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Lifestyle : Grillen wird zum Lebensgefühl

Fleisch ist kein Gemüse: Wenn es gut durchgebraten sein soll, dürfen die Flammen auch mal höher schlagen Bild: Getty Images

Soll’s ein lokomotivenähnlicher Smoker sein oder ein Gasgrill für 1000 Euro? Grillen wird zum Lebensgefühl. Grillseminare verzeichnen Tausende von Besuchern.

          5 Min.

          Kaum rührt sich der Frühling zum ersten Mal, herrscht bei Santos Grills unweit des Köln-Mülheimer Hafens reges Treiben. Über den Parkplatz ziehen Rauschwaden aus der angeschlossenen Grillschule. Drinnen, in der alten Industriehalle, wandern Verkäufer mit Kunden von einem Gerät zum nächsten und erläutern die Vorzüge des Broil King Regal 490, des Weber Genesis E-330, des Grandhall Maxim Island Pearl oder des Outdoorchef Auckland G.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Die Gasgrills aus Kanada, den Vereinigten Staaten, Taiwan und der Schweiz warten mit bis zu fünf Brennern und Seitenkochplatte auf. Ein Modell besitzt eine extra heiße „Sear Station“ mit Grillmarkierung für das Steak, ein anderes einen Spießbratenbrenner und einen motorbetriebenen Drehspieß. Kostenpunkt: 800 bis 1450 Euro.Santos Grills, einer der größten Fachhändler in der Region, hat sich auf hochwertige Gasgrills spezialisiert.

          Grills wie Dampfloks

          Angeboten werden aber auch Holzkohle- und Elektrogrills, neuartige Holzpellets-Grills sowie die an Lokomotiven erinnernden Smoker, bei denen die Hitze mit Holzscheiten in einer Brennkammer neben dem Garraum entfacht wird und der Rauch durch den Kamin entweicht. Hochpreisig sind sie allesamt und auf eine entsprechend gutverdienende Klientel ausgerichtet: „Die Kunden geben bei uns im Schnitt 1000 Euro für einen Grill aus“, berichtet Christian Casper von der Santos Grills GmbH. Fast 300 Grills sind auf 1200 Quadratmetern aufgebaut, im Lager nebenan liegen 4000 Geräte in Hochregalen. Dazu kommen reihenweise Regale mit Zubehör, Grillsaucen, Gewürzen, Holzkohle, Grillkochbüchern und Grillzeitschriften.

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          Um die Kunden auf den Geschmack zu bringen und sie bei Laune zu halten, bereitet Koch Mark Pantin in der rustikal holzvertäfelten Café-Ecke allerlei Häppchen auf dem Gasgrill zu. Zwischen Flammkuchen vom Pizzastein, Würstchen mit Chilisauce und auf dem Zedernholzbrett gegarten Lachsstückchen mit Anis-Fenchel-Salz fachsimpelt er über die vermeintlichen Unterschiede zwischen Kohle- und Gasgrills und rät zur Beachtung von Angrill- und Kerntemperaturen.

          Währenddessen dreht sich in der angrenzenden Grillschule alles ums Thema Fisch. Die meist männlichen Teilnehmer bereiten Heilbutt mit Limette, Jakobsmuscheln mit Orange und ganze Doraden zu. Die hohe Nachfrage nach den Grillseminaren – 6000 Teilnehmer im Jahr – erklärt sich Casper mit dem Wunsch, „mal was anderes als Nackenkoteletts, Bauchspeck und Würstchen zu grillen“.

          „Grillen entwickelt sich zum Lifestyle- und Prestigethema“

          „Die Deutschen werden immer anspruchsvoller“, sagt Frank Miedaner, der für den amerikanischen Anbieter Weber-Stephen das hiesige Geschäft führt. Schätzungsweise jeder Vierte versuche sich mittlerweile schon mal daran, eine Pizza, einen Burger oder ein hochwertiges Steak auf dem Grill zu garen. Weber-Stephen, hierzulande nach eigenen Angaben Marktführer im Premium-Bereich und bekannt für seine Kugelgrills, setzt stark auf das Grillen mit Gas und das entsprechende Drumherum. Der Umsatz habe hierzulande in den vergangenen Jahren jeweils im zweistelligen Prozentbereich zugelegt, sagt Miedaner. Am schnellsten wachse das Geschäft mit Zubehör. „In fünf Jahren werden wir damit mehr als 40 Prozent unseres Umsatzes machen.“

          So lassen sich in den Grillrost beispielsweise eine Wokpfanne, ein Geflügelhalter, ein Pizzastein, eine Vorrichtung für koreanisches Barbecue oder eine Form zum Backen von kleinen Pfannkuchen einsetzen. Es gibt Gemüse- und Bratenkörbe, Hamburgerpressen, Räucherchips mit Whiskey-Aroma und Digitalthermometer, die die Kerntemperatur des Grillfleischs drahtlos bis zu 75 Meter weit auf eine Station übertragen – mit Hintergrundbeleuchtung des Displays für die Nacht.

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