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Tourismus : Der Last-Minute-Kampf der Ferienflieger ist vorbei

Auf dem Weg in den Urlaub: Fluggäste in Frankfurt Bild: dpa

Die insolventen XL Airways und Sky Airlines sind die ersten Opfer im Preiskampf der Ferienflieger. Urlauber müssen sich darauf einstellen, dass vor allem kurzfristige Buchungen teurer werden - zumindest vorerst.

          Die Reise nach Antalya endete, bevor sie überhaupt begonnen hatte - im Terminal von Kassel-Calden. Das Flugzeug, das die Urlauber von Deutschlands jüngstem Flughafen in die Türkei bringen sollte, kam nicht. Ähnlich erging es Urlaubern, die in Frankfurt und Nürnberg auf den Abflug warteten. In der vergangenen Woche stellte Sky Airlines den Betrieb ein, der ebenfalls zur türkischen Kayi-Gruppe gehörende Reiseveranstalter GTI erklärte seine Zahlungsunfähigkeit. Mittlerweile liegt auch ein gültiger Insolvenzantrag vor.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Niedergang von Sky Airlines und GTI ist eine weitere Episode im Preiskrieg auf dem Reisemarkt - genauer gesagt im Wettrennen darum, mit wessen Flugzeugen die Feriengäste ihrem Reiseziel entgegen schweben. Überkapazitäten gehören seit langem zum Ferienflugmarkt wie der blaue Himmel zum Sommerurlaub. Doch in den vergangenen Jahren sind die Kapazitäten aus dem Ruder gelaufen. Es düsten viel mehr Flugzeuge zwischen Mitteleuropa und Mittelmeer hin und her, als für Urlauber benötigt werden.

          Mit Flügen zu beliebten Badeorten von den Kanarischen Inseln über Mallorca bis nach Antalya ließ sich fast nichts mehr verdienen. Schon vor einem Jahr warnten Reisemanager: Wenn nicht bald Vernunft einkehre, gehe einigen Fluggesellschaften die Luft aus. Dazu ist es nun gekommen - und Sky Airlines ist nicht mal der erste Anbieter, der am Boden bleibt. Schon im Frühjahr musste sich XL Airways in Deutschland in die Insolvenz verabschieden. Im Sommer 2013 sind nun deutlich weniger Flugsitze frei.

          Die Preisschlacht ließ sich nicht unendlich fortsetzen

          Vor allem kurzfristige Buchungen werden teurer. „Die herausragenden Schnäppchenpreise für Last-Minute-Bucher gibt es nicht mehr. Besser ist es, Frühbucherrabatte mitzunehmen“, sagt eine Sprecherin des Marktführers TUI. Gerald Kassner, Geschäftsführer und Eigentümer des Duisburger Konkurrenten Schauinsland-Reisen formuliert seinen Rat dringlicher: „Ich empfehle, nicht bis zur letzten Minute zu pokern. Wir hatten 2013 eine sehr gute Frühbuchersaison.“

          Die Preisschlacht im Ferienflug ließ sich nicht unendlich fortsetzen. Reisende konnten sich auf günstige Ferien freuen - die Anreise kostete zuweilen weniger als eine Fahrt in ein deutsches Mittelgebirge. Die Reiseveranstalter sparten mit Zusagen, wie viele Sitzplätze sie garantiert für ihre Kunden abnehmen, schließlich ließen sich Zusatzkontingente leicht nachordern. Die Fluggesellschaften konnten dem wenig entgegensetzen. Die Kayi-Gruppe mit GTI und Sky Airlines hat sich in diesem Umfeld mit ihrer Expansion vom Dienstleister in türkischen Urlaubsregionen zum Vollanbieter mit eigener Fluggesellschaft gewaltig verhoben.

          „Das Nadelöhr ist in diesem Jahr der Flug“

          Auch der Marktführer unter den Ferienfluganbietern hierzulande, Air Berlin, musste die Reißleine ziehen. Dem Sparprogramm „Turbine“ fielen zahlreiche Direktflüge zu Badestränden zum Opfer, im Urlauberverkehr setzt Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft nur noch etwa 40 ihrer mehr als 140 Flugzeuge ein. TUI Fly hat zwei Flugzeuge nach Basel umgelenkt, um Schweizer in den Urlaub zu bringen. Und die Gesellschaft Germania hat Flugzeuge nach Großbritannien dirigiert und Werksverkehre für Konzerne ausgebaut, um der deutschen Ferienflugschlacht ein Stück weit zu entkommen.

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