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Plus 4 Prozent an der Börse : Trotz Rekordergebnis bleibt Toyota vorsichtig

Akio Toyoda hat heute die neuen Geschäftszahlen von Toyota vorgestellt. Bild: AP

Der japanische Autohersteller Toyota warnt vor einer Aufwertung des Yen. Und erwartet nur in einer Region mehr Verkäufe.

          Diesen Effekt hatte Toyota Motor wohl erwartet. In Abweichung vom in Japan traditionellen Schema, Finanzergebnisse nachbörslich zu veröffentlichen, legte der größte japanische Autohersteller an diesem das Finanzergebnis des im März beendeten Geschäftsjahre schon am frühen Nachmittag vor, noch während des Börsenhandels in Tokio. Der Aktienkurs sprang in die Höhe und schloss den Handel mit 3,8 Prozent im Plus bei 7424 Yen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Anleger reagierten erfreut auf die Ankündigung eines Aktienrückkaufs im Wert von 300 Milliarden Yen (2,3 Milliarden Euro). Und obwohl Toyota eine drohende Aufwertung des Yen drückt, fiel die Vorausschau auf das im April begonnene Geschäftsjahr weniger dramatisch aus als von Analysten zuvor erwartet. Toyota rechnet zwar mit einem Rückgang des Betriebsgewinns um 4,2 Prozent auf 2,3 Billionen Yen (17,7 Milliarden Euro). Doch war das immer noch ein wenig mehr als die Marktprognosen.

          Toyota
          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Die Vorverlegung der Ergebnisvorlage ist Zeichen für ein Unternehmen, das aggressiver und näher an seinen Anteilseignern agieren will. Erstmals lud der Autobauer auch Analysten und Investoren zur Bilanzpressekonferenz.

          Diesem Bemühen um Neuerung stand entgegen das schon gewohnte Schauspiel eines Präsidenten, der trotz ordentlicher Geschäftsergebnisse den Krisenmodus beschwor. Akio Toyoda, Enkel des Firmengründers und seit acht Jahren am Ruder, vermisst das Kostenbewusstsein seiner Mitarbeiter und forderte eine Rückkehr zu den Wurzeln, zum Toyota Produktionssystem und den ständigen Kosteneinsparungen. Seine Ansprache gipfelte in der Feststellung, dass kein echter Toyota-Mitarbeiter sei, wer das Produktionssystem und die Kosteneinsparungen nicht völlig verinnerlicht habe.

          Dabei hat Toyota im abgelaufenen Geschäftsjahr dem Pessimismus, den Toyoda vor einem Jahr verbreitete, mal wieder Lügen gestraft. Damals hatte der Präsident einen schrumpfenden Umsatz und einen schrumpfenden Gewinn prognostiziert und warnte vor dem zweiten Rückgang nacheinander. Nun aber meldete Toyota, das im vergangenen Jahr nach der Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi Motors und Volkswagen auf Rang drei der größten Autobauer lag, ein Rekordergebnis. Der Umsatz stieg um 6,5 Prozent auf 29,4 Billionen Yen, das Betriebsergebnis um 20,3 Prozent auf 2,4 Billionen Yen und der Überschuss um 36 Prozent auf 2,5 Billionen Yen (19 Milliarden Euro).

          Trumps Steuersenkungen helfen

          Gründe dafür gibt es mehrere: Der Yen wertete nicht auf, sondern gegenüber Dollar und Euro ab. Die Steuersatzsenkungen des Donald Trump in den Vereinigten Staaten ermöglichte Toyota den Abbau von Rückstellungen für Steuerbelastungen, was dem Überschuss um 250 Milliarden Yen (1,9 Milliarden Euro) aufhalf. Nicht zuletzt aber halfen Toyota Kosteneinsparungen, um die Negativprognose in ein Rekordergebnis umzuwandeln.

          Die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr zeichnet Toyota abermals vorsichtig. Mehr Autoverkäufe erwartet Toyota nur in Asien und dabei vor allem in Thailand und in China. Die erwartete Aufwertung des Yen gegenüber dem Dollar auf 105 Yen je Dollar soll das Betriebsergebnis um 230 Milliarden Yen belasten. Toyota brauche allein ein Betriebsergebnis von 300 Milliarden bis 400 Milliarden Yen, um die Schwankungen des Wechselkurses auszugleichen, erklärte Vizepräsident Koji Kobayashi, der mi 69 Jahren im Januar die Rolle des Finanzvorstands übernommen hatte.

          Um das Ziel zu erreichen, setzt Toyota mal wieder auf Kostensenkungen. Toyoda will damit auch Mittel freisetzen, um die Entwicklung von vernetzten, selbstfahrenden und elektrifizierten Fahrzeugen voranzutreiben. Insgesamt prognostiziert Toyota für das aktuelle Geschäftsjahr einen Umsatzrückgang um 1,3 Prozent auf 29 Billionen Yen, ein Minus des Betriebsgewinns um 4,2 Prozent auf 2,3 Billionen Yen und einen Rückgang des Überschusses um 15 Prozent auf 2,1 Billionen Yen. Kobayashi wollte die Prognose als vorsichtig und realistisch, nicht aber als pessimistisch verstanden wissen.

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