Welche Konsequenzen dieser Streik auf das Geschäft haben wird, will Air France noch nicht abschätzen.

          Bei der Lufthansa hatte der eintägige Streik den Konzern mit rund 25 Millionen Euro belastet. 80 Prozent der 4375 Piloten von Air France sind gewerkschaftlich organisiert: anders als in Deutschland aber in zwölf verschiedenen Gewerkschaften und nicht in einer Sparten-Gewerkschaft. Die deutsche Vereinigung Cockpit vertritt mehr als 4000 der insgesamt 4500 Lufthansa-Piloten.

          Auch BA zeigte sich tief betroffen

          Auch Rivale BA zeigte sich von den angedrohten Streiks seines Personals tief betroffen. Die britische Fluggesellschaft, die im laufenden Geschäftsjahr mit einem Rekordverlust rechnet, ringt seit Monaten mit der Gewerkschaft Unite um Kostensenkungen bei ihrem Kabinenpersonal. Unite hat schon im Dezember einen Streik während der Weihnachtstage angesetzt, BA konnte damals aber ein gerichtliches Verbot durchsetzen.

          Erleichtert zeigte sich die Lufthansa über die Einigung mit der Piloten-Gewerkschaft, die Streiks nach einem gerichtlichen Vergleich bis 8. März auszusetzen. Beide Seiten wollen in Kürze verhandeln und verbreiteten am Dienstag Zuversicht auf eine schnelle Einigung. Trotz des Streikabbruchs am Montag sei aber erst von Freitag an mit einem normalen Flugbetrieb zu rechnen.

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