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Geschäfte des Fußballbunds : Im Schattenreich des DFB

Transparent? Das sind beim DFB nur die Fensterscheiben. Bild: AP

Die deutsche Fußballorganisation gerät unter Beschuss – nicht nur wegen des WM-Skandals. Die Finanzen des Verbandes bleiben im Dunkeln. Zudem profitiert der Monopolist von Steuerfreiheit.

          Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist abgetaucht. Seit Tagen wurde Wolfgang Niersbach nicht mehr in der Öffentlichkeit gesichtet, nachdem Steuerfahnder Anfang der Woche die Verbandszentrale im Frankfurter Stadtwald, aber auch bei ihm zu Hause und dazu bei anderen ehemaligen Funktionären Räume durchsucht hatten. Einzig informierte am Freitagmorgen die DFB-Kommunikationsabteilung in einer dünnen Pressemeldung, dass sich Niersbach tags zuvor der Befragung durch externe Prüfer der vom Verband beauftragten Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer gestellt habe. Während vor allem auf staatlicher Seite jetzt mit ganz anderer Wucht wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt wird, ist weiterhin ungewiss, wie es bei der größten und wichtigsten Sportorganisation des Landes weitergehen soll. Den DFB, Treiber des Geschäfts mit dem Ball, umgibt derzeit eine Mauer des Schweigens.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bislang hat für die Öffentlichkeit von Seiten des Verbandes keine überzeugende Aufklärungsarbeit stattgefunden. Es geht ja darum, wie die Abläufe wirklich zu bewerten sind um eine ominöse Zahlung im Zuge der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Jahrelang wurde ein dubioser Geldkreislauf über 6,7 Millionen Euro unter der Decke gehalten. Auch Franz Beckenbauer, der als früherer Präsident des WM-Organisationskomitees diesen Mitteltransfer offensichtlich zu verantworten hat, spricht nicht. Dies ist wenig verwunderlich. Es gehört zum System des DFB-Apparates, der sich nach außen gerne als offene Fußballinteressenvertretung für alle gibt, aber kaum Einblicke in sein Innenleben gewährt. Gerade hinsichtlich ihres Finanzgebarens schottet sich die Organisation ab wie eine Loge.

          Der Öffentlichkeit nicht rechenschaftspflichtig

          Nicht mal die 7 Millionen Mitglieder des größten Einzelsportverbandes der Welt wissen, was in diesem Schattenreich des großen Geldes genau gespielt wird. Der DFB besitzt Immobilien, Grundstücke und sogar Parkhäuser, verdient zig Millionen mit seiner Nationalmannschaft, den Sponsoren, lukrativen Lizenzrechten, Fernsehverträgen und der Verpachtung der Bundesliga-Rechte an die Ligavereinigung mit den Klubs. Als gemeinnütziger Verein ist die Organisation jedoch der Öffentlichkeit gegenüber nicht rechenschaftspflichtig, muss keine Jahresabschlüsse publizieren oder über Einnahmen und Ausgaben informieren. Geprüft wird einmal im Jahr vom Finanzamt. Jedes mittelständische Unternehmen muss seine Finanzen im „Bundesanzeiger“ offenlegen. Wer beim DFB nach aktuellen Geschäftszahlen fragt, wird auf den nächsten Verbandstag verwiesen. Der findet alle drei Jahre statt. Dagegen veröffentlicht sogar der krisengeschüttelte Internationale Fußball-Verband seine Bilanz regelmäßig im Internet.

          Viele Fachleute, die sich mit großen Non-Profit-Organisationen und gemeinnützigen Vereinen beschäftigen, kritisieren diese Praxis des Wirtschaftens im Dunkeln. „Wenn der Staat in erheblichem Umfang steuerliche Privilegien vergibt, dann müssen diejenigen, die davon profitieren, mehr Transparenz zeigen. Es ist im allgemeinen Interesse, zu wissen, in welchem Umfang solche Vorteile von Vereinen beansprucht werden“, sagt der Volkswirtschaftsprofessor Thiess Büttner von der Universität Erlangen-Nürnberg. Er ist Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesfinanzministerium.

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