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Lifestyle : Grillen wird zum Lebensgefühl

„Grillen entwickelt sich zum Lifestyle- und Prestigethema“, stellt Johannes Welsch, Geschäftsführer des Industrieverbands Garten (IVG), fest. Der Garten sei heute das zweite Wohnzimmer, die Ausstattung zunehmend hochwertig – bei Möbeln ebenso wie beim Grillen. „Einen schönen Grill zeigt man lieber her“, sagt Welsch. Seit längerem steigt der Umsatz mit Grills, Grillzubehör und Grillbrennstoffen hierzulande an. Selbst 2013, als der lange Winter dem Gartenmarkt 6 Prozent weniger Umsatz bescherte, gab es laut IVG für das Segment Grillen ein Plus von 2,1 Prozent auf 1,13 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2004 belief sich der Umsatz auf 437 Millionen Euro. Das Marktwachstum ruft auch neue Anbieter auf den Plan.

Vor zwei Jahren brachte der Topfhersteller Rösle aus dem Allgäu erstmals Grillgeräte heraus. Es werde immer mehr draußen gekocht und gegessen, darauf habe Rösle reagieren wollen, sagt eine Sprecherin. Fünf verschiedene Kohle- und Gasgrills offeriert das Familienunternehmen, bezogen werden sie aus Fernost. Auch der Pfannenanbieter Lotus aus Limburgerhof bei Ludwigshafen, seit drei Jahren auf dem Grillmarkt aktiv, bekommt seine Tischgrills von Lieferanten aus Asien. Eines der ganz wenigen Unternehmen, die noch in Deutschland produzieren, ist die Thüros GmbH. Der traditionsreiche Hersteller aus dem thüringischen Georgenthal hat sich den mit Holzkohle befeuerten Kaminzuggeräten verschrieben.

Optimismus in der Branche

Auch wenn der Trend laut IVG-Geschäftsführer Welsch zum Gasgrill geht, wird mit Holzkohlegrills immer noch das Hauptgeschäft gemacht. Vom Umsatz entfallen 59 Prozent auf Holzkohlegrills, 23 Prozent auf Elektrogrills und 18 Prozent auf Gasgrills, wie das Institut für Handelsforschung für 2012 ermittelt hat.

„Eine Bratwurst muss man nicht unbedingt bei indirekter Hitze grillen, das gelingt auch über offenem Feuer“, kommentiert Andreas Krebs den Drang zu immer aufwendigeren Garmethoden. Krebs ist seit dem vergangenen Sommer Vorsitzender der Geschäftsführung des Familienunternehmens Landmann aus Osterholz-Scharmbeck bei Bremen. Sein Angebot reicht von billigen Einweggrills von der Tankstelle bis zum 1000 Euro teuren Gasgrill. Das meiste spiele sich jedoch im Bereich von 80 bis 160 Euro ab, sagt Krebs, der Landmann als deutschen Marktführer im unteren und mittleren Preissegment sieht. Strategie sei es, eine breite Palette anzubieten. „Man sieht heute fast nur noch Grills mit Deckel.“ Dabei könne etwa ein Schwenkgrill atmosphärisch auch mal viel schöner sein.

Bild: F.A.Z.

In China kauft Landmann die meisten seiner Grills ein, vertrieben werden sie vor allem über Bau- und Verbrauchermärkte. Auch die Eigenmarken des Handels beliefert das Unternehmen. Die eigene Marke will Krebs deutlich stärken. Zu lange habe sich Landmann auf Artikel im unteren Preissegment konzentriert. „Erst seit einigen Jahren etablieren wir uns in der mittleren Preislage.“ Eine hochwertige Holzkohle unter dem Namen Landmann, die zuerst in Österreich auf den Markt kommt, soll nun den Anfang machen. Auch mit einer Anwendung für das iPhone, die Rezepte und Tipps zum Grillen bereithält, will Landmann Kunden für sich gewinnen.

Konkurrent Weber, der vor allem nordamerikanische Marken wie Napoleon, Broil King und Char Broil als Konkurrenten sieht, hat die Markenbildung schon weit vorangetrieben. Die „Weber-Grillbibel“ wird bald eine verkaufte Auflage von einer Million Exemplaren erreichen. Zehntausende Gäste pilgern jährlich in die Grillkurse der 16 als „Weber-Grillakademien“ zertifizierten Partner-Kochschulen. Zwischen 99 und 145 Euro zahlen sie, um ein mehrgängiges Menü auf dem Grill zu kochen. Passend zur Fußball-Weltmeisterschaft wirbt Weber in diesem Jahr mit Nationalspieler Thomas Müller. Geschäftsführer Miedaner sieht noch viel Potential für seine Produkte, die vorwiegend in eigenen Werken in den Vereinigten Staaten produziert werden. Immer mehr Deutsche grillten das ganze Jahr über. Für 2014 erwartet Miedaner, der sich zu Umsatzzahlen bedeckt hält, wieder „einen deutlich zweistelligen Zuwachs“.

Optimismus herrscht auch bei Landmann: Möglich sei ein Umsatzplus von 5 bis 10 Prozent, sagt Krebs. Dabei setzt er nicht nur auf positive Impulse durch die Fußball-WM, die – so hofft die gesamte Branche – so manchen Grillfan zu einer Neuanschaffung bewegen könnte. „Viel wichtiger ist das Wetter.“

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