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Trotz Gewinnsprungs : Siemens stellt sich auf stärkeren Gegenwind ein

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Siemens-Chef Peter Löscher und Finanzvorstand Joe Kaeser am Dienstag vor der Hauptversammlung des Konzerns Bild: ddp

Trotz der weltweiten Konjunkturflaute ist Siemens mit einem unerwarteten Gewinnsprung in das neue Geschäftsjahr gestartet. Die Hauptversammlung, die an diesem Vormittag in München begonnen hat, wird gleichwohl bestimmt von zunehmenden Sorgen um die Auswirkungen der Krise auf den Konzern.

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          Der Siemens-Konzern ist trotz weltweiter Konjunkturflaute mit einem Gewinnsprung ins neue Geschäftsjahr gestartet. Der Elektrokonzern stellt sich jedoch nach dem guten Start ins Geschäftsjahr auf zunehmenden Gegenwind durch die Wirtschaftskrise ein. Es werde 2008/09 (30. September) noch schwieriger, die Gewinnziele zu erreichen, teilte Siemens am Dienstag vor Beginn der mit Spannung erwarteten Hauptversammlung in München mit.

          Im ersten Quartal legte der Umsatz im Jahresvergleich um 7 Prozent auf 19,6 Milliarden Euro zu. Das Ergebnis der Sektoren Industrie, Energie und Gesundheit kletterte um 20 Prozent auf 2 Milliarden Euro. Unter dem Strich brach der Gewinn allerdings von 6,5 auf 1,2 Milliarden ein, doch hatte Siemens im Vorjahr einen hohen Sonderertrag durch den Verkauf des Automobilzulieferers VDO verbucht.

          Erste Bremsspuren spürt Siemens bereits beim Auftragseingang. Die Bestellungen sanken von 24,2 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf 22,2 Milliarden Euro. Damit habe sich Siemens aber deutlich besser als die meisten Wettbewerber behauptet.

          Löscher hält am operativen Ergebnisziel fest

          An dem operativen Ergebnisziel von 8,0 bis 8,5 Milliarden Euro für das Gesamtjahr hielt Siemens zwar fest. Voraussetzung sei aber, dass es nicht auf Seiten der Kunden zu wesentlichen Verzögerungen oder Stornierungen von Großprojekten komme und die Preise durch das anhaltend ungünstige Marktumfeld nicht noch weiter gedrückt würden. „Wir werden uns das jedes Quartal sehr genau ansehen“, erklärte Siemens-Chef Peter Löscher.

          Löscher sieht den Elektrokonzern besser als die Konkurrenz für die Wirtschaftskrise gerüstet. „Wir haben früh begonnen, Siemens wetterfest zu machen“, sagte Löscher am Dienstag in München vor Beginn der Hauptversammlung laut vorab verbreitetem Manuskript. „Natürlich spüren auch wir diese Entwicklung, aber wir sind besser gerüstet als andere.“ Die Krise sei besonders im Industrie-Sektor des Unternehmens zu spüren. Der Bestelleingang sei hier im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2008/09 (30. September) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um elf Prozent auf 9,8 Milliarden Euro zurückgegangen.

          Abbau von rund 17.000 Arbeitsplätzen

          Löscher führte dies vor allem darauf zurück, dass die Kunden erst ihre Lager räumen wollten, bevor sie neue Bestellungen aufgäben. Der Einbruch mache sich auf dem Stahlmarkt und im Geschäft mit Bestückungsautomaten deutlich bemerkbar. Vor diesem Hintergrund will der Siemens-Chef seine Kosteneinsparungen in der Verwaltung weiter entschlossen umsetzen. Die Einsparungen gehen mit dem Abbau von rund 17.000 Arbeitsplätzen einher. „Zur weiteren Anpassung unserer Kosten an die Marktbedingungen nutzen wir auch die flexiblen Arbeitszeiten und -strukturen unserer Werke“, erklärte Löscher.

          Die Siemens-Hauptversammlung, die am Vormittag in München begonnen hat, wurde bereits im Vorfeld mit Spannung erwartet. Vorab hatte sich Widerstand gegen die geplante Erhöhung der Bezüge für den Aufsichtsrat formiert. Mit einem Gegenantrag machen die Siemens-Belegschaftsaktionäre gegen das Vorhaben Front. Insgesamt haben nach Unternehmensangaben rund 24.000 Aktionäre Eintrittskarten für die Hauptversammlung geordert.

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