https://www.faz.net/-gqe-af4vo

Dax-Analyse : Top-Konzerne machen so hohe Gewinne wie nie

  • -Aktualisiert am

Der Dax-Neuling Delivery Hero macht hohe Verluste, steigerte seinen Umsatz aber weit stärker als alle anderen Unternehmen im Leitindex. Bild: EPA

Die größten deutschen Börsenunternehmen erholen sich laut einer EY-Studie kräftig von der Pandemie. Das stärkste Wachstum der Umsätze schaffte ausgerechnet ein Neuling unter den 30 Dax-Unternehmen.

          2 Min.

          Nach der heutigen Veröffentlichung der Quartalszahlen von Delivery Hero liegen nun die aktuellen Geschäftszahlen aller Dax-Konzerne vollständig vor. Während der defizitäre Essenslieferdienst noch tiefer in die roten Zahlen rutschte, erzielten die 30 Dax-Unternehmen im zweiten Quartal insgesamt so hohe Umsätze und Gewinne wie nie zuvor. Das ergibt eine von dem Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen EY durchgeführte Analyse auf Basis der Geschäfts- und Quartalsberichte der Unternehmen.

          Mark Fehr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Demnach haben die deutschen Vorzeigekonzerne die Einbrüche des stark von der Pandemie geprägten Jahres 2020 gut verkraftet und erholen sich kräftig. Daher stiegen die Umsätze im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum insgesamt um 29 Prozent auf 370 Milliarden Euro. Sie liegen zudem 14 Prozent über den Umsätzen aus der Zeit vor der Krise. Nach Abzug der Kosten blieben operative Gewinne (Ebit) in Höhe von 44,6 Milliarden Euro übrig. Das ist 87 Prozent mehr als vor der Pandemie. Im zweiten Quartal 2020 hatten die Dax-Konzerne einen Verlust von einer Milliarde Euro gemacht.

          Einen so hohen Gewinn wie jetzt haben die Dax-Konzerne laut Henrik Ahlers, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY, nie zuvor gemacht. Das zweite Quartal 2021 sei sehr stark gewesen. „Die Nachfrage übersteigt in vielen Bereichen das Angebot deutlich, so dass sich für einige Unternehmen ein außerordentlich günstiges Preisumfeld ergibt, was zumindest einen Teil der hohen Gewinne erklärt“, so Ahlers. Allerdings bleiben laut Ahlers Risiken, da Lockdowns die Lieferketten abermals zum Reißen bringen lassen und den Absatz einbrechen lassen könnten. Zudem werde der Mangel an Zulieferprodukten noch einige Zeit für erhebliche Probleme sorgen.

          Kein Stellenabbau im großen Stil

          Zu beobachten ist der von Ahlers angesprochene Mangel etwa in der Autoindustrie, der wichtige Halbleiterchips fehlen. Im zweiten Quartal waren es laut EY-Analyse trotzdem die Autohersteller, die im Dax die höchsten Gewinne einfuhren. So erwirtschafteten Volkswagen, Daimler und BMW insgesamt einen operativen Gewinn von 16,7 Milliarden Euro, nachdem diese drei Unternehmen im Vorjahreszeitraum mit einem Verlust von insgesamt 4,7 Milliarden Euro noch tiefrote Zahlen vorgelegt hatten.

          Nach Einschätzung von EY-Chef Ahlers sind die hohen Dax-Gewinne unter anderem der Tatsache zu verdanken, dass viele Unternehmen in den vergangenen Monaten ihre Kosten deutlich gesenkt haben. Daher stünden sie nun oft besser da als vor der Pandemie. Abgeschlossen sei der Umbau der deutschen Wirtschaft jedoch nicht. Konzernstrukturen würden neu ausgerichtet, Geschäftsmodelle kämen auf den Prüfstand und Fixkosten würden reduziert. Auch die Digitalisierung und die Forschung und Entwicklung verlangten den Unternehmen viel ab.

          Die Kostensenkungen haben zumindest laut EY-Analyse noch nicht dazu geführt, dass Dax-Konzerne in großen Stil Stellen abgebaut hätten. Die Zahl der Mitarbeiter insgesamt stieg im zweiten Quartal um ein Prozent leicht auf 3,56 Millionen. Am stärksten sank die Zahl der Mitarbeiter dem Chemieunternehmen BASF, gefolgt vom Industriedienstleister Linde und dem Energieriesen Eon. Dagegen stieg die Zahl der Mitarbeiter bei dem Wachstumsunternehmen Delivery Hero rasant um mehr als 60 Prozent. Auch bei der Deutschen Börse erhöhte sich die Mitarbeiterzahl um 50 Prozent.

          Die Ausgaben für sein rasantes Wachstum haben dem Essenslieferdienst Delivery Hero einen weiteren Verlust beschert. Gleichzeitig hat das Unternehmen jedoch seinen Umsatz im zweiten Quartal weit stärker gesteigert als alle anderen Dax-Konzerne. So wuchs der Umsatz von Delivery Hero um 166 Prozent – doppelt so stark wie bei Covestro. Der Werkstoffspezialist schaffte nach Delivery Hero die zweitgrößten Umsatzsteigerungen im Dax, gefolgt von Volkswagen, BASF und Adidas.

          Weitere Themen

          Wie sorgt die EZB für Preisstabilität? Video-Seite öffnen

          Erklärvideo : Wie sorgt die EZB für Preisstabilität?

          Die Europäische Zentralbank ist für die Währungspolitik in der Eurozone zuständig. Sie setzt vor allem auf Preisstabilität und versucht über die Anhebung oder Senkung der Zinsen die Inflationsrate bei rund zwei Prozent zu halten.

          Topmeldungen

          Längst vergangene Zeiten: Afghanische Mädchen spielen 2011 in Herat Volleyball am Weltfriedenstag.

          Frauensport in Afghanistan : „Mord ist keine große Sache“

          Die frauenfeindliche Politik der Taliban treibt viele afghanische Athletinnen ins Exil. Diejenigen, die nicht fliehen können, bangen um ihr Leben. Der Tod einer Volleyballspielerin sorgt für Entsetzen.

          Diskussion um Fall Kimmich : „Das ist eine dümmliche Aussage“

          Die „Bedenken“ von Joshua Kimmich gegen die Corona-Impfung sorgen für Debatten. So auch in Frankfurt. Daniel Cohn-Bendit empört sich über den Nationalspieler. Auch andere üben Kritik an Kimmich.
          Klare Linien, offene Räume, perfekte Proportionen: Ludwig Mies van der Rohes Farnsworth House ist ein Triumph des Minimalismus.

          Architektur : Das Idealbild des offenen Raums

          Ludwig Mies van der Rohe und Frank Lloyd Wright haben in Illinois zwei der berühmtesten Privathäuser der Architekturgeschichte gebaut. Sie prägen unser Verständnis von Wohnen bis heute.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.