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Tourismus : Mit dem Topf zurück nach China

Reiseziel für Chinesen: Haushaltswarenladen in Frankfurt Bild: Wohlfahrt, Rainer

In Deutschland wächst die Zahl der chinesischen Besucher zweistellig. Die Touristen aus Fernost geben beim Einkaufen ordentlich Geld aus: für Fissler-Töpfe, Bio-Kosmetika und Markenmode.

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          Chinatown ist in Frankfurt fast überall. Während sich die Exilchinesen der Stadt vorzugsweise in den Supermärkten oder Restaurants zwischen Banken- und Bahnhofsviertel tummeln, sind die Durchreisenden eher in den Einkaufszonen zu finden. Und dort steht einheimisches Personal bereit, um die kaufkräftigen Touristen für Fissler-Töpfe, Bio-Kosmetika oder Markenmode aus deutscher Produktion zu begeistern.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Händler und Dienstleister in Deutschland profitieren vom Zustrom asiatischer Touristen, der in den kommenden Jahren noch stärker zulegen wird. Und davon dürfte wiederum die Rhein-Main-Region besonders profitieren. Denn keine andere deutsche Stadt steuern Besucher aus China so häufig an wie Frankfurt. Bis 2030 wird sich die Zahl der Auslandsreisen von Urlaubern und Geschäftsleuten aus China von bislang 500 Millionen auf rund 1,7 Milliarden erhöhen, heißt es in einer aktuellen Studie der Boston Consulting Group (BCG).

          Dabei taxieren die BCG-Berater das globale Geschäftsvolumen für die Reiseindustrie und den Einzelhandel auf 1.800 Milliarden Dollar. Unter den europäischen Einkaufsmetropolen in Europa rangieren zwar Paris und London als erste Adressen der chinesischen Urlauber. Doch auch in Deutschland wird die Aufbruchstimmung in Fernost die Geschäfte von Hotellerie, Einzelhandel und der nationalen Tourismusveranstalter beflügeln: „Der Touristenstrom aus China ist nachhaltig und das Budget der Urlauber im Vergleich zu dem von Inlandsreisenden zwei- bis dreimal so hoch“, sagt Kerstin Lehmann, Handelsexpertin der internationalen Strategieberatung OC&C.

          Die einträgliche Kombination von Shoppen und Urlaubmachen

          Den starken Zustrom ausländischer Touristen nach Deutschland kann die heimische Tourismusbehörde bestätigen: „Trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen in Europa und in der Welt präsentiert sich unser Reiseland in Bestform“, sagt Petra Hedorfer, Chefin der Deutschen Zentrale für Tourismus. So erhöhte sich im vergangenen Jahr die Zahl der Übernachtungen aus dem Ausland um 4 Prozent auf 71,6 Millionen gegenüber dem Vorjahr. Bis 2020 sollen sich solche Zwischenstopps auf 80 Millionen erhöhen, ist Hedorfer optimistisch.

          Die Gesamtausgaben der ausländischen Urlauber für Verpflegung, Unterkunft und Einkäufe in Deutschland gipfeln bei rund 39,3 Milliarden Euro im Jahr. Während Touristen aus den europäischen Nachbarländern insgesamt 24 Milliarden Euro in Deutschland ausgeben, entfallen die restlichen 15,3 Milliarden Euro auf Gäste aus Überseeregionen. Dabei nehmen wiederum Urlauber aus dem Reich der Mitte – hinter Touristen aus Nordamerika – den zweiten Platz ein.

          Hoteliers und Einzelhändler setzen auf die einträgliche Kombination von Shoppen und Urlaubmachen. Wenn die immer kaufkräftiger werdende Mittelschicht aus der Volksrepublik weiter wächst, wird sich die Reisetätigkeit ins Ausland verstärken, sagen Kenner der Branche voraus. Schon 2012 erreichten die Reiseausgaben in China mit 102 Milliarden Dollar einen Rekordstand. Im vergangenen Jahr habe dieser Posten abermals um 28 Prozent zugelegt, listet die Welttourismusorganisation UNWTO in ihrem Jahresbericht auf.

          Dass Frankfurt für Besucher aus Fernost die erste Anlaufstelle in Deutschland ist, hat mit dem Flughafen zu tun. Auf dem größten Drehkreuz in Deutschland landen die wichtigsten Fluggesellschaften Chinas, die vor allem Geschäftsreisende und Touristen aus Peking und Schanghai befördern. Da für die Urlauber eine typische Europa-Reise mit acht Tagen relativ knapp bemessen ist, setzen viele ihre Reiseroute von Frankfurt aus in andere deutsche Metropolen oder Richtung Westeuropa fort.

          In der Heimat ist oft nur gefälschte Markenware erhältlich

          Gemessen an der Gesamtzahl der 180.000 Hotelübernachtungen von Chinesen in Deutschland, liegt Frankfurt gegenüber Berlin und München vorn. Waren es vor Jahren noch überwiegend geschäftliche Gründe, warum Chinesen hierher kamen, nennen sie jetzt Shoppen und Rundtouren als wichtigste Motive. Immerhin fließen rund 40 Prozent des gesamten Reisebudgets in den Einkauf in Warenhäusern, Modeshops oder Fabrikläden internationaler Markenartikler. Dabei wird die Vorliebe für Produkte „made in Germany“ mit dem Umstand erklärt, dass in der Heimat oft nur gefälschte Markenware erhältlich ist.

          Hinzu kommt, dass in Duty-free-Läden oder durch den Bezug in steuerfreien Vertriebskanälen die heißbegehrten Produkte erschwinglich sind. Die durchschnittlichen Ausgaben pro Deutschland-Reise erreichen bei chinesischen Besuchern fast 3.000 Euro. Allerdings liegen die Budgets von Urlaubern aus den Golfstaaten (4.100 Euro) oder Japan (3.418 Euro) noch über diesen Werten.

          Auf den Bedarf der chinesischen Kunden richten sich lokale Reiseveranstalter und Hotelbetreiber immer mehr ein. Beispielsweise stellt in Frankfurt der Veranstalter Eastsong chinesische Reiseführer für Gruppenfahrten zur Verfügung. Auch chinesische Hotelkonzerne wittern im deutschen Reisemarkt ein lukratives Geschäft.

          Vor wenigen Monaten kaufte der zweitgrößte, privat geführte Hotelbetreiber aus dem Reich der Mitte das „Golden Tulip“ in Offenbach. Für 20 Millionen Euro soll die Bettenburg in eine Nobelherberge mit 224 Zimmern verwandelt werden. Dort sollen sich Besucher aus China, die in Frankfurt landen, möglichst wie zu Hause fühlen.

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