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Treffen in Berlin : Endspiel um die Lufthansa

Carsten Spohr verhandelt über die Zukunft der Lufthansa Bild: dpa

Großaktionär Thiele, Finanzminister Scholz, Wirtschaftsminister Altmaier und Lufthansa-Chef Spohr treffen sich heute in Berlin: Es geht um die Zukunft der größten deutschen Fluglinie.

  • Aktualisiert am
          2 Min.

          Spitzentreffen in Berlin: Über die Zukunft der Lufthansa verhandeln an diesem Montag nach Informationen der F.A.Z. gleich zwei Regierungsmitglieder – Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Außerdem am Tisch sitzen werden der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr sowie der Großaktionär Heinz Hermann Thiele sitzen. Deutschlands größte Fluglinie geriet infolge der Pandemie in Not. Um zu überleben, hatte sich die Konzernführung eigentlich schon mit der Bundesregierung auf ein umfangreiches Hilfspaket verständigt in Milliardenhöhe.

          Unternehmer Thiele wiederum hatte in der vergangenen Woche noch einmal Bewegung in die Sache gebracht, als er seinen Anteil von 10 auf 15 Prozent erhöhte und in einem Gespräch mit der F.A.Z. die Forderung erhob, das mit dem Bund schon vereinbarte Paket noch einmal aufzuschnüren. Thiele äußerte die Sorge, dass der Bund mit dem geplanten Einstieg mit 20 Prozent an der Lufthansa die notwendige Sanierung der Airline verhindern könne, wenn etwa von Arbeitnehmerseite der Druck auf die Politik erhöht werde.

          Die Lufthansa-Führung hatte ihrerseits erklärt, dass ungefähr 22.000 der 138.000 Arbeitsplätze im gesamten Konzern zur Disposition gestellt werden müssten. Gleichzeitig hatte Thiele im Gespräch mit der F.A.Z. betont, die Zukunft der Lufthansa „nicht blockieren oder ausbremsen“ zu wollen. Es gehe ihm mit der Investition nicht um Dividenden, sondern um den Erhalt des Unternehmens.

          „Schicksalswoche für unsere Lufthansa“

          Gleichwohl können Thieles Forderungen durchaus auch als Drohung verstanden werden. Denn der 79 Jahre alte Unternehmer, der zu den reichsten Deutschen gehört, ist der mit Abstand größte Einzelaktionär und verfügt damit über die meisten Stimmrechte auf der Hauptversammlung, die für den Donnerstag dieser Woche anberaumt ist.

          Sind dort weniger als die Hälfte der Stimmberechtigten vertreten, braucht das Hilfspaket eine Zweidrittelmehrheit. Dann würden Mehrheiten gegen Thiele nur sehr schwer zu organisieren sein, zumal dem Vernehmen nach auch andere institutionelle Anleger sein kritisches Hinterfragen der Konditionen eines Staatseinstiegs begrüßen. Deshalb werben Lufthansa-Management und Gewerkschaften schon seit Tagen unter Kleinaktionären dafür, dass diese ihr Stimmrecht wahrnehmen beziehungsweise übertragen. Denn sollte das 50-Prozent-Quorum überschritten werden, genügt eine einfache Mehrheit zur Annahme.

          „Seit heute Nacht wissen wir, dass unsere Aktionäre weniger als 38 Prozent des Kapitals für diese Hauptversammlung angemeldet haben“, teilte Vorstandschef Spohr am Sonntag in einem Brief an seine Beschäftigten mit, der der F.A.Z. vorliegt: „Wir alle stehen am heutigen Sonntag vor einer Schicksalswoche für unsere Lufthansa.“

          LUFTHANSA

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          Offiziell hatte die Lufthansa schon nach Thieles Ankündigungen auf die Gefahren hingewiesen, wenn die Hilfen des Bundes ins Wanken geraten sollten. Dann müsste das Unternehmen „möglicherweise zeitnah zur Hauptversammlung ein insolvenzrechtliches Schutzschirmverfahren beantragen“, hieß es. Spohr bekräftigte die Dramatik nun noch einmal. Man habe umfangreiche Vorkehrungen getroffen, um ein Grounding – einen direkten Stopp des Flugbetriebes – im Falle eines Scheiterns zu verhindern.

          Allerdings hatte Spohr in den Verhandlungen mit dem Bund stets betont, dass er den Einfluss der Politik auf das operative Geschäft möglichst gering halten wolle. Insofern könnte ihm der Vorstoß seines Großaktionärs auch recht kommen, obwohl Thiele Spohrs Verhandlungsführung deutlich kritisiert hatte. Außerdem hat sich die Lufthansa zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen: Um den Mitarbeitern und ihren Familien alle Unsicherheiten zu ersparen, zieht sie die Zahlung der Juni-Gehälter auf den heutigen Montag vor – ein bislang einmaliger Vorgang. Damit wolle man einen „ungestörten Gehaltszahlungsverlauf gewährleisten“.

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