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Ära in der Autoindustrie : Toyota plant für den Abschied vom Hybrid-Antrieb

Ein Prius des japanischen Herstellers Toyota Bild: AP

Klingt wie Aufbruch, ist aber der erste Schritt zum Abschied: Toyota will offenbar wichtige Patente rund um den Hybrid-Antrieb freigeben. Der japanische Autobauer Toyota will sich damit Zeit erkaufen.

          Es klingt wie ein Aufbruch, doch es ist der erste Schritt hin zum Abschied von einer Ära. Der größte japanische Autobauer Toyota Motor plant, wichtige Patente rund um seine Technik des Hybrid-Antriebs kostenlos zur Nutzung freizugeben. Das berichtet die für gewöhnlich gut informierte japanische Wirtschaftszeitung Nikkei. Toyota Motor erklärte auf Anfrage, der Bericht beruhe nicht auf einer Ankündigung des Unternehmens. Das kann man als informelle Bestätigung lesen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Mit dem 1997 eingeführten Prius ist Toyota Pionier und Klassenbester der Hybrid-Technik, mit der Autos sowohl einen Verbrennungs- als auch einen Elektromotor an Bord haben und je nach Bedarf nutzen. Toyota hat seither mehr als 13 Millionen hybridgetriebene Fahrzeuge verkauft und ist Marktführer in dieser Technik. Doch trotz Toyotas Liebe zum Hybrid läuft die Zeit für diese Technik aus. Konkurrenten wie Volkswagen oder die Renault-Nissan-Allianz setzen auch unter dem Druck der Politik auf rein elektrogetriebene Fahrzeuge. Länder wie Frankreich, das Vereinigte Königreich oder Spanien planen ein Verbot von Verbrennungsmotoren bis zum Jahr 2040. Auf mittlere Sicht bedeutet das auch den Abschied vom Hybrid-Antrieb.

          Elektroauto für chinesischen Markt geplant

          Toyotas Problem ist, dass es in der Entwicklung reiner elektrogetriebener Fahrzeuge der Konkurrenz hinterherfährt. Der Autobauer hat schon in den achtziger Jahren mit der Forschung für Elektroantriebe begonnen und mit der Hybrid-Technik viel Erfahrung in der Elektrifizierung von Antrieben gewonnen. 2012 präsentierte Toyota in kleiner Auflage eine elektrische Version des Kleinwagens iQ, die es aber nicht zur Massenfertigung schaffte. Das nächste reine Elektroauto will Toyota erst 2020 in China an den Markt bringen.

          Die Freigabe der Patente für Hybrid-Antriebe ist so eine Flucht nach vorne. Falls andere Autobauer die Möglichkeiten nutzen und das Angebot an hybridgetriebenen Fahrzeugen sich so verbreitert, könnte Toyota vom Verkauf notwendiger Komponenten und von Preissenkungen bei Bauteilen profitieren. Das bietet die Chance, die Lebensdauer der Hybrid-Technik zu verlängern. Toyota kaufte so Zeit für den Umstieg auf reine Elektrotechnik – oder für die Vertiefung der Brennstoffzellentechnik, die der Autobauer mit dem wasserstoffgetriebenen Modell Mirai parallel vorantreibt.

          Die Strategie, die Hybrid-Technik durch größere Verbreitung billiger zu machen, könnte aufgehen. Die Preisdifferenz zwischen hybridgetriebenen Autos und den Benziner-Varianten hat Toyota seit 1997 zwar deutlich geschrumpft. Sie ist aber immer noch spürbar. In Deutschland kostet der Toyota Corolla in der billigsten Hybrid-Variante 30 Prozent mehr als der billigste Corolla-Benziner. In einer vergleichbaren Ausstattung beträgt der Preisunterschied immer noch 15 Prozent.

          Eine Freigabe der Patentnutzung zur Verbreitung neuer Technik ist für Toyota nichts Neues. 2015 hatte das Unternehmen die Nutzung von 5680 Patenten rund um die Brennstoffzellentechnik bis 2020 von Gebühren freigestellt, um den Markt für Wasserstoffautos zu weiten. Kommerziell in etwas größeren Serien bieten bisher aber nur Toyota und das koreanische Unternehmen Hyundai Motor diese Technik an.

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