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Trotz Corona : Geschäft von PwC erholt sich rasant

  • -Aktualisiert am

Markenzeichen von PwC auf einem Hochhaus des Unternehmens in Frankfurt Bild: Ricardo Wiesinger

Das Prüfungs- und Beratungshaus ist wegen der Wahl einer neuen Deutschland-Spitze und einer Steuerrazzia in den Schlagzeilen. Bei der Vorstellung seiner Geschäftszahlen blendete PwC die beiden brisanten Themen jedoch demonstrativ aus.

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          Die Partner des Prüfungs- und Beratungsunternehmens PwC haben laut Medienberichten die Leiterin des Bereichs Wirtschaftsprüfung, Petra Justenhoven, zu ihrer neuen Deutschland-Chefin gewählt. Anlässlich der Präsentation seiner Zahlen für das zurückliegende Geschäftsjahr am Dienstag äußerte sich das Unternehmen auf Nachfrage jedoch nicht zu dieser Spitzenpersonalie. PwC verwies auf Gremienprozesse, die erst noch zu durchlaufen seien. Erst dann werde man die Ergebnisse mitteilen. Auch zur Steuerrazzia in der vergangenen Woche, die das Treffen der Partner für die Chef-Wahl überschattete, äußerte sich das Unternehmen sich nicht.

          Mark Fehr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Derweil gab der amtierende Deutschland-Chef Ulrich Störk gemeinsam mit Joachim Englert, dem Leiter des PwC-Geschäftsbereichs Unternehmensberatung, einen Überblick über die Entwicklungen im Geschäftsjahr vom 1. Juli 2020 bis 30. Juni 2021. Demnach hat die größte deutsche Prüfungs- und Beratungsgesellschaft in einem stark von der Pandemie geprägten Umfeld ihren Umsatz um 1,5 Prozent leicht auf 2,39 Milliarden Euro steigern können.

          Zu beachten ist jedoch, dass PwC die aktuell mitgeteilten Zahlen um Reisekosten bereinigt hat, damit diese nicht von der Corona-Pandemie verzerrt werden. Hintergrund ist eine Besonderheit im Geschäft von Prüfungs- und Beratungsunternehmen, die ihre Reisekosten üblicherweise als Teil der Umsätze ausweisen. Prüfer und Berater sind viel unterwegs, sodass die Reisekosten in normalen Zeiten einen bedeutenden Teil der Umsätze ausmachen.

          Coronabereinigter Umsatz um 9,5 Prozent gestiegen

          Weil während der Corona-Pandemie so gut wie keine Dienstreisen stattfinden, würde dieser Effekt die Umsätze einbrechen lassen, obwohl weiter Geschäft gemacht und Umsätze erzielt werden – nur eben ohne Reisekosten. PwC hat die üblicherweise anfallenden Reisekosten daher den mitgeteilten Geschäftszahlen hinzugerechnet, um sie mit den Zahlen der Vorjahre besser vergleichbar zu machen.

          Besonders deutlich macht sich das im stark wachsenden Geschäftsbereich mit der Unternehmensberatung bemerkbar. Hier stieg der coronabereinigte Umsatz um 9,5 Prozent auf 970 Millionen Euro, während ohne Coronabereinigung ein Wachstum von nur 1,6 Prozent auf 900 Millionen Euro zu verzeichnen ist. Der klassische Geschäftsbereich Wirtschaftsprüfung dagegen brach selbst in bereinigter Darstellung um 6,7 Prozent auf 783 Millionen Euro ein.

          PwC begründete den Rückgang in der Wirtschaftsprüfung mit Sondereffekten. So entstünden oft starke Schwankungen, wenn Mandanten zu einem anderen Wirtschaftsprüfer wechselten. Doch habe PwC auch große Unternehmen als Prüfungskunden gewonnen, etwa die Deutsche Börse, Continental oder die DZ Bank. Zudem habe die Telekom ihren Vertrag verlängert. Das Geschäft mit Steuerberatung und rechtlicher Beratung wuchs nur leicht um 1,7 Prozent auf 579 Millionen Euro. Ohne Bereinigung betrug das Wachstum in dieser Sparte nur 0,7 Prozent.

          Trotz der gemischten Zahlen bezeichnete PwC-Deutschlandchef Ulrich Störk das zurückliegende Geschäftsjahr als „sehr erfolgreich“. Das Unternehmen habe seine Position als Marktführer in Deutschland gefestigt. Zum Vergleich: Der Konkurrent Deloitte hatte für sein zurückliegendes Geschäftsjahr, das den gleichen Zeitraum wie bei PwC umfasst, einen Umsatzeinbruch um 8 Prozent zu verzeichnen. Deloitte hat seine Zahlen anders als PwC nicht um Reisekosten bereinigt und konnte trotz des Umsatzeinbruchs den Gewinn steigern. Wie PwC nannte aber auch Deloitte keine konkrete Zahl für den Gewinn.

          Laut Störk und Englert erholten sich die Umsätze von PwC gerade kräftig von der Corona-Krise. Insbesondere im Bereich Unternehmensberatung sei das Geschäft nahezu explodiert. In den ersten vier Monaten des laufenden Geschäftsjahres sei die Unternehmensberatung um 30 Prozent gewachsen und die Steuer- und Rechtsberatung um 15 Prozent. Die Beschleunigung der digitalen Transformation durch die Corona-Pandemie beflügelt laut PwC vor allem das Beratungsgeschäft. Viele Unternehmen bauten sich radikal um oder entstünden völlig neu und griffen dabei auf die Dienste von PwC zurück.

          Angesichts des starken Wachstums bekräftigte PwC, wie schon angekündigt, bis zum Geschäftsjahr 2024 10.000 neue Mitarbeiter einzustellen. Um die begehrten Fachkräfte müsse das Unternehmen aber hart kämpfen. Stark ausgebaut werden soll etwa der Geschäftsbereich Cybersicherheit, der Unternehmen hilft, sich vor Hackern und anderen digitalen Angreifern zu schützen. Hier will PwC bis 2024 einen Umsatz von 100 Millionen Euro erzielen.

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