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Extremsport Tough Mudder : Nur für echte Dreckskerle

  • -Aktualisiert am

Der Bodenkontakt ist bei Tough Mudder erwünscht und einkalkuliert. Bild: AP

Tough Mudder ist ein Hindernislauf für die ganz Harten. Tausende Menschen quälen sich freiwillig durch Matsch und Pfützen. Was macht den Reiz daran aus?

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          In Becken gefüllt mit Eiswasser eintauchen, über brennende Heuballen springen und dann 10.000- Volt-Stromschläge ertragen: Was nach der Folterkammer eines Geheimdienstes klingt, ist in Wirklichkeit ein Hindernislauf, an dem jeder teilnehmen kann.

          Das amerikanische Unternehmen Tough Mudder ist Marktführer und richtet seit 2010 diese Spektakel aus: Auf Strecken zwischen zehn und 20 Kilometern warten rund 25 Hindernisse, die man eigentlich auf dem Trainingsgelände einer militärischen Spezialeinheit erwarten würde. Die Teilnehmer müssen aus großer Höhe in Eisbecken springen, mehrere Lkw-Reifen 200 Meter weit ziehen und durch Matsch robben, während sich Zentimeter über ihren Köpfen Stacheldraht spannt oder Stromkabel hängen.

          Was sich verrückt anhört, hat sich in kurzer Zeit zu einem Trendsport entwickelt. Tausende kommen freiwillig und zahlen bis zu 150 Euro für die Teilnahme. Neben Tough Mudder buhlen in Deutschland viele andere Veranstalter mit Events wie „Strongman-Run“, „Braveheart Battle“ oder „Krassfit Challenge“ um das Geld tapferer Männer mit dem Hang zur Selbstgeißelung.

          Igitt! Die Teilnehmer quälen sich durch den Schlamm, müssen aber auch noch andere Aufgaben bewältigen. Bilderstrecke
          Igitt! Die Teilnehmer quälen sich durch den Schlamm, müssen aber auch noch andere Aufgaben bewältigen. :

          Als Ursprung des Extremsports gilt Wolverhampton in England, wo seit 1987 der Tough Guy ausgetragen wird. Die Strecke wurde nach dem Vorbild der Trainingscamps für Elitetruppen gebaut und gilt als härteste ihrer Art. Doch erst in den letzten Jahren nahm die Sache so richtig Fahrt auf. Als die beiden Gründer von Tough Mudder, Will Dean und Guy Livingston, das Konzept 2009 bei einem Wettbewerb der Harvard Business School vorstellten, war im Halbfinale Schluss. Denn als sie erklärten, dass sie rund 4.000 Teilnehmer für ihre Veranstaltung brauchten, winkte die Jury ab - zu unrealistisch. Sie ließen sich trotzdem nicht von ihrem Plan abbringen und richteten im folgenden Jahr das erste Rennen aus.

          Heute boomt die Branche. Tough Mudder knackte bereits im vierten Jahr des Bestehens die 100- Millionen-Euro-Umsatzmarke. Mehr als 1,5 Millionen Menschen nahmen seit 2010 bereits an den Läufen teil, knapp die Hälfte davon rannte voriges Jahr. Durch die sozialen Netzwerke hat das Phänomen auch Deutschland schnell erreicht. Allein in der Bundesrepublik rechnet Tough Mudder in diesem Jahr mit 35.000 Teilnehmern in fünf verschiedenen Rennen - das nächste am kommenden Samstag in Ortenberg in Hessen.

          Bald folgt ein eigenes Format für Frauen

          Dabei ist Rennen wohl nicht der richtige Ausdruck für die Veranstaltungen. Es gibt keine Sieger, denn es ist Herausforderung genug, die Strecke überhaupt zu bewältigen. Auf die Arbeit im Team wird großer Wert gelegt, über 90 Prozent der Teilnehmer melden sich in einer Gruppe an. Verständlich, allein sind einige Hürden auch kaum zu bewältigen. Ohne den Konkurrenzdruck entsteht Teamgeist und trotz der Quälerei auch Spaß.

          Das Verletzungsrisiko blenden die Teilnehmer aus. Schürfwunden und Prellungen sind an der Tagesordnung, Muskelzerrungen und ausgerenkte Gelenke sind auch keine Seltenheit. Viele überstehen die Strecke nicht unbeschadet, aber das gehört zum Reiz dazu. Die Teilnehmer wollen ihre Grenzen austesten, Wunden und Narben sind die Trophäen des Ausbruchs aus der Komfortzone.

          Das Teilnehmerfeld derjenigen, die sich auf dem Parcours quälen lassen, ist bunt gemischt: Vom Sportstudenten bis zum Investmentbanker ist alles vertreten. Vielen sind Marathon oder Triathlon zu langweilig geworden und sie sind auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Größtenteils sind es Männer zwischen 25 und 35, nur ein Fünftel der Teilnehmer sind weiblich. Für die gibt es bald ein eigenes Format. „Mudderella“ heißt das Rennen, bei dem es weniger auf Kraft im Oberkörper ankommt und mit Hürden wie „breaking the glass ceiling“ oder „50 shades of mud“ mehr weibliche Teilnehmer auf die Strecke locken soll. Das scheint anzukommen: Innerhalb von zwei Veranstaltungen in Amerika verachtfachte sich die Teilnehmerzahl auf 16.000.

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