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Torlinientechnik aus Würselen : Tor ist, wenn die Kamera ein Signal gibt

„Da haben wir in die Hände gespuckt“

Die Idee zur elektronischen Torüberwachung kam dem Fußballfan Broichhausen vor drei Jahren, nachdem er sich während eines Zweitligaspiels über eine Entscheidung des Schiedsrichters geärgert hatte. Dieser hatte einen Treffer nicht anerkannt - zu Unrecht, wie die Zeitlupe beweis. Am nächsten Morgen ging Broichhausen zum Cheftechniker der Pixargus GmbH, für die er seit sechs Jahren als Marketingleiter tätig ist. Das 1999 gegründete Unternehmen bietet industrielle Bildverarbeitung an; dafür überprüfen Kameras Kunststoffteile auf Maßabweichungen und Fehler in der Oberfläche. Zum Einsatz kommen die Systeme von Pixargus etwa bei der Produktion von Gummidichtungen für Autotüren, von medizinischen Schläuchen oder Fensterprofilen.

„Ich habe ihn gefragt, ob unsere Kameras eigentlich auch einen Ball erfassen und berechnen können“, rekapituliert Broichhausen jenes Gespräch mit dem Techniker. Die ersten Versuche erfolgten danach an einem mit Kunstrasen beklebten Tischchen, auf dem ein Minitor befestigt war. Rund um diesen Behelfskicker standen die Kameras auf Stativen, der kleine Ball wurde per Fingertipp ins Tor befördert. „Auf diese Weise haben wir die Software geprüft und erste Simulationen gerechnet.“ Später wurden Prototypen während des Trainings und der Spiele von Alemannia Aachen getestet. Mehrmals verbrachte das Goalcontrol-Team ganze Wochenenden im Stadion.

Im Juli 2012 machte das für die Regeln im Weltfußball zuständige Gremium, das International Football Association Board, nach jahrelangen Diskussionen den Weg für die neue Torlinientechnik frei. „Da haben wir in die Hände gespuckt“, sagt Broichhausen. Im Dezember gründete er zusammen mit vier Mitstreitern Goalcontrol. Kapital steuerte auch ein privater Investor bei, der nicht genannt werden möchte. Die Lizenztests der Fifa fanden schließlich in den Stadien von Fortuna Düsseldorf und Schalke 04 statt.

Die Bundesliga hat noch nicht über die Technik entschieden

Im Mai soll der Aufbau des Torliniensystems in Brasilien beginnen, dann wird das Team von Goalcontrol mit lokalen Dienstleistern zusammenarbeiten. In sechs Stadien müssen die Kameras installiert werden, für die Weltmeisterschaft kämen sechs weitere hinzu. Zwischen 200.000 und 250.000 Euro kostet die Ausstattung je Stadion. Auch eine Handvoll Profiligen haben schon ihr Interesse an dem System bekundet, wie der Geschäftsführer berichtet. „Wir führen momentan erste Gespräche.“ Das Marktpotential für die Torlinientechnik schätzt er als groß ein. Die Voraussetzung dafür sei, dass sich Goalcontrol in Brasilien und Hawk-Eye in der Premier League bewähren. „Ich drücke denen die Daumen“, sagt Broichhausen deshalb. Nichts fürchte er mehr, als dass das ganze System nochmals grundsätzlich in Frage gestellt wird. „Gelingt der Einsatz bei der WM, wird es danach massiv losgehen.“ Er halte es für denkbar, dass bis 2022 rund 1000 Stadien in aller Welt mit einer Torlinientechnik ausgerüstet werden.

Die Bundesliga hat noch nicht über den Einsatz der Technik entschieden. Auch in den europäischen Pokalwettbewerben wird weiter auf die Torlinienrichter gesetzt. Unterdessen sieht Broichhausen nach eigener Auskunft den Zeitpunkt näher rücken, an dem er sich auf einen seiner beiden Arbeitgeber - Goalcontrol oder Pixargus - konzentrieren muss. Wer ihn mit seiner temperamentvollen Art über das neue Geschäftsfeld reden hört, hat wenig Zweifel, wofür er sich entscheiden wird.

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