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Traumschiff : Kreuzfahrt in die Insolvenz

Die „Deutschland“, hier im Hamburger Hafen, ist aus dem Fernsehen bekannt. Bild: dpa

Ein Traumschiff ist kein Garant für Traumgeschäfte. Der Eigner der „Deutschland“ hat Insolvenzantrag gestellt. Während die Quoten der TV-Serie stimmen, mangelt es dem Kreuzfahrtschiff an Passagieren. Ist es noch zu retten? 

          Manche leiden länger. Und die Leidensgeschichte das Kreuzfahrers „Deutschland“, der wegen seiner zentralen Rolle in der ZDF-Fernsehreihe als „Traumschiff“ gilt, wird nun um eine Episode länger. Die MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft hat am Mittwoch beim Amtsgericht Eutin Insolvenzantrag gestellt. Unumwunden gibt das Unternehmen zu, dass alle bisherigen Versuche nicht die erhoffte Rettung des Schiffs gebracht haben. „Die seit 2013 eingeleiteten Maßnahmen haben bereits Früchte getragen, aber noch nicht zum notwendigen Erfolg geführt“, sagte Geschäftsführer Wolfram Günther. Ihn setzt der Mehrheitseigner, der Finanzinvestor Callista nun für eine Sanierung in Eigenverwaltung mit auf die Kommandobrücke.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es ist lange her, dass das Luxusschiff in ruhigem Fahrwasser schwamm. Nach dem Tod des Gründungseigners Peter Deilmann war die Reederei schon einmal 2009 in die Insolvenz gefahren. Der Finanzinvestor Aurelius als neuer Eigentümer brachte das Urlaubsschiff nicht wieder auf Traumkurs und reichte die Gesellschaft an den Investor Callista weiter. Der informierte bereits im Sommer, dass die Ziele für 2014 wohl verfehlt werden. Als Hauptgrund galt, dass neben Stammkunden nicht genügend Neukunden für eine Kreuzfahrt auf dem Schiff begeistert werden konnten.

          Während das 16 Jahre alte Schiff im Fernsehen noch ein Garant für hohe Zuschauerzahlen ist, mangelte es auch in der Vergangenheit an Passagieren. Im Jahr 2013 war die Deutschland zu 67 Prozent ausgelastet, angestrebt waren 78 Prozent. Am Ende des vergangenen Jahres war bei einem Umsatz von 44,5 Millionen Euro ein Verlust von 4,8 Millionen Euro aufgelaufen.

          Immerhin sollen die Buchungszahlen für 2015 besser sein. Im Juli hatte die Reederei eine Kooperation mit dem Touristiker FTI geschlossen, dem das Kreuzfahrtschiff „Berlin“ - der Vorgänger der „Deutschland“ in der Traumschiff-Fernsehreihe - gehört. Gleichwohl stehen für eine Sanierung der Gesellschaft Zugeständnisse der Gläubiger einer 50-Millionen-Euro-Anleihe aus. Sie sollen am 12. November einwilligen, dass die Zahlung von 6,875 Prozent Zinsen bis zur Jahresmitte 2015 gestundet wird. Ansonsten wäre die Zahlung am 18. Dezember fällig. Eine erste Versammlung Anfang Oktober war nicht beschlussfähig, weil zu wenige Gläubiger kamen.

          Im November soll die Deutschland außerdem einen Werftaufenthalt einlegen. Das 1998 gebaute Schiff, dem die heutzutage bei Urlaubern beliebten Balkone für Außenkabinen fehlen, soll zumindest französische Balkone bekommen. „Eine meiner ersten großen Aufgaben wird sein, die Finanzierung für die Werft zu sichern, damit unser Schiff noch in diesem Jahr auf Weltreise gehen kann“, sagte Sanierungsgeschäftsführer Günther.

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