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Traditionsmarke Konica-Minolta : Der schleichende Tod der analogen Fotografie

Fotografie ist die verlustreichste Sparte des Konzerns Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Jetzt steigt auch die Traditionsmarke Konica-Minolta aus dem Kamerageschäft aus: Der Siegeszug der digitalen Fotografie ist nicht aufzuhalten. Wer nicht rechtzeitig auf diesen Zug aufgesprungen ist, gehört heute zu den Verlierern.

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          Der Siegeszug der digitalen Fotografie ist nicht aufzuhalten. Wer nicht rechtzeitig auf diesen Zug aufgesprungen ist, gehört heute zu den Verlierern. Selbst große Unternehmen bleiben nicht verschont. Jetzt steigt die Traditionsmarke Konica-Minolta aus dem Kamerageschäft aus. Das Fotogeschäft des Unternehmens hat eine mehr als hundertjährige Tradition, doch zum 31. März ist Schluß.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Erst vor wenigen Tagen hatte Nikon bekanntgegeben, die Produktion von Analogkameras und den zugehörigen Objektiven fast völlig und sofort zu stoppen. Verkauft wird nur noch, was am Lager ist. Und nur mit knapper Not ist auch der deutsche Traditionshersteller Leica noch einmal davongekommen. Auch in Solms hatte man die Schwungkraft unterschätzt, die von der digitalen Konkurrenz ausgeht. Eine Insolvenz von Leica Camera konnte nur durch deutliche Zugeständnisse und frisches Geld der Anteilseigner vermieden werden.

          Obwohl die digitale Fotografie den Massenmarkt erst seit wenigen Jahren erreicht hat, krempelt sie die gesamte Branche völlig um. International werden dieses Jahr bis zu 96 Millionen Digitalkameras über den Ladentisch gehen, rund 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Auf Deutschland sollen davon rund 8 Millionen Stück entfallen, eine Million mehr als im Vorjahr. Demgegenüber stirbt die analoge Fotografie einen schleichenden Tod. Die Nische wird immer kleiner: Im Jahr 2004 - neuere Vergleichszahlen liegen noch nicht vor - hatten die analogen Kameras in Deutschland gerade noch einen Marktanteil von 17 Prozent. Tendenz weiter fallend.

          Nur mit knapper Not ist der deutsche Traditionshersteller Leica noch einmal davongekommen

          3700 Arbeitsplätze fallen weg

          Der Schritt von Konica-Minolta bleibt nicht ohne Konsequenzen. Die Führungsspitze wird sofort ausgewechselt, und in den nächsten zwei Jahren werden 3700 Arbeitsplätze gestrichen. Der Bereich Fotografie ist zwar der älteste der fünf Geschäftssparten des Konzerns, doch mittlerweile auch der verlustreichste. Aufgrund des verschärften Wettbewerbs auf den weltweiten Märkten besteht nach Einschätzung des Vorstandes keine Möglichkeit, die Sparte in die Gewinnzone zurückzuführen. In Europa hatte der Konzern nach Angaben der Marktforscher von IDC im dritten Quartal des vergangenen Jahres einen Anteil am Markt für Digitalkameras von 5,5 Prozent. Marktführer Canon kommt immerhin auf 16,4 Prozent.

          Teile des erfolgreichen Geschäfts mit Spiegelreflexkameras wird Konica-Minolta an Sony abtreten. Der Verkaufspreis wurde nicht genannt. Beide Unternehmen entwickelten bereits gemeinsam hochwertige digitale Spiegelreflexkameras. Den Rest der klassischen Kameraproduktion wird Konica-Minolta unverzüglich stoppen. Bis zum Jahr 2007 wird auch der Bereich Fotozubehör abgewickelt. Das Management rechnet für dieses Geschäftsjahr bei Erlösen von umgerechnet knapp acht Milliarden Euro mit einem konsolidierten Konzernfehlbetrag von 350 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr hatte hier noch ein Überschuß von 55 Millionen Euro gestanden.

          Ein erstes prominentes Opfer

          Mit Konica-Minolta haben die stetigen Preissenkungsrunden der großen Hersteller ein erstes prominentes Opfer gefunden. Marktführende japanische Unternehmen wie Canon, Nikon, Fuji und Sony bündeln seit Monaten ihre Kräfte. Kleinere Hersteller wie Pentax oder Olympus suchen Kooperationen mit Konzernen wie Samsung oder Matsushita. Unbenommen der technischen Weiterentwicklungen sind die Preise für digitale Spiegelreflexkameras in den zurückliegenden Monaten um 30 Prozent gefallen. Die Käufer bekommen immer leistungsfähigere Geräte für immer weniger Geld.

          Dieser Preisverfall blieb nicht ohne Folgen: Die Kamerasparte von Konica-Minolta, die mit 1,4 Milliarden Euro knapp ein Sechstel der konzernweiten Jahreserlöse einfährt, machte in den ersten sechs Monaten dieses Geschäftsjahres einen operativen Verlust von 5,1 Millionen Euro. Das war zwar deutlich weniger als im Jahr zuvor. Doch es reichte nicht. Die Früchte der im August 2003 von den einstigen Konkurrenten Konica und Minolta durchgezogenen Fusion hingen für diese Sparte zu hoch. Das Fotogeschäft sollte für 250 Millionen Euro bis März 2009 saniert sein. Das Geld kann man sich nun sparen. Tradition ist zwar gut für den Namen, doch nicht immer gut fürs Geschäft, heißt es in Tokio. Konica hatte 1940 als erstes Unternehmen Farbfilme auf den japanischen Markt eingeführt. Minolta war der erste Hersteller von Spiegelreflexkameras in Fernost.

          Der Abschied von der fast hundert Jahre alten Kameratradition geht mit einem Wechsel an der Spitze des Unternehmens einher. An die Stelle des bisherigen Präsidenten und CEO Fumio Iwai tritt im April Yoshikatsu Ota. Iwai wird den Chefsessel des Aufsichtsrates übernehmen. Der bisherige Chairman, Tomiji Uematsu, tritt zurück. Jeder der Herren gilt privat als großer Fotofan - mit ledernem Objektivköcher und Silberfilm. Diese Fangemeinde der analogen Fotografie wird aber immer kleiner und reicht nicht mehr aus, um das Geschäft für die kleinen Mitspieler ertragreich zu halten.

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